Quelle: Archiv MG - REALSOZIALISMUS CUBA - Vom Verbündeten zum Opfer d. SU


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       "Hier Revolution,  Revolution in Cuba, 90 Meilen vor den USA, den
       mächtigen, den  übermächtigen, den Herren? Unmöglich!" (Fidel Ca-
       stro, Rede vor den Komitees zur Verteidigung der Revolution)
       

25 JAHRE CUBANISCHE REVOLUTION

Das sind für die Freie Welt 25 Jahre zuviel, und mittlerweile herrscht von Washington bis Bonn volle Übereinstimmung darüber, daß der Sozialismus auf Cuba eine Ausnahme bleiben muß, die am besten ausgemerzt gehört, zur vollen Durchsetzung der Regel, ge- gen die Fidel Castro verstoßen hat. So ist die US-Invasion auf Grenada der praktische Beitrag der westlichen Führungsmacht zur "Würdigung" der Zukunftsperspektiven jenes "sowjetischen Stütz- punkts" in der Karibik. Die "Festredner" in der demokratischen Presse des Imperialismus begutachten Castros "Experiment" und ge- langen übereinstimmend zu dem Entschluß, daß es längst schon an "inneren Widersprüchen" gescheitert sei. Die diesem Urteil zu- grundeliegende Maxime, daß nicht sein kann, was nicht sein darf, ist allerdings eine unverhüllte Drohung. Die verlorene Insel ------------------- "Vor 25 Jahren haben Sie etwas gefeiert, von dem wir alle hoff- ten, es wäre der Anfang einer neuen Freiheitsära. Tragischerweise sind die Ihnen gemachten Versprechen nicht gehalten worden." Die Rede ist von der Vertreibung des ausgesuchten Freundes der USA und Menschenschlächters Batista aus Cuba; und der sich da in seinen Hoffnungen auf ein freies Cuba getäuscht gibt, heißt Ro- nald Reagan. Über den Vorwurf: Lügner! braucht dieser Mann sich keine Sorgen zu machen. Das Bekenntnis zur seit eh und je unduld- samen Feindschaft gegen Castros Cuba ist auf alle Fälle glaubwür- dig. Die von ihm verwaltete Freiheit verläßt sich eben nicht auf gute Gründe, sondern hat Argumente anderen Kalibers zur Hand. "Dem cubanischen Volk die Wahrheit über Cuba sagen" (Reagan) - das haben die USA schon immer mit Wirtschaftsboykott, Blockaden und Invasionen in der Schweinebucht und in Grenada exekutiert. Was hat dieses Land eigentlich verbrochen, daß es im Register der politischen Todsünden, von denen die Welt befreit gehört, gleich hinter der Sowjetunion rangiert? Castro hat sich nach seinem Einmarsch in Havanna nicht mit einem Macht w e c h s e l begnügt, also die politische Führungsmann- schäft des Landes ausgetauscht und die Pfründen neu verteilt. Solche Ereignisse fallen in die anerkannte Natur der "sozialen Verhältnisse" da unten und werden vom Urheber dieser Verhält- nisse, den USA, zwar sorgfältig beobachtet, aber ohne großes Auf- heben behandelt. Der politische Selbsterhaltungswille der neuen Machthaber gebietet es ihnen dann schon, sich als die neuen Freunde Amerikas zu beweisen. Castro beging dagegen in den Augen der USA einen glatten Miß- brauch der S o u v e r ä n i t ä t Cubas, als er sich bei der Beseitigung der "Korruption" nicht mit der Hinterlassenschaft Ba- tistas begnügte, sondern mit United Fruits und dem amerikanischen Vergnügungsparadies vor der Küste Floridas ein Ende machte. Unter Berufung aufs Volk räumte die Revolution mit den bisherigen Ei- gentumsverhältnissen auf. Damit war Washington sofort klar, daß hier ein undemokratisches Regime die Macht "usurpiert" hatte. Zwar ist die demokratische Form der Machtausübung auch andernorts nicht gang und gäbe, schon gar nicht unter den US-freundlichen Junta- und Obristenregimes in Lateinamerika. Dort handelt es sich aber allenfalls um