Quelle: Archiv MG - REALSOZIALISMUS DDR/FNL - Deutsche Menschen in ihrem Wahn
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Die DDR-Flüchtlinge und die bundesdeutsche Humanität
EIN PAAR RICHTIGSTELLUNGEN
1.
"Der DDR-Führung laufen die Leute weg. Die Bundesregierung muß
helfen."
Jeden Tag tausendfach verkündet. Jeder Flüchtling mit frisch aus-
gestelltem bundesdeutschen Paß ein lebendiger Beweis. Das Rote
Kreuz mit seinen fernsehöffentlich errichteten Zeltlagern der
Inbegriff deutschnationaler Mitmenschlichkeit.
Und trotzdem - wie so oft bei so "offenkundigen Tatsachen" -: Die
Lehre ist verkehrt. Es stimmt gar nicht, daß "das Flüchtlingspro-
blem" seinen Grund allein in den Verhältnissen in der DDR hätte,
und anschließend hätte die BRD die Last. Die schlichte langwei-
lige Wahrheit geht genau andersherum:
Die Bundesregierung setzt sich aus ihren politischen Gründen
frank und frei über die DDR-Staatsangehörigkeit hinweg. Während
sie Flüchtlinge aus aller Welt strikt abweist und Asylbewerber
möglichst schlecht behandelt, nimmt sie jeden DDR-Bürger als In-
länder und läßt ihm durch jede bundesdeutsche Botschaft einen Paß
ausstellen. So setzt sie das Sonderangebot in die politische
Landschaft, die DDR-Bürger sollten es doch ruhig mal mit dem
größeren deutschen Staat versuchen.
Dieses Angebot findet Anklang bei DDR-Bewohnern, die sonst wirk-
lich nicht das Zeug zum Flüchtling hätten: die sich viel zu gut
wären, um als Gastarbeiter ins Ausland zu gehen oder gar die Och-
sentour eines Asylanten in der BRD durchzumachen. Was immer sie
zu einer Ausreise bewegt: Sie würden ihrer Führung nie im Leben
davonlaufen, wenn sie dann außerhalb der DDR als - entsprechend
unbeliebte - Ausländer herumlaufen müßten.
So kommt das "Flüchtlingsproblem" z u s t a n d e, das die Bun-
desregierung nun "bewältigen muß" - und sie "bewältigt" es so,
daß immer gleich wieder eine Abwerbekampagne gegen die DDR daraus
wird, also für Nachschub gesorgt ist.
2.
Alle Welt kommt der DDR-Führung mit "guten Ratschlägen":
"Die DDR muß Reformen wie in Polen oder Ungarn machen, damit ihre
Bürger dableiben."
Nein: Leute, die so auf das Sonderangebot eines bundesdeutschen
Passes einsteigen, sind durch kein Angebot zurückzuhalten; weder
durch Geld noch durch gute Worte und schon gar nicht durch neue
Herrschaftsmethoden. Es ist ja auch sowieso nicht so, daß um so
mehr Leute aus der DDR wegwollen, je mehr sie - tatsächlich oder
nach dem fachmännischen Urteil westlicher Menschenrechts-Experten
- unterdrückt werden; eher umgekehrt: Die Aussiedlerzahlen stei-
gen mit der Leichtigkeit, einmal das Leben in der Bundesrepublik
auszuprobieren...
Es gibt überhaupt nur eine "Reform", mit der sich die DDR das
Problem vom Hals schaffen könnte, das die Bundesrepublik ihr be-
reitet, indem sie die ganz stinknormale DDR-Staatsbürgerschaft
nicht anerkennt: Sie müßte ihren Anspruch auf eine solche Staats-
angehörigkeit ihrer Bürger - also sich selbst als eigenen Staat
weg"reformieren".
Ist das von den "wohlmeinenden" westdeutschen Ratgebern gemeint,
die der DDR-Führung mehr Reformkurs empfehlen?
