Quelle: Archiv MG - REALSOZIALISMUS ALLGEMEIN - Als es noch den Ostblock gab...

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       Planwirtschaft - nie gewesen
       Jetzt wollen alle wissen:
       

PLANWIRTSCHAFT KANN NICHT FUNKTIONIEREN

A) Planwirtschaft geht nicht ---------------------------- 1. Mit dieser Gewißheit wird die alte Scheiße in die falsche und üble Richtung aufgelöst: - Die real-sozialistische Wirtschaftsweise hat für die Leute we- nig gebracht. Herauszufinden wäre: Warum? Schließlich hat keine kapitalistische Ausbeutung den Nutzen der Arbeiterschaft verhin- dert. Was dann? - Aber die Bürger wissen die Antwort schon ohne das Studium von Ökonomie, Planung und ihren Fehlern: Die regierenden Sozialisten hatten Schlamperei erlaubt und selbst geschlampt, man hatte kei- nen Faulpelz entlassen können und so viel Leistungsschwache mit- geschleppt: kurz - der Zwang zur Arbeit sei im Sozialismus zu schwach ausgefallen. Die Bürger der DDR werfen dem alten Sozialismus nicht seine (gewiß weitreichenden) Fehler vor, son- dern seine humane Absicht selbst: Arbeit sollte im Sozialismus von den Produzenten nicht durch Drohungen erpreßt werden! - Dadurch wird die Ablehung des Alten so dumm, rechts und verab- scheuungswürdig: Die Bürger wünschen sich eine Wirtschaft, in der es e r k l ä r t e r m a ß e n (und nicht nur im Geheimen und gegen bessere Absichten) u m i h r W o h l n i c h t g e h t! Nur wenn d i e W i r t s c h a f t nicht mit sozia- len Aufgaben belastet wird, nur wenn sie die Menschen für ihre Erfolge an der Profitfront unwidersprechlich einspannt, dann kommt etwas heraus - und dann fällt vielleicht (man sieht es im Westen) sogar für die dienstbaren Knechte etwas ab. So kritisieren nur Menschen, die gar nicht mehr daran denken, i h r e V e r h ä l t n i s s e f ü r s i c h nützlich einzu- richten. So kritisieren enttäuschte Mitläufer der Staatsgewalt: Sie hatten dem Honecker gehorcht und werfen ihm nun vor, aus ih- rem Gehorsam nicht genug gemacht zu haben. Sie vergleichen ihn mit anderen, die aus dem Gehorsam ihres Menschenmaterials mehr Reichtum herausholen können, und sind zufrieden, nun diesen bes- seren Ausbeutern, bzw. Machttechnikern nachlaufen zu können. Aber noch nicht einmal darin sind die DDR-Bürger Subjekt: Nur weil die BRD ihre Macht sowieso nach Osten ausdehnt und die DDR kassiert, ist der Ruf derer, die M a t e r i a l d e r g r ö ß e r e n u n d r e i c h e r e n M a c h t s e i n w o l l e n, so "mächtig". Menschen, die bewußt die "abhängige Variable" einer imposanten Macht sein wollen, bekommen dann auch, was sie fordern: Man wird sie für das fremde Interesse nutzen, was für sie dabei abfällt, bestimmt dieses fremde Interesse. Sie fordern für sich selber gar nichts. 2. Mit Planwirtschaft braucht sich für solche Einsichten keiner zu befassen: Dafür braucht keiner zu wissen, daß die alte SED ihre durch Ent- eignung der Kapitalisten und Beseitigung ihrer Konkurrenz erwor- bene politische Hoheit über die Wirtschaft gar nicht zum Planen benutzt hat, sondern zum Einrichten von S a c h g e s e t z e n 2 der Produktion, die Leistung und Wirkweise der kapitalistischen Konkurrenz kopieren sollten. Der Zusammenhang der Arbeiten sollte gar nicht einfach durch be- wußte Arbeitsteilung und das zweckmäßige Sich-Zuarbeiten der ver- schiedenen Elemente der nationalen Produktion gewährleistet wer- den, sondern über politisch erlassene, dann aber