Quelle: Archiv MG - NAHOST SAUDIS - Salem Öleikum
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Wochenschau
SCHMIDT IN SAUDI-ARABIEN
Spätestens seit Kanzler Schmidt letzte Woche in Saudi-Arabien
war, gelten hinsichtlich der Staaten im Nahen Osten neue Sprach-
regelungen. Die saudi-arabischen Herrscher sind keine unverschäm-
ten Scheichs mehr, die laufend "unser Öl" verteuern, sondern
zeichnen sich jetzt durch eine "weise Regierung" aus. Die PLO ist
nicht mehr eine Horde von Terroristen, sondern ein Volk, dem end-
lich sein "Selbstbestimmungsrecht" zugestanden werden muß. Die
Israelis hingegen haben sich in kürzester Zeit von einer Nation,
die sich mittels Überfälle auf Palästinenserlager gerechterweise
gegen die Bedrohung des eigenen Staatsgebiets zur Wehr setzt, zu
Leuten entwickelt, die die "eigentlichen Bombenwerfer in der
dortigen Region" sind.
Nun haben weder die Saudis die Ölpreise gesenkt noch ihre
"barbarischen" islamischen Gesetze geändert, und die Israelis
sind schon immer mit staatlichem Terrorismus gegen die Araber
vorgegangen. Was sich geändert hat, ist das Interesse an der
dortigen Region, und Schmidt verkündete nach seiner Rückkehr, wie
man ab sofort über die neuen und alten Freunde zu denken hat. In
der BRD selbst hat man es sich mit den beabsichtigten Waffenlie-
ferungen nach Saudi-Arabien nicht leicht gemacht. Während es bis
dahin niemand für besonders erwähnenswert hielt, daß ausgediente
Waffensysteme der Bundeswehr in alle Welt verscherbelt werden,
wurden die Leos an die Saudis als höchst moralisches Problem der
deutschen Außenpolitik in der Öffentlichkeit verhandelt. Die De-
batte, ob die BRD, auch wenn es ihrem nationalen Interesse ent-
spräche, Waffen in das "Spannungsgebiet Naher Osten" liefern
dürfe, hat einiges geleistet.
Die Aufrüstung des westlichen Interessensgebietes Naher Osten
durch die Bundesrepublik zu einem Schauplatz des Dritten Welt-
krieges dient gerade dadurch der bloßen Friedenssicherung, daß
das Spannungsgebiet durch die Aufrüstung keines mehr ist. Araber
und Israelis werden auf den einzig erlaubten Gegensatz verpflich-
tet: den zwischen Ost und West. Der Kanzler hat in Saudi-Arabien
klargestellt, daß etwaige Waffenlieferungen nicht dazu da sind,
militärische Auseinandersetzungen zwischen Israel und der arabi-
schen Welt zu ermöglichen, sondern daß sich gefälligst eine Ein-
heitsfront gegen die Russen zu bilden hat. Für die Friedensmacht
BRD macht es sich da gut, sich gegenüber den Saudis kritisch zu
dem amerikanischen Plan einer Einsatztruppe zu verhalten und den
Scheichs stattdessen formell den Einsatz über das militärische
Gerät zu überlassen. Für die hiesige Öffentlichkeit erfindet man
eine Bedrohung Saudi-Arabiens durch die "Volksmassen" eines gar
nicht existierenden vereinigten Nord- und Südjemen. (Fragt sich,
was da eigentlich bedroht wird, wenn Saudi-Arabien gar keine
Volksmassen hat und die volksreichen Hungerländer im Süden der
arabischen Halbinsel sich der Ölquellen bemächtigen.)
Auch die für die Öffentlichkeit bestimmte Sprachregelung, man
könne sich gewissen Wünschen befreundeter Nationen nicht ver-
schließen, hat mit der Realität der Aufrüstung der arabischen
Halbinsel nichts zu tun.
Die von den Amerikanern gelieferten AWACS-Systeme und Kampfflug-
zeuge, die hiesigen Zeitungsschreibern nur eine kurze Meldung
wert waren, braucht man nämlich zur Führung einer entsprechenden
konventionellen Streitmacht, und beide ganz gewiß nicht für ir-
gendwelche Wüstenkämpfe zwischen Beduinen. Die NATO-Arbeitstei-
lung bewährt sich bei der Lieferung dieser ersten Waffengarnitur
des Westens vortrefflich: die USA liefern das Großgerät - das
ohne Territorialunterstützung überhaupt nicht einsatzfähig ist -,
und die BRD inszeniert um ihre längst beschlossenen Lieferungen
von Panzern, Logistik und GSG9-Fachleuten eine skrupulöse De-
batte, die den Saudis bis ins Detail die an die Aufrüstung der
Wüste geknüpften politischen B e d i n g u n g e n beibringt.
Deswegen überstürzt der deutsche Kanzler auch nichts - es geht
schließlich nicht um ein paar Panzer, und die Freundschaft der
NATO ist mit Geld allein gar nicht zu bezahlen!
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