Quelle: Archiv MG - NAHOST OELSTAATEN - Von den Petro-Dollars

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       Recycling
       

DIE RÜCKKEHR DER PETRO-DOLLARS

Seit die "Verdopplung der Ölpreise" die Leistungsbilanzen mancher westlicher Länder, allen voran der BRD, ins "Defizit" stürzen ließ, wird - unter Mitwirkung der journalistischen Öffentlichkeit - ein Lehrstück in Sachen "Abhängigkeit der westlichen Indu- strienationen von den Ölförderländern" aufgeführt. Von dem Titel "RECYCLING DER PETRODOLLARS" - oder: was passiert mit den Geldern für die Überlassung der Ölvorkommen, Gelder, von denen jeder weiß, daß sie in Händen der Scheichs bloß fiktiver Reichtum, also 'Abfall' (= Unkosten der kapitalistischen Akkumulation) sind, der nur von den 'Industrienationen' wieder verwertet werden kann - darf man sich die ganze praktische Beantwortung der Frage erwar- ten, wer wieso auf der Welt die Macht hat. An die 60 Mrd. DM "verlor" die BRD im vergangenen Jahr wegen des "Preisterrors der OPEC-Staaten", deren Überschüsse für 1980 auf insgesamt 100 Mrd. Dollar geschätzt werden. Schon gingen die "Verwalter des westdeutschen Wohlstandes mit Gram auf der Stirn umher", angesichts von "Eckdaten, die das Bild vom strahlenden Wirtschaftsriesen Deutschland nachhaltig verdüstern" - als von den Grenzen her der freudige, aber keineswegs überraschte Ruf er- scholl: "Ölmilliarden vor der Tür!". Wohin mit dem Geld? ------------------- Was die Praktiker des "Recyclings" sowieso für ausgemacht hiel- ten, fand in der Presse einen ebenso lapidaren Kommentar: "Die Ölländer wissen zur Zeit nicht, wohin mit dem ganzen Geld" - und das stimmt, auch wenn es nicht - wie schon die Beratertätigkeit von Ex-Schiller verbürgt - an vorübergehender Phantasielosigkeit liegt. Wo sollten sie das Geld auch hinstecken? Militär, Polizei, Harems, dicke Bäuche und Privatkonten in der Schweiz, d.h. die Aufrechterhaltung der Herrschaft dort unten ist mit ein paar Mrd. locker finanziert; alles, was an Infrastruktur für den reibungs- losen Abtransport des Öls staatlicherseits zur Verfügung zu ste- hen hat, ist weitgehend besorgt; ein paar Raffinerien, die den Multis die Verarbeitung vor Ort und damit eine freiere Tourenpla- nung für ihre Tanker erlauben, sind auch schon vorhanden. Sie ha- ben einiges an Geld, aber das ist auch schon das einzige, was diese Länder besitzen! Als Staat über einen Haufen Geld verfügen zu können, heißt in der Welt, die die des Kapital ist, nämlich noch überhaupt nichts, solange nicht in Gestalt einer ordentli- chen nationalen Ökonomie, d.h. großer Industrie und einer auf die Bedürfnisse ihrer Ausbeutung zugerichteten Arbeiterklasse, die Mittel vorhanden sind, dies Geld produktiv anzuwenden. Die Vor- stellung der Ölstaaten, sie hätten schon einen Schritt vorwärts getan, wenn sie sich ein paar Prestigeobjekte und irgendwelche Fabriken in die Wüste stellen, dient denn auch nur dazu, ihnen das Geld gleich daheim über den Verkauf wieder abzuknöpfen, wobei der solcherart entwickelte "Handel" zugleich die Etablierung so- lider Geschäftsbeziehungen ist, die einen weiteren Ölnachschub garantieren. Aber auch damit ist der Ölreichtum noch lange nicht unter Dach und Fach gebracht. So stehen die 'Ölscheichs' "vor der Tür" der kapitalistischen Länder mit dem "Angebot", sich nicht nur