Und warum sagen sie es dann nicht so?
3.
Ein Fernsehkommentator kommt direkter zur Sache:
"Können wir noch einen Staat respektieren, dem seine eigenen Bür-
ger so offen jeden Respekt aufkündigen?"
Aber leicht können wir das - wenn wir wollen. Von Sri Lanka, des-
sen Tamilen wir nicht hier haben wollen, bis zu Mexiko, dessen
Elendsflüchtlinge die USA mit einem elektrisch geladenen Zaun
durch die Wüste aus ihrem gelobten Land aussperren: Es gibt mas-
senhaft Staaten, deren Bürger härtere Gründe fürs Davonlaufen ha-
ben als "unsere Brüder und Schwestern drüben", und "wir" re-
spektieren sie alle als achtbare Mitglieder der freiheitlichen
"Völkerfamilie".
Aber im Fall der DDR wollen wir eben nicht. Da steht schon vor
jeder Fluchtbewegung fest: Bundesdeutsche Politiker respektieren
die DDR nicht als souveränen Staat. Nur deswegen gilt jeder
Rübergemachte als Beweis, wie recht unsere Politiker haben mit
i h r e n Ansprüchen auf das ganze Großdeutschland.
4.
"Die ungarische Regierung hat vorurteilslos an einer humanitären
Lösung mitgewirkt."
Von wegen. Mit Menschenfreundlichkeit hat es die Regierung in
Budapest so wenig wie die in Bonn. Für die Machthaber in Ungarn
stand eine p o l i t i s c h e E n t s c h e i d u n g an:
Sollen sie z u r D D R h a l t e n, die an der offenen Grenze
zur BRD leidet; oder wollen sie sich zum E r f ü l l u n g s-
g e h i l f e n d e r B u n d e s r e g i e r u n g machen,
die sich eine Oberhoheit über die Bürger der DDR herausnimmt. In
d i e s e r Frage hat sich die ungarische Regierung entschieden:
Sie dienert sich machtvoll den Bundesdeutschen an. Das tut sie
bereits dadurch, daß sie die DDRler als Flüchtlinge anerkennt und
eine Lösung dieses "Problems" durch deutsch-deutsche Verhandlun-
gen fordert. Das i s t die Anerkennung einer BRD-Zuständigkeit
für die DDR-Bürger. Zugleich soll die DDR diesen Angriff nicht
als solchen werten, weil Ungarn nicht u m s t a n d s l o s die
bundesdeutsche Lesart übernimmt, daß DDR-Bürger automatisch
BRDler sind.
Das alles tut Ungarn ganz sicher nicht wegen irgendeiner Flücht-
lingskonvention - um welche Konvention kümmert sich denn die Re-
gierung in Bonn, wenn sie tamilische oder kurdische Flüchtlinge
abschiebt?! - oder irgendwelchen "humanitären" Regungen. Die Ent-
scheidung für die bundesdeutschen Rechtsansprüche ist fällig,
weil Ungarns Regierung ihre politische und wirtschaftliche Zu-
kunft in einer Rolle als tief verschuldetes Anhängsel der EG
sucht. D a f ü r kriecht sie den Bonnern mit ihrem gesamtdeut-
schen Rechtsstandpunkt in den Arsch - und kriegt zur Belohnung
das billige Kompliment, sie wäre ja dermaßen "humanitär"...
Tamilen hergehört!
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"Es geht nicht an, diese Leute als Wirtschaftsflüchtlinge zu be-
zeichnen. Der Wunsch nach materieller Besserstellung ist auch ein
Menschenrecht."
Sprach unser Bundeskanzler Kohl.
Allerdings gilt dieses Menschenrecht nur für Deutsche: Gemeint
waren nur DDR-Aussiedler mit bundesdeutschem Paß. Ausländer sind
keine Menschen in dem Sinn.
Also: Alle Vietnamesen und Iraner wieder weghören!
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