schlechten "politischen Stil" oder um ein "Unterwegs" zur Demokratie. Wenn dagegen ein Volk dazu aufgerufen wird, die bisherigen Eigentumsverhältnisse abzuschaffen, die un- gemütliche Abhängigkeit vom Imperialismus zu beseitigen, dann ist das keine Frage der Staatsform mehr, sondern ein Anschlag auf die Interessen der USA und damit ein Verbrechen gegen Freedom and De- mocracy. Castros "anti-imperialismo" war ein einziger Verstoß gegen die berechtigten n a t i o n a l e n Interessen Cubas, wie sie in den USA definiert werden. Er ist nämlich keine ideologische Be- gleitmusik einer nationalen Opportion geblieben, die den Konkur- renten um die Herrschaft als unnationale amerikanische Marionette anklagt, um selber an seine Stelle zu treten. Castro hat in sei- nem Sieg vielmehr erst den Anfang seines Kampfes gegen den Impe- rialismus gesehen, der der Natur der Sache nach gegen die USA ge- richtet war. Für dieses Modell Cuba sind Guerilleros wie Che in den südamerikanischen Busch gegangen, um der sozialen Revolution und der Befreiung vom Joch der USA zum Sieg zu verhelfen. So stand das amerikanische Urteil über das neue Cuba seit Anfang an fest: Die neuen Machthaber "mißbrauchen" ihr Volk für etwas Un- mögliches. Den Beweis liefern die USA nach Kräften mit ihrer Po- litik des wirtschaftlichen Boykotts, der CIA-Sabotage bis hin zu militärischen Überfällen. Castros Versuche, dennoch mit den USA zu einem Arrangement zu kommen, konnten daran nichts ändern. "Verhandlungsfähig" wäre für die USA allenfalls die freiwillige Selbstaufgabe des ganzen Staatsprogramms gewesen. Die nicht wie- der gutzumachende Todsünde Cubas bestand darin, die ihm erteilten Lektionen des übermächtigen Gegners falsch beherzigt zu haben. Cuba nahm wirtschaftliche und militärische Unterstützung der UdSSR an und verletzte damit die Ländern seiner Art gebotene Pflicht zur Neutralität in schlimmster Weise. Diese gebietet näm- lich den Souveränen der "Dritten Welt", ihr Land und ihre Leute der freien Benutzung für den imperialistischen Geschäftserfolg verfügbar zu machen und strategisches Aufmarschfeld für die welt- weite Bereinigung des Globus von den Feinden der Freiheit zur Verfügung zu stehen. Mehr noch: Cuba hat sich die Frechheit her- ausgenommen, der Sowjetunion sein Territorium für die Stationie- rung von Atomraketen einzuräumen, um damit eine strategische Ge- genposition vor der "Haustür" Amerikas aufzubauen. Damit hat Cuba als "Satellit" der SU das Recht auf seine Existenz so grundlegend verwirkt wie seine Schutzmacht. Die Raketen sind zwar wieder weg, aber das Urteil ist gültiger denn je. Ein Satellit der UdSSR ---------------------- in ähnlicher Weise, wie die USA auf die Staaten der freien Welt setzen können - ist Cuba nie geworden. Castro, der viele Jahre lang die chinesische Revolution bewundert hat, ist praktizieren- der Idealist der sozialen Entwicklung und der politischen Selb- ständigkeit der Länder, die doch nur als Material der Interessen des Westens und der Konfrontation der beiden Weltmachtblöcke vor- gesehen sind. Für dieses Ideal schickt er cubanische Lehrer, In- genieure und natürlich auch Soldaten in die Länder, in denen er seine Vorstellungen von einer wirklichen Befreiung und unabhängi- gen Entwicklung am Werk sieht. Dem von ihm so gesehenen Block der "blockfreien" Staaten empfiehlt Castro die UdSSR als "natürlichen Verbündeten". Gemäß seinem Vorbild einer sozialen Revolution aus eigener Kraft und nicht auf Befehl Moskaus hat Cuba Nicaragua, Angola und Äthiopien unterstützt. Diese selbstauferlegte weltpo- litische