Quelle: Archiv MG - NAHOST SAUDIS - Salem Öleikum
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 79, 25.10.1983
Diplomatische Sprachregelungen rund um den Waffenhandel:
ALLES NICHT SO EINFACH!
1. Defensiv oder offensiv - eine geographische Frage?
Ist "unser Leo", der beste Panzer der Welt, nun eine Offensiv-
oder eine Defensivwaffe? Blöde Frage, das kommt selbstverständ-
lich ganz darauf an! Steht er in "unserer" Bundeswehr, ist er im-
mer und unter allen Umständen eine "Defensivwaffe". "Unsere" Bun-
deswehr hat nämlich einen reinen "Verteidigungsauftrag" zu erfül-
len - wie sollte sie da "Offensivwaffen" überhaupt gebrauchen
können? Deswegen sind doch auch alle sowjetischen Waffen von Haus
aus "Offensivwaffen", weil eigentlich überflüssig. Die fachmänni-
sche Erklärung eines deutschen Generals zum Leo: "Die beste Pan-
zerabwehrwaffe ist noch immer die (vorrückende) eigene Panzerar-
mee", ist doch wohl für jedermann einleuchtend?
Dreitausend Kilometer weiter südwestlich, in Saudi-Arabien, ist
das alles ganz anders. Die Scheichs kriegen "bloß" den Gepard
(und anderes Gerät), n i c h t aber "unseren" Leo. Der ist in
diesen Breitengraden nämlich eine "Offensivwaffe", mit der man
die Nachbarschaft bedrohen und erpressen kann - was mit dem Ge-
pard wiederum völlig ausgeschlossen sein soll, weil der haupt-
sächlich zum Flugzeugabschießen da ist. Klar?! Die israelische
Regierung sieht das Ganze noch etwas anders. Die ist nämlich ge-
gen jede Waffenlieferung an die Saudis und hat erklärt, daß bei
modernen Waffen die Unterscheidung zwischen Angriff und Verteidi-
gung ein Blödsinn sei. Und irgendwie müssen die Jungs sich ja
auskennen - bei den vielen "Verteidigungskriegen", die sie lau-
fend führen.
2. Abschreckung und Spannungsgebiete
Auch mit der Abschreckung darf man es sich nicht zu einfach ma-
chen. Das "Spannungsgebiet" Mitteleuropa wird bekanntlich dadurch
immer entspannter und der Frieden hierzulande immer sicherer, je
mehr NATO-Waffen von hier aus auf die Sowjetunion gerichtet wer-
den. Völlig verkehrt wäre es allerdings, die Regel, je mehr Waf-
fen, um so abschrecke und deshalb um so Friede, einfach so blind
für alle Weltgegenden zu übernehmen. Auswärts gibt es nämlich
"Spannungsgebiete", die sich dadurch auszeichnen, daß "wir" keine
Waffen dorthin exportieren dürfen. Zugegeben, eine etwas lästige
Bestimmung: Ein "Spannungsgebiet" läßt sich ohne Waffen halt so
schlecht machen, weshalb auch ausgerechnet die Herrschaften sol-
cher "Gebiete" immer Waffen nachfragen. Die Lösung, die unsere
Politiker für dieses Problem parat haben, ist einfach und genial:
Sobald der friedliebende freie Westen auf die Aufrüstung einer
befreundeten Staatsmacht Wert legt, ist dieser Erdenwinkel eben
kein Spannungsgebiet mehr. Denn das wäre ja wohl noch schöner,
wenn die eigenen Sprachregelungen auf einmal der Politik im Wege
stehen würden, die sie erfunden hat. Und wenn die Waffen dann
hingeliefert werden, ist sowieso alles klar. Denn, wie gesagt, in
"Spannungsgebiete" liefert die BRD keine Waffen.
Waffen ohne Heuchelei betrachtet:
sind Kriegsgeräte, bei denen es weder um "Offensive" oder
"Defensive" noch um "Abschreckung" oder "Frieden" geht, sondern
schlicht und einfach um den Sieg über den Feind. Und wer das ist,
ist ja wohl kein Geheimnis. Aber diese Einsicht ist für jeden
Kenner sicher viel zu kompliziert, als daß man sie verstehen
könnte, und außerdem macht man es sich damit viel zu einfach.
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