Quelle: Archiv MG - REALSOZIALISMUS DDR/FNL - Deutsche Menschen in ihrem Wahn
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Die verlogenste Frage des Monats:
IST DIE DDR EIN KZ?
Irgendwie weiß schon jeder, daß die C-ler mit ihrem genialen Ein-
fall, vornehm gesagt, ein bißchen übertrieben haben. Ewig ein Ge-
wehr im Rücken und mit Stacheldraht eingezäunt, hätten es die
DDR-Bewohner auch nicht gerade zu ihrem Wirtschaftswunder Marke
Ost gebracht. Gefängnisse zeichnen sich nicht durch ein Bruttoso-
zialprodukt aus. Und das Verhältnis Aufpasser pro Kopf müßte et-
was anders aussehen.
Aber andererseits - das Prinzip kauft doch jeder Bundesdeutsche
Kohl und seiner Hetzmannschaft unbesehen ab, daß die Deutschen
(Ost) unser ganzes großes ungeteiltes Mitleid verdienen: Angeb-
lich sehnen sie sich nach nichts mehr, als es genauso zu haben
wie wir. Und deshalb soll man deren Obrigkeit, die sie nicht
läßt, gar nicht rabiat genug beschimpfen können.
Mit dem Standpunkt haben sich allerdings Westdeutsche, auf Ver-
wandtenbesuch drüben, auch schon etliche Streitigkeiten eingefan-
gen: Denn die da drüben sehen gar nicht so ohne weiteres ein, wo-
mit sie sich diese penetrant-mitleidige Bevormundung verdient ha-
ben. Es ist nämlich ein kleiner Unterschied, ob man sich drüben
eine Duscharmatur oder sonstwas, was gerade nicht zu haben ist,
oder gleich die komplette BRD an den Hals wünscht: Einen Kanzler
Kohl mit äußerst anspruchsvollen Aufgaben für sein Volk, einen
zackigen Rechts- und Polizeistaat à la Zimmermann, Westunterneh-
mer als Arbeitgeber mit der modernsten Arbeitshetze und Lohn-
drückerei, einen freien Markt mit seinen gesalzenen Preisen,
einen Wohnungsmarkt mit seinen unerschwinglichen Mieten, usw.
usf. Auch das sollten die guten Westdeutschen nicht übersehen:
Zwischen Honecker und den 37 Dissidenten gibt es drüben auch etwa
17 Millionen DDR-Bürger. Die haben etwas andere Sorgen als die,
wann die Bundeswehr sie endlich befreien kommt. Und die haben
andererseits gewisse Sorgen n i c h t, die hierzulande ziemlich
verbreitet sind wie z.B. die Sorge um den Arbeitsplatz, um
überhaupt eine Lehrstelle oder darum, wie man mit seiner
Staffelmiete über die Runden kommen soll. In all diesen Fragen
sorgt nämlich das "Regime" drüben für seine Bürger. Und da
sollten sich die 17 Millionen DDRler alle die Finger nach unserem
System lecken? Und noch etwas: Wenn man schon die Ex-
Polithäftlinge von drüben zu Kronzeugen für Urteile über die DDR
macht, warum nicht einmal umgekehrt? Warum erkundigt man sich
nicht einmal bei den Rübergemachten, die nicht zu knapp unter die
westdeutschen Obdachlosen geraten sind, danach, was sie von den
Segnungen der Freiheit haben? Oder bei westdeutschen Gefängnis-
insassen, unter denen es ja wahrhaftig auch "politische" geben
soll? Die kommen merkwürdigerweise bloß verhältnismäßig selten
vor Fernsehkameras und Mikrofonen zu Wort, im Unterschied zu
unserem Kanzler.
*
Neulich hat der Kanzler auch noch herausgefunden, daß die Regie-
rung drüben ihre Leute um die Früchte ihrer Arbeit bringt. Wollte
er damit vielleicht gesagt haben, daß sich bei uns z.B. die BMW-
Arbeiter nach der Schicht als Frucht ihrer Arbeit einen BMW mit-
nehmen? Oder daß bei uns die Arbeiter bestimmen, was sie an nütz-
lichem Zeug benötigen und sich herstellen wollen? Wollte er viel-
leicht gesagt haben, daß er ab sofort auf sämtliche Steuern und
Abzüge am Arbeitslohn verzichten will? Oder wollte er bloß gesagt
haben, wie warm ihm bei der Vorstellung ums Herz wird, zusätzlich
zu seinen 60 Millionen Westdeutschen auch noch 17 Millionen Ost-
deutsche unter seine Fuchtel zu bekommen und über die Früchte
gesamtdeutscher Wertarbeit zu kommandieren?
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