Quelle: Archiv MG - NAHOST TUERKEI - Frontstaat im Nahen Osten
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Wochenschau
2 GENERÄLE
machen gegenwärtig nicht nur Politik, sondern, nach dem überein-
stimmenden Urteil aller interessierten Beobachter, Geschichte:
Jaruzelski und Evren. Dies jedoch bereits das einzige Urteil, das
beiden gleichermaßen gilt. Alle anderen Wertungen orientieren
sich an dem Sachverhalt, daß der eine in Polen, der andere hinge-
gen in der Türkei seine Truppe für Ruhe und Ordnung hat sorgen
lassen. Weil hier in einem NATO-Land mit harter Hand, das wird
eingeräumt, für stabile Verhältnisse gesorgt wird, kommentiert
die "Süddeutsche Zeitung" vom 9. November: "Der Vormund der Tür-
ken ist kein Tyrann." Der Sturz einer gewählten Regierung, die
Zerschlagung der Gewerkschaften, das Einsperren und Hinrichten
Oppositioneller und die Ausschaltung der Politiker mittels einer
Verfassung, mit der die Militärdiktatur konstitutionell festge-
schrieben wird - alles das stellt der Türkei zwar "kein demokra-
tisches Reifezeugnis" aus. Dennoch aber figuriert Evren als "Mann
von Statur, Intelligenz und Entschlußkraft", weil "die Türkei an
Bulgarien, die Sowjetunion, die derzeit kriegführenden Staaten
Iran und Irak, das derzeit mit Moskau liierte Syrien" grenzt Das
"macht sie zu einem so gut wie unaufgebbaren Eckpfeiler Europas."
(Und so gesehen, ist wohl auch der Völkermord an den Kurden, die
das Pech haben, entlang der oben aufgeführten strategischen Gren-
zen zu leben, nachgerade "unaufgebbar"!) Was also ansteht, ist
nicht das Herummäkeln an den Formen türkischer Herrschaft, son-
dern die "Langmut Europas", die voll dadurch entschädigt wird,
daß "dieser Eckpfeiler nun bis zum Ende des Jahrzehnts strate-
gisch einigermaßen gesichert ist. Der Versuch, mit der Konzentra-
tion aller politischen Macht beim Befehlshaber des Militärs die
Volksrepublik Polen dem Warschauer Pakt als "Eckpfeiler" zu er-
halten, wobei von einem Pfeiler ohnehin nicht die Rede sein kann,
macht hingegen den General Jaruzelski zu einem bleibenden Buhmann
des demokratischen Beobachters, der auf keinerlei "Langmut" rech-
nen kann. Die Welt vom Standpunkt der NATO aus gesehen, macht die
Völker zur Manövriermasse der eigenen Herrschaft und scheidet die
fremden Herrscher säuberlich in Freund und Feind.
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