Quelle: Archiv MG - REALSOZIALISMUS DDR/FNL - Deutsche Menschen in ihrem Wahn

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       Gegen den deutschen Wahn 4
       

DIE SED - LAUTER LUMPEN?

Die Staatsorgane der DDR - eine einzige kriminelle Vereinigung, die ihr Volk geknechtet und ausgeplündert hat, um sich Villen in Wandlitz und französischen Cognac zu spendieren? Die sich einen ganzen Staatssicherheits-Apparat gehalten hat - aus purer Lust am Unterdrücken? Die jetzt zu Recht den Strafverfolgungsbehörden oder gleich dem gerechten Zorn des Volkes ausgeliefert gehört? Darf man einmal dagegen fragen: Wie sollten diese Leute es je im Leben zuwegebringen, den ganzen ansehnlichen Reichtum zu verprassen, den auch ein "realso- zialistisches" Staatswesen hervorbringt? Die nationalen Bilanzen, die in der DDR bis vor kurzem noch als Erfolgsausweis einer "weltmarktorientierten" Nation galten: Sprechen die etwa für die Konsumwut einer herrschenden "Clique"? Oder nicht vielmehr für den Ehrgeiz der Verwalter dieser Nation, mit einem stets wach- senden Bruttosozialprodukt international an Macht und Ansehen zu gewinnen. Meint wirklich jemand, eine ganze "Planwirtschaft" mit ihren Lohnfonds und Gewinnkennziffern, mit Sozialwohnungen und Atom- kraftwerken, mit FDGB-Urlaubsheimen und Kulturleben wäre nur dazu da gewesen, eine Diebesbande zu bedienen? Private Bereicherung: Ginge die nicht etwas einfacher - als ausgerechnet durch die In- szenierung einer ganzen Volkswirtschaft mit "internationalen Ver- flechtungen" usw.? Und die Tresore für Devisen, die jetzt bei DDR-eigenen Büros für Außenhandel laufend gefunden werden: Waren die denn im Ernst da- für eingerichtet, daß 195 "Bonzen" samt Familienanhang sich damit Autos aus Schweden und Brillantkolliers aus der Schweiz finanzie- ren? Was hatte der DDR-Devisenfachmann Schalck-Golodkowski in Bonn verloren am Tag, bevor er sich absetzte? Nichts alberner, als diesen Spezialisten für Waffengeschäfte und Devisenbe- schaffung, der es mit Kollegen wie Franz-Josef Strauß so gut konnte, private Bereicherungsmotive v o r z u w e r f e n. Er wird sie schon gehabt haben - so wie jeder an seinem Ar- beitsplatz; da geht ja keiner pur aus Diensteifer hin. Der Witz ist doch der A r b e i t s p l a t z dieses Mannes: Wofür braucht ein Staat denn überhaupt solche Außenhandels- und Devi- senfritzen? Die "moderne Welt" ist eben von A bis Z als Tummel- platz für geschäftstüchtige Manager, Spekulanten und Politiker eingerichtet. Die bekannten fünf bis sieben Heimatländer des erfolgreichen Geschäfts - bzw. ihre politischen Macher - messen mit ihrem guten Geld den Rest der Welt daran, was er für die Ka- pital-Vermehrung taugt. Wenn schon, dann soll man den Staatsfüh- rern der DDR d a s zum Vorwurf machen: Sie haben auch noch ih- ren "realen Sozialismus" samt Arbeitsvolk den Maßstäben unterwor- fen, die in Washington, Tokio und Frankfurt am Main für lohnende Geschäfte und erstklassige Staatsgewalten festgelegt werden! Sonst hätte die DDR nämlich gar keinen Schalck-Golodkowski und keine Devisenreserven gebraucht. Dann hätte sie ihren "lieben Werktätigen" so manches ersparen können, in ihren Fabriken auf "Weltniveau" und unterhalb davon. Dann wären nämlich auch die paar sozialen Vergünstigungen fürs DDR-Volk nicht so schnell in den Ruf gekommen, "Subventionen" zu sein, die unbedingt abgebaut werden müssen. Auf die Idee ist bloß keiner gekommen, daß vielleicht nicht der M i ß brauch, sondern der G e brauch der staatlichen Gewalt der Fehler war. Daß nicht das eine oder andere Jagdschloß, sondern d i e "W e l t m a r k t o r i e n t i e r u n g" d e r D D R dem Volk das Leben schwergemacht hat. Auf die Einsicht sind weder diejenigen verfallen, die neulich noch jene wunderbare "friedliche Revolution" veranstalteten, noch die, die jetzt den Honecker aufhängen möchten. Und ihre berechnenden Betreuer und Drahtzieher im Lande des "Exportweltmeisters" BRD natürlich schon gleich nicht. Westdeutsche Saubermänner, Vorsicht! ------------------------------------ Ist das die Freiheit, die Ihr meint? Wenn jetzt das Volk der DDR die SED-Politiker der privaten Bereicherung bezichtigt, sie ver- folgt und verurteilt sehen will - soll das ein Vorbild für hier sein? Wenn jetzt die "Bild"-Zeitung, der "Spiegel" und andere öffentlich-rechtlichen Schnüffelorgane die Bankkonten der Bonzen und die Schmuckkästchen ihrer Gattinnen durchforsten und den Jagdrevieren der Staatsmänner von drüben auf der Spur sind - i s t d a s a l s E m p f e h l u n g f ü r h i e r z u n e h m e n? Sollen mündige Bürger hierzulande die Computer-Be- stände des Verfassungsschutzes ausmisten? Soll die Verfolgung von Politikern, die mit Waffen und Devisen weltweit gute Beziehungen pflegen, demnächst