Quelle: Archiv MG - REALSOZIALISMUS DDR/FNL - Deutsche Menschen in ihrem Wahn

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       Marxistische Gruppe, Juni 1983
       Argumente zum 17. Juni
       

WORUM GING ES BEI DEN PROTESTEN DES 17. JUNI 1953?

Was auch immer am 16. und 17. Juni 1953 in der DDR tatsächlich los gewesen sein mag, eins ist damals ganz gewiß nicht passiert. Daß da "unsere" von Moskau und Pankow geknechteten "Schwestern und Brüder" eine spontane Demonstration für ihre "Befreiung" durch NATO-Panzer und -Raketen von der "russischen Fremdherr- schaft" angezettelt hätten, das ist ein Gerücht der westlich- freiheitlichen und deutsch-nationalen Feindbildpflege und sonst nichts. Die Sache mit der Normenerhöhung -------------------------------- Die Lieblingskinder freiheitlich-westdeutscher Legendenbildung um den 17. Juni sind die Ostberliner Bauarbeiter, die mit ihren Streiks und Protestkundgebungen gegen die Heraufsetzung der für die Lohnabrechnung maßgeblichen Normalleistung den eintägigen Aufruhr ausgelöst haben. Genau dieselben Machthaber des Westens, denen die eigenen "Arbeitsplatzbesitzer" nie genug leisten, nie wenig genug verdienen, nie anspruchslos und dankbar genug sein können, geilen sich da an dem bißchen proletarischen Materialis- mus auf, mit dem einige -zigtausend Arbeiter dem "sozialistischen Aufbau"-Programm ihrer Staatspartei in die Quere gekommen sind. Und einzig und allein d e s w e g e n begeistern diese Herr- schaften sich daran: weil damit die Schwierigkeiten, die sie ih- rem Feindstaat im Osten bereitet haben, noch zusätzlich gewachsen sind. Eine hundsgemein berechnende Sympathie! Dabei haben die Machthaber in den kapitalistischen Demokratien des Westens ihren volksdemokratischen Kollegen im Osten ausge- rechnet den einen "Vorteil" voraus: Im "realen Sozialismus" muß die Staatsführung ihre Leute immerzu moralisch anquatschen und agitieren, damit die bei angeordneten Normerhöhungen mitziehen, sich mehr Leistung für weniger Lohn abknöpfen lassen; und wo die Staatsgewalt diesen "Fortschritt" mit Zwangsmitteln durchsetzen will, ist für die Betroffenen gleich alles klar. Hierzulande brauchen die verantwortlichen Staatsmänner "b l o ß" ihrer wichtigeren gesellschaftlichen Klasse ihr Eigentum zu schützen und zu fördern - dann setzt die mit ihrer gesetzlich geschützten Freiheit alle Leistungssteigerungen und Lohnsenkungen per Preis- steigerung und "Arbeitsplatz"-Gestaltung als "Sachgesetz" in die Welt; und die Arbeiter haben die heiße Wahl, sich dem Diktat ih- rer Firma zu fügen oder 'rauszufliegen. Deswegen haben die Ost- berliner Bauarbeiter ihren regierenden "Sozialisten" auch im Nu die Zurücknahme der Normerhöhung abgetrotzt. Im freien Westen hat derweil die freie Marktwirtschaft Normerhöhungen und Preissteige- rungen zum alltäglichen Normalfall gemacht und so ein "W i r t s c h a f t s w u n d e r" zustandegebracht! Die Sache mit der Freiheit -------------------------- Nationalistisch genug waren sie schon, die streikenden Arbeiter und die Demonstranten in der DDR, um ihren Protest in nichts als eine Demonstration ihres ohnmächtigen Nationalismus einmünden zu lassen - der RIAS aus Westberlin lieferte dafür die Parolen. Den Grund ihrer wenig schönen Lage: den Widerspruch zwischen dem Pro- gramm, eine respektable Staatsgewalt aufzumachen, und der Wohl- fahrt der Untertanen, ließen sie sich in die Vorstellung überset- zen, sie hätten die falsche Hälfte, das weniger ehrenwerte Staatsgewaltprogramm und die verkehrten Herren erwischt. (Schließlich mußten sie sich im Osten auf neue Verhältnisse und andere Macher einrichten als im "tausendjährigen Reich" - das blieb den Volksgenossen im befreiten Westen so ziemlich erspart ...!) "Der Spitzbart (= Walter Ulbricht) muß weg!" war nie als Kritik der H e r r s c h a f t gemeint, sondern nur die Parole des patriotischen Wahns, eine bessere Herrschaft würde ihrem Men- schenmaterial n ü t z e n - wo sie es doch bloß besser benützt! Und diesen untertänigen Wunsch nach besseren Herren ließen die unzufriedenen Ostdeutschen sich gleich auch noch in den Wunsch nach der M e t h o d e übersetzen, mit der die demokratische Herrschaft ihre Untertanen auf Gehorsam verpflichtet: "Freie Wah- len!" - Inbegriff eines Herrschaftssystems, wo die Ermächtigung d u r c h die Untertanen jede Rücksichtnahme a u f ihre Inter- essen ersetzt, ja verbietet! Und damit hatten die Agitatoren der westlichen Freiheit den kur- zen Aufruhr von DDR-Bürgern dort, wo sie ihn haben wollten: in ihrer Sammlung von "Beweisen", daß die Herrschaft über g a n z Deutschland nur dem "System" zusteht, für dessen Wucht die NATO geradesteht - mit Panzern für die "Überzeugungsarbeit" und Atom- raketen als bestem "Argument"! zurück