Aufgabe hat Castro nur einmal mehr die Einschätzung ein- getragen, ein besonders blindwütiges Werkzeug Moskaus zu sein. Damit verstößt es gegen seine eigenen Sicherheitsinteressen, wie sie sich aus dem Sicherheitsbedürfnis der USA ergeben. In den Worten Reagans: "Das Leben vieler Cubaner hätte gerettet werden können, wenn die cubanische Regierung den Willen des Volkes von Grenada respek- tiert hätte... Welche Mission oder welches Lebensinteresse hat Cuba denn, um das Sterben von Cubanern in solchen weitentfernten Ländern zu rechtfertigen?" Cuba - als "Entwicklungsland" unmöglich --------------------------------------- "Kuba ist von der Rezession in der Welt weitgehend verschont geblieben, da 85% seines gesamten Außenhandels mit dem Ostblock zu festen Preisen und Vereinbarungen abgewickelt werden." (Frankfurter Allgemeine, 23.1.) In den Schuldenlisten des IWF taucht dieses Land weit unterhalb der hundert Milliarden auf, mit denen ein staatlicher Habenichts heute seinen Willen dokumentiert, zum "Schwellenland" aufzustei- gen. Solche Verstöße gegen den ehernen Weltmarkt beweisen nur zu deutlich, was von einer Wirtschaft zu halten ist, die es an gebo- tener "Leistungsfähigkeit" fehlen läßt. Wirtschaftliche Vernunft kann da nicht walten, wo sie mit der falschen Abhängigkeit ein- hergeht. "In Wahrheit wären also die wirtschaftliche Weiterentwicklung Ku- bas, der relativ hohe Lebensstandard des Landes und seine sozia- listischen Errungenschaften ohne die sowjetische Unterstützung nicht aufrecht zu erhalten." (Frankfurter Allgemeine) Na und ? - wäre die falsche Antwort, wo doch Unterstützung nie und nimmer Zweck sachgerechter Entwicklungshilfe sein kann. Wo der ökonomische Vorteil des "Entwicklungshelfers" fehlt, muß es sich um die böse Absicht handeln, an der wirtschaftlichen Part- nerschaft vorbei eine Abhängigkeit einzurichten, die mangels je- der einsichtigen wirtschaftlichen Vernunft ihren Grund im russi- schen Streben nach Weltherrschaft haben muß. Wo Menschenrecht und Zuckerrohr den Zuckerpreis auf 7 cent regulieren, da sind die von den Russen gezahlten 55 cent reine "Erpressung". Das Urteil "gescheitert" ------------------------ drängt sich den Kennern der Materie "Weltwirtschaft" und "Unter- entwicklung" auch beim Umgang des cubanischen Staats mit seiner Bevölkerung auf. Zwar "haben die Kubaner nach den Maßstäben von Entwicklungsländern ei- nigen Anlaß zur Genugtuung. Zumindest verglichen mit anderen Län- dern der Dritten Welt haben sie genug zu essen, sind ordentlich gekleidet, werden medizinisch gut versorgt und genießen auch ein einigermaßen ordentliches Erziehungssystem." (Frankfurter Allge- meine) Eine plumpe Form von Bestechung, die nicht anschlägt, weil sie ihr glattes Gegenteil ist: "Die totale Fürsorge des Staates hat aber ihren Preis, und die Kubaner müssen ihn ungefragt zahlen. Noch immer leben sie in ei- ner für die sozialistischen Systeme typischen Mangelwirtschaft, ohne die Aussicht, daß sich bald etwas Grundsätzliches ändert." (Spiegel, 26.12.83) Ernährung in Cuba gut - nebenbei ein schönes Beispiel für die durchgesetzten Maßstäbe für die Behandlung der Massen, die west- licher Betreuung unterstehen -, ab er alles rationiert und des- halb nichts zu fressen! Und überhaupt ist diese Fürsorge eine einzige Behinderung der "Leistungsfähigkeit, die nur durch die Sortierung der Massen in benutzte und unnütze Armut zustande- kommt. Nur wo sich Not und Elend glücklich mit der Tatsache ver- bindet, ein Untertan der Freiheit zu sein, da ist das Leben le- benswert - und das Verbrechen