demokratischer Brauch werden? Ja? Ist's so ge- meint? Dann aber los! Bundesdeutsche Politiker sind ja auch nicht gerade bescheiden. Sie besuchen Festbankette, stellen ihre geschmückten Gattinnen aus - "Bild"-Zeitung und sonstige Hofberichterstatter immer mit dabei -, jagen - manchmal bis zur letzten Minute - mit dem Geldadel und schweigen sich über ihre Villen und Devisenkonten aus - außer die "Bunte" bewundert sie gerade dafür. Sie lassen massenhaft Bürger bespitzeln, schicken halbe Bürgerkriegsarmeen gegen Sitzblockaden los und haben sich noch nie für verprügelte Demonstrationsteilnehmer entschuldigt. Auf ihren Auslandsreisen handeln sie auch nicht bloß mit guten Beziehungen. Und eins steht jedenfalls fest: Beim Tragen von politischer Verantwortung ist noch keiner verarmt. Da gäbe es also manches zu tun. Aber so ist das natürlich gar nicht gemeint, wenn die "Bild"-Zei- tung einen Politiker in Sträflingskleidung abbildet und den gerechten Volkszorn anstachelt. Es war eben keiner aus der Riege der Bonner Herren und auch keiner von ihren Duz-Freunden aus der Deutschen Bankenwelt. Die beleben ja höchstens die Serie "die Reichen und Mächtigen", deren schönes Leben wir neidlos be- wundern. Denn Sozialneid gehört sich ja nicht. Hierzulande. Der Sträfling war eben einer von drüben - Erich Honecker. Die öffentlichen Scharfmacher hier sind sich verdammt sicher, daß damit alles klar ist und keiner ihr Gehetze als Aufruf versteht, mit denselben Maßstäben bewaffnet s e i n e r Obrigkeit h i e r an den Kragen zu gehen. Alles, was drüben selbstver- ständlich zum Volkszorn berechtigt, zählt nämlich hierzulande zu den höchst ehrenwerten Rechten und Pflichten der Herren aus der demokratischen Führungselite. Sie dürfen Deutschland stärken, müssen deshalb in den sauren Apfel beißen und Macht und Reichtum repräsentieren und sollen soviele Bankkonten haben, wie sie kön- nen. Damit dienen sie Deutschland - und haben deswegen Respekt und keine Kritik verdient. Das gilt auch dann, wenn sie bei der Ausübung ihres Amtes nicht immer "mit dem Gesetzbuch unterm Arm herumlaufen" und das öffentlich wird. Da heißt es unterscheiden: Dem Amt gebührt sowieso Respekt. Denen, die ihm dienen, muß man dafür danken. Als Menschen sind sie natürlich fehlbar; und ein schwarzes Schaf beweist nur die Last der Verantwortung, die alle tragen. Deshalb wirft jeder demokratische Skandal die Frage nach d e m Schwein auf, das ihn aufgedeckt hat und damit unseren Politikern ihr sowieso schon schweres Leben noch schwerer macht. Hierzulande gelten noch die billigsten Wahrheiten über ihr Ge- schäft als Rufmord, der die sensiblen Herren in Badewannen treibt. Für drüben sind dagegen selbst die gröbsten Lügen nicht grob ge- nug. In dem Staat kennt man sich aus: Honecker ein Kokainhändler und Massenmörder; Krenz ein Ganove und Säufer. Und was hier unter den Aktenbergen eines U-Boot-Untersuchungsausschusses begraben wird, berechtigt drüben zur Lynchjustiz: Schalck-Golodkowski ein Waffen- und Devisenschieber - ja wenn der unseren süd- afrikanischen Freunden zu ihrer ersten Atombombe verholfen oder den größten deutschen Rüstungskonzern "geschmiedet" hätte, das wäre etwas ganz anderes. Aber so steht fest - "Alles Verbrecher!" Das Volk drüben soll nämlich gefälligst endlich den letzten Re- spekt vor seinen alten Herren verlieren. Und wenn es dann in Be- folgung der bundesdeutschen Regieanweisung durchdreht, überhaupt nicht mehr an sich, sondern nur noch an die Bestrafung von SED- lern denkt - dann hat es den Auftrag begriffen. Je mehr das Volk der DDR gegen seine Führung rebellisch wird und den Staat in Un- ordnung bringt, desto mehr drängt sich das Bedürfnis nach einer Führung auf, die endlich Ordnung stiftet. Und siehe da - die gibt es schon: Die Bundesregierung. Sie braucht sich gar nicht erst ins Spiel zu bringen. Sie zieht sowieso schon an allen verfüg- baren Drähten, und je mehr drüben das Chaos wächst, desto freier sucht sie sich heraus, zu welchem Eingreifen sie sich bitten läßt. Also Vorsicht, ostdeutsche Saubermänner! Der ganze öffentlich geschürte gerechte Volkszorn taugt nur zu einem: Eine Herrschaft soll weg, eine andere muß her. Weg soll die eine nicht deshalb, weil sie dem Volk nicht genützt hat, son- dern weil sie unseren westdeutschen Politikern schon seit 40 Jah- ren nicht recht ist. Und her soll die andere nicht deswegen, weil das Volk drüben mit ihr besser fährt, sondern weil sie schon längst hin will. Wenn sie endlich angekommen ist, hat natürlich auch das Volk drüben wieder die Schnauze zu halten. Dann sind auch Sitzblockaden wieder strafwürdige Gewalt, Bankkonten bleiben geheim, die Politiker heilig und frei, die Bürger gleich. Und "die Straße" hat schon gleich nichts zu sagen. zurück