ihres Öls zu bedienen, sondern auch der Einkünfte daraus, die eben nur in den richtigen, d.h. f r e m d e n Händen zu wirklichem Reichtum, der sich 'Kapital' nennt, werden. Völlig klar, daß die für die Reich- tumsproduktion zuständigen Länder die "angebotenen" Kredite, Di- rektinvestitionen und Kapitalbeteiligungen gerne akzeptieren, schließlich braucht die Tatsache, "daß dafür Zinsen auf ausländi- sches Kapital gezahlt werden müssen, niemand zu stören, solange die Rendite, die mit diesen Investitionen erwirtschaftet, höher ist." (SZ 19.5.80) Dabei hat das "Einfrieren iranischer Guthaben in den USA" einen recht beruhigenden Effekt auf die nationalisti- sche Sorge, ob nicht durch die Beteiligung der Ölländer an bun- desdeutschen Edelunternehmen die nationale Ökonomie jenen ans Messer geliefert wird; damit wurde ja nochmal als zur kapitali- stischen Souveränität gehörig bestätigt, daß aus solchen Ländern hereinfließendes Geld durch simplen Verwaltungsakt jegliche unru- hestiftende Wirkung genommen werden kann. Zudem wurden durch diese Maßnahme der USA (zusätzlich zum fallenden Dollar-Kurs und fallenden Zinsen) die Ölscheichs in ihrer Auffassung bestärkt, auch "verstärkt in der Bundesrepublik zu investieren, statt wie bisher hauptsächlich in den USA". Dies ein nicht uninteressanter Punkt, denn die zwischenzeitliche Abwesenheit der Ölmilliarden konnte zwar, die Gewißheit nicht erschüttern, d a ß sie zurück- fließen werden, aber w o h i n sie zurückfließen würden, war zunächst ein heikler Punkt (weswegen auch so mancher Staatsmann angesichts seiner defizitären Zahlungsbilanz mit "Gram auf der Stirn" herumspazierte). Nun, sie sind - wie sich's gehört - dorthin zurückgeflossen, wo die meiste Rentabilität zu erwarten ist, und die BRD hat dabei nicht schlecht abgeschnitten. Die Öl- preiserhöhungen haben sie in der Staatenkonkurrenz nicht ge- schwächt, wie sich im Nachhinein an der nun reichlich vorhandenen "Liquidität" zeigt. Gerechter Ausgleich ------------------- Das erste Ausruhen nach der "Phase der Spannung" besteht darin, mit dem Geld genauso umzugehen, wie sonst auch: es wird erst mal nicht hereingelassen, sondern darf sich auf dem dafür zuständigen "Euro-Dollar-Markt" stauen. Dies sorgt für ein ansprechendes Überangebot, was günstige Nachfrage ermöglicht. Aus Dankbarkeit hat noch keine Bank höhere Zinsen bezahlt, und woher sollte Dank- barkeit auch kommen, wenn doch eh schon klar war, daß die Öl- scheichs wieder angekrochen kommen mußten. Also dürfen die jetzt dankbar sein, wenn ihr Geld genommen wird - und sofort setzt eine rege Verwendung des Geldzuflusses ein, die natürlich darin mün- det, daß die normale Freiheit des Kapitalverkehrs d i e s e m Kapitaleigner nicht zuzugestehen ist. Abgesehen davon, daß die Araber vernünftig genug sind, keine gefährlichen Aufkauf-Projekte zu starten, sondern ihre Gelder "konservativ" anlegen und sich eben für solche Zwecke vorrätiger Anleihen, Staatspapiere und Bankkonten bedienen, kennt der westliche Geschäftssinn keine Grenzen, wenn es darum geht, den Reichtum dieser Länder wegen ih- rer Armut für die Akkumulation in den "Industrienationen" dienst- bar zu machen. "Einige Banken sind inzwischen durch den Druck höherer Einlagen und den Zwang, diese wieder auszuleihen, an die Grenzen ihrer Ei- genkapitalquoten gestoßen. Bei