Castros ist es, die Cubaner aus diesem El Dorado auszuschließen. "Wenn er dennoch nicht dem Urbild des blutbefleckten lateinameri- kanischen Diktators ähnelt, dann wegen der Sozialreformen, die er Cuba... dank sowjetischer Finanzhilfe... bescherte. Aber funktio- nierende Demokratien wie Venezuela und Costa Rica bieten eben So- zialleistungen, Kultur und Bildung - im Verein mit Freiheit. Dort leiden viele Menschen Not.... Aber Cuba bietet nur vordergründig eine kommunistische Fürsorge-Fassade. Was hinter ihr an menschli- chem Leid, an der Not von Flüchtlingen und Gefangenen, an wider- lichem Denunziantentum und an Korruption der Karrieremacher des Regimes verborgen ist...". (Süddeutsche Zeitung) Denselben Kommentatoren, deren berufsmäßiger Stolz darin besteht, dasselbe und mehr aus allen mit dem Westen befreundeten Ländern unter südlicher Sonne zu berichten, ohne im geringsten irre zu werden, kann ein Castro eben nichts verbergen. Das Recht auf ein glitzerndes Leben wird den rassigen karibischen Frauen und den Negern, die Musik im Blut haben, bestritten. "Das schillernde und chromglänzende Gegenüber jenseits der Straße von Florida ist für die in gemäßigter Armut gehaltenen Kubaner ein Traumland - mag es auch in den Augen von gutbezahlten europä- ischen Kulturkritikern von Banalitäten strotzen. Die Menschen in einem grau gewordenen karibischen Land sehen das anders." (Frankfurter Allgemeine) Irgendwie färbt der Untermensch Castro freilich auch auf seine Landsleute ab: "Castro umgibt dazu noch der Ruhm, seit 25 Jahren den übermächti- gen USA die Stirn zu bieten, die von den Latinos in ihrem unaus- rottbaren Minderwertigkeitskomplex so gehaßt und so bewundert werden. In ihrer irrational geprägten Welt bringen viele dieser Länder keine Demokratie zustande." (Süddeutsche Zeitung, 30.12.) Da tut es gut, den politischen Willen der USA: "Wir müssen das Übel an der Wurzel packen." (A. Haig) hinter sich zu wissen, um das Urteil über Cuba in gültiger Allgemeinheit zu formulieren: "Der Versuch, die kubanische Selbstbefreiung der übrigen Welt als voluntaristisches Modell für unbestechliche Volksherrschaft, für erfolgversprechenden Kampf gegen Hunger, Unterdrückung und Unwis- senheit hinzustellen, ist gescheitert." (Der Spiegel) Der Beweis heißt "Grenada!" --------------------------- Und die Tatsache, daß Castro darauf reagiert; seine Cubaner frei- willig oder auf Drängen der von ihm unterstützten Souveräne nach Hause zurückholt; sich für unfähig erklärt, im Falle einer Inva- sion Nicaraguas den Sandinisten zu Hilfe zu kommen; und die mili- tärische Unterstützung der UdSSR bei einer Auseinandersetzung mit den USA realistisch einschätzt; das macht den aufgeklärten Beob- achtern des Weltgeschehens nur eines deutlich: Bei Grenada kann das Scheitern Cubas nicht stehenbleiben. *** Über das cubanische Pressewesen ------------------------------- Frage: "Warum berichtet die cubanische Presse so einseitig über die USA?" Fidel: "Ich werde Ihnen nicht antworten, daß wir dies nicht tun. Es ist wahr, alles, was wir über die USA sagen, betrifft im we- sentlichen die schlimmsten Aspekte, und es ist sehr selten, daß Dinge, die irgendwie günstig für die USA sind, hier veröffent- licht werden. Wir nehmen ganz einfach eine ähnliche Haltung wie Ihr Land ein. Ich meine damit, daß wir stets versuchen, von al- lem, was es in den USA gibt, die schlechteste Meinung zu bil- den... Der einzige Unterschied ist der, daß wir keine Unwahrhei- ten über die USA schreiben müssen." (Interview mit dem US-Journa- listen Lee Lockwood) zurück