selbständige, durch Geldumlauf determinierte Mechanismen, die die geplanten und gewünschten Leistungen der Betriebe e r z w i n g e n sollten. Der darin unterstellte und manifest gewordene Interessengegensatz von Betrieb und nationalem Plan sollte anerkannt und zugleich überbrückt werden durch die Techniken der materiellen Stimmulie- rung, die einem planfremden politisch erlassenen Privatinteresse des Betriebs Vorteile im Fall der Erfüllung der nationalen Dienste verspricht. Der Widerspruch beider Interessen und die zahllosen, sich wider- sprechenden Kennziffern, mit denen der gewünschte Dienst des Be- triebs erfaßt und definiert werden soll, die jedoch notwendig vom im Plan niedergelegten Nutzeffekt der Produktion auch wieder ab- weichen, schaffen die Disproportionen von materiellem und finan- ziellem Ergebnis: Menge und Qualität widersprechen dem geforder- ten Gewinn, Grundfondsrentabilität der geforderten Steigerung der Produktivität der Arbeit, und das Sparsamkeitsprinzip der Quali- tät der Produkte. 3. Die unkritische Selbstdeutung dieser nationalökonomischen Konstruktion wird auch von den Kriti- kern, die sie gänzlich verwerfen, übernommen: Die Wertrechnung und die Ware-Geld-Beziehung habe man a l s M i t t e l d e r P l a n u n g eingeführt, weil man den Gebrauchswert nicht pla- nen, "nicht auch noch die letzte Schraube bilanzieren" könne. Die Wertrechnung erst erlaube, die verschiedensten Größen zu aggre- gieren und Aufwand und Ertrag zu vergleichen. Bewiesen wird dieser Gedanke entweder mit Kalauern über die Unbe- rechenbarkeit der Launen des Konsumenten oder mit Problemen der Vergleichbarkeit von Arbeitsaufwänden verschiedener konkreter Ar- beiten, die ihrerseits überhaupt nur aus dem Bedürfnis einer Wertrechnung folgen, die sich das Bekenntnis zum Wert erst einmal versagt, um ihn dann als Lösung der Schwierigkeiten zu deduzie- ren. - Es wäre dagegen zu fragen, ob man, nicht nur die letzte Schraube, sondern allen Gebrauchswert überhaupt b i l a n z i e- r e n, d. h. a u f d e r A u f w a n d s u n d d e r R e s u l t a t s s e i t e d o p p e l t v e r b u c h e n s o l l! - Es ist ferner zu zeigen, daß mit dem Bilanzieren von Wertgrößen keineswegs nur e i n e b e q u e m e r e T e c h n i k der Effizienzmessung gewählt, sondern ein ganz bestimmter sozialer, nämlich arbeiterfeindlicher Inhalt von Effizienz definiert worden ist. B) Effektivität --------------- "Höchstmögliche Ergebnisse mit geringstem Aufwand" das erscheint als unverfängliche Definition von Effektivität der Produktion in der Planwirtschaft: dem zweckmäßigen Einsatz von Arbeit. 1. Das Wort Effektivität tut so neutral. Niemand soll sich der Vernunft effektiven Produzierens entziehen können. Dabei ist es 3 sehr die Frage, w a s effektiv f ü r w e n ausfällt. Obige offizielle Definition formuliert eine R e l a t i o n v o n A u f w a n d u n d E r g e b n i s, welche über die Zweckmä- ßigkeit und Nützlichkeit der Produktion entscheiden soll. Vom Standpunkt der Planwirtschaft und des Gebrauchswerts aus ist ein derartiger V e r g l e i c h von Aufwand und Ergebnis aber schlechterdings sinnlos: Man kann z.B. ein Haus nicht mit dem Aufwand an Steinen, Mörtel, Holz, Glas und Arbeit v e r g l e i c h e n, um herauszufinden, ob dieser Aufwand sich für die Gesellschaft gelohnt hat. Wird das Haus gebraucht, dann ist es nützlich und der Aufwand war für diesen Nutzen nötig, also lohnend. Kann sich die Gesellschaft