Quelle: Archiv MG - NAHOST SAUDIS - Salem Öleikum


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GENSCHER AM GOLF

Bundesaußenminister Genscher hat die arabischen Staaten am Persi- schen Golf besucht. Für einen diplomatischen Erfolg war die Lage vor Ort bestens bestellt: Eine "Lösung" für den Golfkrieg hat neuerdings Priorität für die Außenpolitik aller arabischen Staa- ten, so der Beschluß der Arabischen Liga eine Woche vor dem Be- such; und der deutsche Genscher gilt als herausragende zuständige Adresse im Westen dafür, mit der sich jeder Araberstaat gutstel- len muß. Beides ist nicht selbstverständlich. So lange ist es ja nicht her, daß die arabischen Staaten sich in erster Linie durch den Kriegsterror Israels bedroht sahen, dessen Unterstützung sie besonders der BRD ankreideten. Andererseits glaubten zumindestens die Saudis aus dem Ölgeschäft gewisse An- sprüche auf bundesdeutsches Wohlwollen in Handelsfragen, aber auch bei der Ausstattung ihrer Staatsmacht mit Waffen ableiten zu können. Beides tritt zurück, weil und seitdem die NATO-Staaten mit ihren gewaltigen Seestreitkräften im Golf eine neue Schick- salsfrage für alle Anrainer d i k t i e r e n: "Unsere Lebensa- der", der Golf, hat dem Westen frei zur Verfügung zu stehen. Für den strategischen Aufmarsch an dieser Front gegen die Sowjetunion ebenso wie für den Abtransport "unseres Öls". Diesem Alleinzuständigkeitsanspruch des Westens haben sich nicht nur alle Kriegskalkulationen des Irak, vor allem aber des Iran zu beugen, bei Strafe des Untergangs. Vor Erledigung dieser Frage gibt der Westen auch keinen Frieden in der "Region", auch nicht für die politischen und ökonomischen Händel der diversen arabi- schen Potentaten. Seither wissen sie, "daß die Islamische Repu- blik Iran eine größere Bedrohung für die Stabilität der arabi- schen Welt darstellt als Israel", wie die FAZ genüßlich kom- mentiert. Das ist d i e Gelegenheit für Genscher. Er präsentiert sich als d e r zuständige Ansprechpartner für eine "Friedenslösung" Die BRD hat sich dafür mit zwei Schachzügen als besonders "ausgewogen" und "neutral" qualifiziert. Erstens hat sie "nur" mit zusätzlicher Flottenpräsenz im Nordatlantik und im Mittelmeer den NATO-Aufmarsch im Golf gedeckt. Zweitens hat es Genscher ver- standen, nicht nur den diplomatischen Draht zum Irak, sondern auch einen unter NATO-Staaten fast exklusiven Kontakt zum Iran aufrechtzuerhalten. "Es handelt sich um einen schrecklichen Krieg, der von Irak be- gonnen worden ist und in dem vom Irak auch Giftgas eingesetzt worden ist." Mit diesem Satz im Juli hat er scheinbar den schiitischen Gerech- tigkeitsfanatikern in der Kriegsschuldfrage rechtgegeben. Seither laufen nicht nur bundesdeutsche Geschäfte mit ihnen besser als je zuvor. Seither kriechen die strenggläubigen Diplomaten des Ayatollah bei Genscher zu Kreuze. Und das, obwohl derselbe gleich postwendend dem irakischen Außenminister in Paris versichert hat, er habe sich nur zum "faktischen" Kriegsbeginn, keineswegs aber "zur Verantwortlichkeit für den Krieg" geäußert. So hat auch der Irak seine Adresse. Bundesdeutsche Bürger dürfen sich die bundes- deutsche Flottenpolitik als "Zurückhaltung" zurechtlegen und dann auch noch das schmierige Doppelspiel Genschers als uneigennützige "Vermittlerrolle" würdigen. Vor Ort hat man beides durchschaut und verstanden: Genscher präsentiert sich als diplomatischer An- sprechpartner, der den Araber-Staaten seine Friedensbedingungen erläutert. Das halten die für glaubwürdig; amerikanische Kriegs- schiffe zeigen nämlich, was ihnen droht, wenn sie sich nicht "einsichtig" zeigen. zurück