Quelle: Archiv MG - REALSOZIALISMUS DDR/FNL - Deutsche Menschen in ihrem Wahn


       zurück

       Wochenschau
       

KEINE BOTSCHAFTSBESETZUNG

hat vorletztes Wochenende in Berlin (Hauptstadt der DDR) stattge- funden; deshalb sind auch nicht p o l i t i s c h e E x t r e- m i s t e n in die US-Botschaft eingedrungen, vielmehr "flohen 6 Bürger der DDR" auf extra-territoriales Gebiet, weigerten sich, wieder herauszugehen, und wurden am Montag in Westberlin aufgrund einer "positiven Regelung herzlich willkommen" geheißen. Die üblichen Schwierigkeiten mit dem politischen Asyl in dieser gastfreundlichen Stadt werden sie nicht kriegen: Sie sind ja nur aus dem A n s p r u c h s b e r e i c h in den "Geltungsbe- reich" des Grundgesetzes "heimgekehrt". Daß sie da auch hingehö- ren, bewiesen sie durch ihren Bittbrief an den US-Präsidenten. Sie unterstellten sich dem Schutz Ronald Reagans als "Garanten der Menschenrechte", der den "Vereinigten Staaten von Amerika mit ihrer Tradition von Freiheit und der langen Praxis von Demokratie vorsteht." Da hatten sie sich den richtigen Adressaten ausge- sucht; nämlich einen, der aus langer amerikanischer Tradition heraus die Werte von Freiheit und Demokratie nicht bloß ideolo- gisch, sondern auch als diplomatische Erdpressungsmittel gegen "andersdenkende" Regimes im Osten höchst effektiv einzusetzen weiß. Darauf haben die "unterdrückten Brüder und Schwestern" gesetzt - und entgegen ihrem eigenen Antikommunismus auf weitgehende Nach- giebigkeit ihrer eigenen Regierung. Die gehört nämlich nicht zu den Freunden des Westens, die sich bei ihren Konflikten mit Un- tertanen durch unnachgiebige Härte empfehlen, und ist deshalb an- fällig für eine solche "Nötigung von Staatsorganen". "In der kom- menden Woche wird der kanadische Ministerpräsident Trudeau als erster Regierungschef eines NATO-Landes zu einem Besuch in der DDR erwartet." Ferner Frankreichs Außenminister Cheysson. "Ostberlin liegt viel an diesen Besuchen wie auch an der angekündigten Visite des ame- rikanischen Unterstaatssekretärs für Landwirtschaft. Alle drei Besucher hätten vermutlich ihre Reise abgesagt, wenn die 6 Flüchtlinge sich immer noch in der amerikanischen Botschaft be- funden hätten." (FAZ vom 24. Januar) Sie einfach rauszuschmeißen, wie es vergleichsweise auch nur e i n e m T ü r k e n ergangen wäre, wenn er den Fehler gemacht hätte, in Ankara bei der BRD- oder US-Vertretung Zuflucht zu su- chen, schied für die "westliche Seite" natürlich aus. Hier "spielten ausschließlich h u m a n i t ä r e G e s i c h t s- p u n k t e eine Rolle", weiß die "FAZ" ebenso, wie sie die "politischen Gründe" kennt, die "für die Reaktion der DDR vorwiegend m a ß g e b e n d waren." Im Westen hält man so noch der gemeinsten politischen Berechnung ihre "humanitären Be- weggründe" zugute; drüben gibt es keinen "humanitären Akt", der nicht als gemeine "berechnende Politik" entlarvt würde. In den Worten eines westdeutschen Regierungsbeamten nach der flotten Ausreiseerlaubnis für 12 weitere DDR-Bürger, die sich in die ständige Bonner Vertretung in Ostberlin geflüchtet hatten: "Für die unbürokratische, menschliche Lösung hat die DDR weder Geld gefordert noch von uns erhalten. Die DDR-Führung wollte da- mit ihren guten Willen beweisen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß das Regime nach wie vor einen totalitären Charakter hat und nur in Ausnahmefällen human verfährt." zurück