z.b. wegen anderer dringender Bedürfnisse kein schönes Haus leisten, und baut notdürftig, fällt der Aufwand natürlich geringer aus. Mehr oder weniger e f f e k- t i v ist das nicht. Der Gebrauchswert Haus hat keine gemeinsame Qualität mit den di- versen Aufwänden, ein Vergleich ist sinnlos. Allenfalls könnte man v e r s c h i e d e n e V e r f a h r e n, dasselbe Haus zu bauen, untereinander bezüglich des jeweils nötigen Arbeitsauf- wands vergleichen. Nie aber das Produkt mit dem Aufwand, den I n p u t m i t d e m O u t p u t! 2. Dieser Vergleich, der sich so konkret, gebrauchswertmäßig prä- sentiert, kommt in Wahrheit nur bei einer W e r t r e c h- n u n g zustande und kommt nur von ihr her: nur wenn der Aufwand Wert ist und das Produkt Wert, dann kann dieser Vergleich durch- geführt werden. Dann aber kommt erstaunlicherweise auch nichts heraus: investierter Wert + aufgewendete wertbildende Arbeit = Wertprodukt. Die beiden Seiten der Gleichung entsprechen sich, die Gesellschaft kann wertmäßig nichts gewinnen. Der Vergleich von Input und Output muß schon gleich in Kategorien der kapitalistischen Ausbeutung rechnen, damit er überhaupt einen ökonomischen Sinn bekommt: Die Wertdifferenz von Aufwand und Re- sultat kommt nicht daher, daß durch raffinierte Arbeitsorganisa- tion und Maschinerie weniger Arbeit aufgewendet würde, als sie an Erträgen schafft, sondern nur davon, daß der Arbeiter weniger be- zahlt bekommt, als er Wert schafft. Die sozialistische Effektivität will einerseits durchaus so eine Aufwands-Ertragsrechnung sein (Selbstkostensenkung, Rentabili- tät), andererseits aber auch wieder nicht: Nicht die gesteigerte Ausnutzung der Arbeiter, sondern den gesteigerten Nutzeffekt der Arbeit für die Gesellschaft soll der Maßstab Effektivität auswei- sen. Der Nutzeffekt allerdings hat keine Wertgröße. Hier ist die sozialistische Literatur voll von Verwechslungen des Gebrauchs- werts mit dem Tauschwert, wie sie die bekämpfte bürgerliche Grenznutzenlehre auch noch schlimmer hinbringt. 3. Tatsächlich wird eben doch wie im Kapitalismus der Arbeiter mit seinem Lohn unter die Kosten, den Aufwand, gerechnet, aus dem es mehr zu machen gilt. Nur im Umgang mit dem leidigen Kostenfak- tor der Produktion legt der sozialistische Staat seiner Reichtumsvermehrung Fesseln an: der Zuwachs soll nicht durch Lohnsenkung und Entlassungen erzielt werden. So steht die sozia- listische Wirtschaft da mit ihren Lohnkosten, die sowieso bezahlt werden, und sucht dann, wie daraus mehr gesellschaftliches Rein- einkommen zu machen wäre. Der Arbeiter ist dabei Instrument: die P r o d u k t i v k r a f t s e i n e r A r b e i t wird je- denfalls nicht als seine Potenz, sondern und im Unterschied zu ihm als Potenz der Gesellschaft veranschlagt. 4 4. Die Einsparung von Arbeit lohnt sich im Realen Sozialismus so selten, weil der Staat die Arbeit sowieso zahlt und dann ver- schwenderisch mit dieser Resource umgehen kann. Er betrachtet nicht die Arbeit selbst als den einzigen Aufwand der Gesellschaft und den Arbeiter als Genossen einer gemeinsamen Anstrengung. Die Produktivkraft der Arbeit ist auch im Realen Sozialismus nicht d i e P o t e n z des Arbeiters, die s e i n L e b e n r e i c h e r u n d s e i n e A n s t r e n g u n g e n g e r i n g e r m a c h e n w ü r d e. Wäre es so, gäbe es keine durch die Produktionsverhältnisse bedingten Schranken der Anwendbarkeit von Mittel der Produktivitätssteigerung. zurück