Quelle: Archiv MG - REALSOZIALISMUS ALBANIEN - Skipetarischer Marxismus


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       Strauß in Albanien
       

EIN SPEZI AUF BALKANTOUR

Feuer und Wasser haben sich getroffen; und sie vertrugen sich gut. F.J.S. war in Albanien, diesmal nicht als Tourist im Gelän- dewagen, sondern offiziell eingeladen und gefeiert als "Vater der neuen deutsch-albanischen Beziehungen". Ein ungewöhnliches Zusammentreffen? Nicht ganz. Den Dogmatismus, sich von der Beteiligung an Weltpolitik und Welthandel nichts zu versprechen, imperialistischen Gebilden wie der BRD bestenfalls im Fußballstadion entgegenzutreten, haben sich die Revisionisten in Tirana seit dem Tode Enver Hoxhas abge- schminkt. Ihrem letzen großen Vorbild, der Volksrepublik China, haben sie zwar nicht die ökonomische Öffnung nach Westen abge- schaut, aber irgendwie hat Tirana die fixe Idee gefaßt, der di- plomatische Verkehr mit dem Westen könne mehr sein als nur das vertragsmäßige Geschäft der Gewalt. Wie sonst käme man darauf, in den "Lakaien des Revanchismus" von gestern, Genscher und Strauß, heute ehrliche Makler der albanischen Sache zu entdecken? Auf der anderen Seite hat F.J.S. seinen antikommunistischen Dog- matismus auch nie als Aufforderung zur Nicht-Befassung mit den feindlichen Staaten im Osten mißverstanden; im Gegenteil: er ist ja schließlich der Vater des Gedankens, mit ökonomischen Hebeln drüben politische Zugeständnisse abzuringen. Das hat ihm, neben neidvollen Kommentaren der SPD, einige handfeste Männer- freundschaften in Ost-Berlin, Budapest und Peking eingebracht. Da macht es dem christlich-sozialen Zusatz-Außenminister aus München gar nichts, daß sich die Albaner den Atheismus in die Verfassung geschrieben haben und auch sonst von den Errungenschaften der westlichen Zivilisation nicht übermäßig viel halten. Straußens imperialistischer Fanatismus, womöglich könne es auf irgendeinem Zipfel der Erde deutschem Geschäft und deutscher Gewalt an Ein- fluß mangeln, hat ihn ganz vorurteilslos einen letzten weißen Fleck auf der politischen Weltkarte entdecken lassen - Albanien eben. Und bevor die westlichen Konkurrenten dort ihre Finger drin haben, flankiert er die offiziellen Anbändeleien zwischen Bonn und Tirana mit seiner Privatdiplomatie. Dabei hat das Albanien des Ramiz Alia einen geographischen Vorteil aufzuweisen. Es liegt mitten in Europa. Also auf dem Kontinent, dem nicht nur Strauß endlich die abschließende "Lösung" präsentieren will. Ein politi- scher Zugewinn an der südosteuropäischen NATO-Flanke ist nicht ohne, egal, ob albanische Kräuter auch noch für ein Profitchen gut sind: "Strauß erklärte vor Journalisten, die BRD gebe viel Geld aus für Entwicklungshilfe an manchmal nicht entwicklungswillige Länder. Da sollte sie auch gegenüber dem europäischen Land Albanien Her- zen, Türen und Kassen öffnen." Der noble Gast weiß, daß man auch mit wenig Geld Freunde schaffen kann. Die sechs Millionen Mark, die ihm Parteifreund Klein als erste Spende an die albanischen Freunde mitgegeben hat, sind gut angelegt. Auch Kleinvieh macht Mist, wissen die kommerziellen Be- gleiter im Gefolge von Strauß. Aus der bisherigen Autarkiepolitik Albaniens haben sie messerscharf geschlossen, daß die Skipetaren ein bescheidener Menschenschlag sind, die sich auch mit westdeut- schen Ladenhütern bedienen lassen. "Hinzu kommt, daß die Albaner vernünftig genug sind, nicht auf allermodernster Technik und Elektronik zu bestehen wie viele Entwicklungsländer, und sich durchaus mit der 'vorletzten Technik' begnügen wollen." (SZ, 19.11.) Für den Anfang gibt's schon mal 2000 gebrauchte LKWs von Daimler- Benz. Ein etwas klappriger Auftakt zu einer "wonderful friend- ship". zurück