Quelle: Archiv MG - NAHOST OELSTAATEN - Von den Petro-Dollars
zurück
KUWAIT ENDLICH FREI: DER SCHEICH ZURÜCK!
Die von der "Weltgemeinschaft" unter Führung der USA an die Macht
zurückgebombte Sabah-Familie ist, wie man hört, ärgerlich.
Es soll "kritische Berichte in ausländischen Medien" gegeben ha-
ben über den zu langsamen Wiederaufbau der Strom-, Wasser- und
Gesundheitsversorgung nach Abschluß des erfolgreichen Gemetzels.
Außerdem gab es Genörgel über die Methoden bei der Jagd auf Re-
gime-Gegner und "Kollaborateure" und die Verschiebung der ange-
kündigten "Demokratisierung des Emirats".
Daß der zurückgekehrte Emir deswegen gleich dem gesamten interna-
tionalen und dem einzigen inländischen Presse-Erzeugnis das Maul
verbieten will, zeugt einerseits von typisch morgenländischer
Überempfindlichkeit gegenüber gutgemeinter Stil-Kritik. Anderer-
seits hat er irgendwie schon recht. Schließlich ist "der Krieg
geführt worden, um Kuwaits Souveränität wiedereinzusetzen". Des-
halb kann "der Westen leider diese Souveränität nicht gleich wie-
der untergraben, indem er die Sabah-Familie zwingt, ihre Unterta-
nen menschlicher zu behandeln", argumentiert die britische
"Times" mit beispielhaftem angelsächsischem Realitätssinn.
Das kuwaitische Herrschaftshaus sieht das so ähnlich. Als Sach-
walter dieser Souveränität im Dienste der imperialistischen frei-
heitlichen Weltordnung hat es sich zunächst um d e r e n Le-
bensbedingungen zu kümmern. Dazu braucht es vor allem eine solide
"innere Sicherheit", bevor mit der Demokratisierung Kuwaits so
richtig losgelegt werden kann.
Die Rückkehr zum Dienst für die "freie Welt", den das kleine
Scheichtum bislang mit ein paar Öl-Dollars für Einheimische und
einigem Polizeiterror für Oppositionelle und "Gastarbeiter" so
tüchtig versehen hat, erfordert eben das bewußte Setzen von
Schwerpunkten. Die Freiheit kommt ganz gut ohne Wasserversorgung
aus und findet auch ohne elektrisches Licht ihren Weg, niemals
aber ohne "Sicherheit".
D e s h a l b - und das sollten auch Journalisten wissen - ist
noch vor dem Ober-Emir das Kriegsrecht im befreiten Kuwait einge-
troffen, werden - sicherheitshalber - Palästinenser als Kollabo-
rateure hingerichtet, alte Rechnungen mit Oppositionellen begli-
chen. Überhaupt wird dafür gesorgt, daß jetzt wieder nach den Mo-
naten der irakischen Schreckensherrschaft die richtige Regierung
in ihren Gefängnissen die richtigen, nämlich i h r e Gegner
foltert.
Daß die Sortierung von Freund und Feind ein bißchen Zeit braucht,
auch wenn die "neugegründeten Privat-Milizen der Herrscherfa-
milie" den Staatsorganen zur Hand gehen, sollte niemanden zur Un-
geduld verleiten. Schließlich sollen Kriegsrecht und Terror nach
der Abrechnung eine schöne Demokratisierung stiften, und die Sa-
bah-Familie sollte sich doch die Opposition, die sie beim Regie-
ren am besten brauchen kann, in Ruhe aussuchen können.
Daß eine Opposition vor allem staatstragend und eine Demokratie
vor allem wehrhaft sein muß, weiß doch wirklich jedes Kind. Daß
die Freiheit schon einmal verdurstet sein soll, hat man dagegen
noch nie gehört.
zurück