anderen drohen die Länderrisiken das Gebot der Vorsicht zu überschreiten." (Süddeutsche Zeitung, 21./22.6.80) Wenn die Ölstaaten den armen Banken schon solche Schwierigkeiten verursachen, die eingelegten Gelder an drittklassige Schuldner wie Entwicklungsländer ausleihen zu müssen, die regelmäßig die Industriestaaten veranlassen, das "Länderrisiko" zu tragen, wäre es da nicht an der Zeit, "daß die OPEC-Länder, deren Produktions- und Preispolitik für einen guten Teil der Zahlungsbilanzprobleme von Entwicklungsländern verantwortlich ist, auch die daraus ent- springenden Risiken (für wen?) stärker als bisher mittragen, sei es durch direkte Kredite an finanzschwache Defizitländer, sei es durch Konsortialbeteiligungen an Bankkrediten." (Emminger in WiWo 15/80) Die Länder der "3. Welt", die ob der Resultate der für den Westen so erquicklichen "weltwirtschaftlichen Handelsbeziehungen" eben dafür unbrauchbar zu werden drohen, könnten schon "Hilfe" brau- chen; was also läge näher, als die reichen dieser armen Länder an den Unkosten ihrer weiteren Ausbeutung zu beteiligen! Wieso nicht ihnen die "Kredite" an die "3. Welt"-Länder unmittelbar zuschu- stern? Das Problem, daß diese "Kredite" nie zurückgezahlt werden - was freilich für die Lieferanten kapitalistischer Ware keins ist, ist doch immerhin dem ziemlich einseitigen Warenverkehr ge- dient -, wäre so auf recht einfache Art gelöst, und die Ölstaaten dürfen in ihren Spendierhosen den verdienten Applaus entgegenneh- men. So erfreulich also die vom Westen selbst geschaffenen Fakten sind, und so einfallsreich man auch das Recycling regelt - "in einem formalen (!) Sinn funktioniert die Rückschleusung der Öl- dollar immer und automatisch" (Emminger in WiWo 15/80) -, "die rechte Freude über die Milliarden aus dem Morgenlande (will sich) nicht einstellen. Es handelt sich schließlich um Geld, das uns die Ölländer auf Grund der drastisch erhöhten Rohölpreise zunächst einmal abgeknöpft haben und nun gegen hohe Zinsen wieder leihen." (Zeit, 28.3.80) Als hätte man das Ölgeld v e r s c h e n k t - so souverän beur- teilt der Westen jeden - vorläufigen - Abzug an der Akkumulati- onsmasse seines Kapitals! Am besten werden also die "regecycelten" Reichtümer des "Morgenlandes" gleich so einge- setzt, daß sie die eigenen Grenzen erst gar nicht verlassen: Als "Investitionen zur Einsparung von Energie und zur Substitution von OPEC-Öl" versprechen die Petrodollars zweifellos das größte Geschäft! *** Produkt Ausfuhr der Bundesrepublik in die Opec-Länder 1977 in Millionen Mark Bier 128 Zucker 50 Metallwaren, vergoldet 40 Käse 85 Milch 121 Fleisch 79 Fahrräder 22 Porzellan 25 Kinderspielzeug 4 Edelsteine, Perlen 8 Kraftfahrzeuge 4153 Schuhe 11 Glaswaren 48 Maschinen 2466 Büromaschinen 123 Kosmetika 28 Kunststoffe 446 Bücher, Bilder 30 Musikinstrumente 3 Uhren 24 Stahlrohre 111 Eier 9 Medikamente 349 Papier, Pappe 44 Kunstfasern 105 Alle Produkte 24925 *** Vom Pech der Banken ------------------- Auf die unerträglichen Zustände, als Bankier einen Profit machen zu müssen, wollte jener Wirtschaftsjournalist hingewiesen haben, der schrieb: "Einige Banken sind inzwischen aber trotzdem durch den Druck hö- herer Einlagen und dem Zwang, diese wieder auszuleihen, an die Grenzen ihrer Eigenkapitalquoten gestoßen." (Süddeutsche Zeitung, 21.6.80) zurück