Quelle: Archiv MG - NAHOST OELSTAATEN - Von den Petro-Dollars


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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 18, 21.07.1982
       
       Wochenschau
       

DAS MÄRCHEN VON DEN "ÖLSCHEICHS"

die mit ihrem "Angebotsmonopol" in Sachen Petroleum die "Industriestaaten" des Freien Westens beliebig "erpressen" kön- ten, ist p o l i t i s c h schon seit geraumer Zeit außer Mode gekommen. Ziemlich genau seit dem Camp-David-Abkommen und der da- mit einhergehenden Entscheidung der USA, die gesamte nahöstliche Welt unter dem Titel "Friedensregelung" als einen Frontabschnitt gegen die Sowjetunion einzurichten. Daß dies Märchen natürlich auch ö k o n o m i s c h von Anfang an eines aus der 1002. Nacht gewesen war, das zeigte letzte Woche die Konferenz der OPEC-Staaten in Wien. Es kann nämlich von einem "Angebotsmonopol" keinesfalls die Rede sein, wenn der Anbieter einerseits selber mit dem Zeug nichts anfangen kann, er aber andererseits auf sei- nen Verkauf so sehr angewiesen ist, daß seine Existenzgrundlage flöten geht, so er darauf sitzen bleibt. Die H e r r s c h a f t von Abu Dhabi bis Quito (Ecuador) finanziert nämlich mit den Pe- trodollars mitnichten die eigene Nationalökonomie, die gar nicht vorhanden ist, sondern wesentlich sich selbst. Kommt kein Geld mehr so ist sie entscheidend gefährdet. Das S c h e i t e r n der OPEC-Konferenz kommt jetzt daher, daß einigen ihrer Mitglie- dern das Wasser bis zum Halse steht gerade wegen der gestiegenen Ölpreise: Diese haben im Westen weniger zu Energieeinsparungen geführt als zu massenhaften Erschließung von im Vergleich zum OPEC-Öl plötzlich rentabel gewordenen eigenen Öl und anderen En- ergievorräten. Die OPEC versuchte darauf mit einer Drosselung ih- rer Produktion zu reagieren, was aber angesichts der damit ver- bundenen Einkommenseinbußen zu einem erbitterten Streit in den eigenen Reihen führen mußte um die Zuteilung der Förderquoten an die einzelnen Länder. Der Natur der Sache nach ist der größte Produzent, Saudi-Arabien, am wenigsten betroffen und deshalb der Hauptadvokat reduzierter Produktionsquoten bei stabilen Preisen. Zumal enger Freund des Westens, kriegt er sein Öl lässig los, während Libyens Gadafi zunehmend auf seinem Arabian Light sitzen bleibt. Wenn er und auch der Iran, der immer mehr Geld für seinen Krieg braucht, jetzt gegen die OPEC den Barrelausstoß massiv er- höhen, so wird das mit Sicherheit eine Konsequenz nicht haben: ein Sinken der Benzinpreise. Auch hier macht sich doch ein demo- kratischer Multi von keinem "Ölscheich" abhängig... zurück