Quelle: Archiv MG - REALSOZIALISMUS CSFR - Ein weiterer Dominostein...
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Tschechoslowakei
NOCH 'NE REVOLUTION
Jetzt ist also auch die CSSR offen: "Das Volk hat gesiegt", heißt
es. "Der alte Schwejk ist endlich zum Revolutionär geworden."
"Ein Taumel der Freude" wird in den Medien der BRD ausgemalt und
ebenda verkündet, daß in der CSSR etwas ganz a n d e r e s zu
Gange ist als ein Volk, das sich von der Herrschaft befreit und
seine Interessen selbst organisiert. Nicht das Volk in der CSSR
beschließt, in Zukunft gut zu leben, sondern Biedenkopf hat einen
Plan: "Jetzt muß auf die Einführung der freien Marktwirtschaft
hingearbeitet werden" (Süddeutsche Zeitung, 4.12.). Dem Volk wird
ein "Bravo, brav gemacht!" zugeprostet, und die Managerschulen
deutscher Firmen haben schon das Programm für die Abgesandten der
neuen Herrschaft in der CSSR ausgearbeitet, während
österreichische Gastwirte und 'Kleinunternehmer' jetzt mit den
"fleißigen und anspruchslosen Tschechen" rechnen.
"Bravo, tapferes Volk!" - doch was haben eigentlich die Arbeiter
und Bauern in der CSSR davon? "Fleisch, Konserven, Südfrüchte...
zu niedrigen Preisen" (Der "Spiegel" über die alte CSSR) - das
hört sich jetzt jedenfalls auf. Und alle Fachleute wissen, warum
das so sein muß: Das war "Scheinwohlstand". "Eine Währungsreform,
die sicher erst mal Not bedeutet, muß durchgeführt werden!" (Ein
Unternehmer, der es wissen muß.) Denn: "Die Preise werden hoch
subventioniert, um das Volk politisch ruhigzustellen." Das ist
allerdings eine Schweinerei, die man dem Kapitalismus nicht
nachsagen kann: Das macht unser Staat wirklich nicht, daß er sein
Geld nimmt, um dem Volk die Lebensmittel zu zahlen.
Jetzt darf das Volk politisch aktiv werden: Freie Wahlen, "runder
Tisch wie in Polen" (Opposition in der CSSR) - das entschädigt
doch wohl für ein bißchen Verelendung.
Das Volk wird beglückwünscht, weil die sogenannte Revolution eine
selbstlose Tat war, die Leute also nichts davon haben. Das Volk
der CSSR öffnete, indem es seine Herrschaft geschwächt hat, dem
Interesse westlicher, vor allem deutsch-österreichischer
Geschäftsleute, Banken und Politiker den "eisernen Vorhang";
einem Interesse, das auf die B e n u t z u n g von Land und
Leuten auch in der CSSR aus ist. Und weil für dieses Interesse
mit dem Volk kapitalistisch kalkuliert und gerechnet wird,
deswegen wird es im Westen als Sieger gefeiert.
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