Quelle: Archiv MG - NAHOST LIBANON - Eine abrufbare Weltkrise
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 17, 14.07.1982
Aufruf zur Demonstration
GEGEN DEN VÖLKERMORD IM LIBANON UNTER NATO-SCHUTZ
1
In beeindruckenden Bildern erfahren die freien Bürger der Repu-
blik, was das israelische Militär mit seinem Terror im Libanon
anrichtet. Sogar Einwände sind erlaubt. Aber was für welche! Ob
dem Krieg Israels Erfolg beschieden ist, ob sich das Blutbad auch
lohnt - immerhin soll es doch die Palästinenser ein für allemal
fertigmachen -, ob es den Nahen Osten einer "F r i e d e n s-
l ö s u n g" näherbringt: solche ungeheuer kritischen Fragen
darf man sich stellen!
2
Krieg als Mittel der Politik - eine selbstverständliche Sache,
wenn man als guterzogener Demokrat davon ausgeht und daran fest-
hält, daß Politik ohnehin immerzu u m L ö s u n g e n, fried-
liche zumal, r i n g t: dann kommt einem der Name des israeli-
schen Vernichtungsfeldzuges - "Frieden für Galiläa" - auch nicht
zynisch vor. Klar, daß israelische Politiker ebenso wie unsere
immerzu nur Probleme ihrer Untertanen und die von Ausländern lö-
sen - welche sie ihnen s c h a f f e n, kann man getrost ver-
gessen!
3
Die Leichen, die der Juden-Staat schafft, haben ohnehin von Deut-
schen unter besonderen Gesichtspunkten gewürdigt zu werden. Macht
man sich nicht verdächtig, einen S t a a t zu verurteilen, weil
sein V o l k schon einmal Opfer eines d e u t s c h e n Völ-
kermords geworden ist? Muß sich nicht gerade ein Deutscher mit
jedem Killerkommando Israels aus höchst moralischen Gründen ein-
verstanden erklären? Mit diesen Fragen sieht sich jeder konfron-
tiert, der die grundsätzliche B e r e c h t i g u n g israeli-
scher Wehrhaftigkeit in Zweifel zieht!
4
Das Recht, das sich dieser Staat seit seiner Gründung heraus-
nimmt, ist nämlich unbestreitbar! Und es erstreckt sich selbst-
verständlich über seine Grenzen hinaus: schließlich müssen die
Israelis mit dem Anspruch der Leute fertig werden, die sie selber
vertrieben haben. Schließlich müssen sie jeden als Feind behan-
deln, der den Anspruch der Palästinenser am Leben erhält, auch
irgendwo leben zu wollen. Das "Lebensrecht" der Juden berechtigt
eben ihren Staat zum dauernden K r i e g gegen die Opfer, die
er schafft!
5
D a f ü r statten ihn die NATO-Staaten dauernd mit Geld und Waf-
fen aus. Und der Dienst, den Israel ableistet, wenn es seine ara-
bische Umgebung mit Krieg überzieht, ist unübersehbar: das
rücksichtslose Vorgehen Israels gegen jeden Nachbarn, den Begin
für ein mögliches Sicherheitsrisiko hält, läßt keinem Staat und
keinem Volk eine Überlebenschance, das sich mit der Sowjetunion
einläßt. So ist Israel ein kriegerischer Vorposten freiheitlicher
Weltpolitik - und dient mit jedem Feldzug dem Weltfrieden. So wie
er auf NATO-Tagungen definiert wird.
6
Kein Wunder, daß jedes Ergebnis israelischer Kriegskunst im We-
sten daraufhin besichtigt wird, was es bringt und "ermöglicht"!
Daß die kollektive Schutzmacht Israels in jeder Schlacht mit der
Unschuldsmiene eines Friedensengels einen neuen Stand der
"Friedenslösung" anpeilt! Daß die NATO-Politiker mit brutaler Ge-
lassenheit die A l t e r n a t i v e n für die "Endlösung der
Palästinenserfrage" abwägen während Israel zuschlägt! Und mit Be-
friedigung zur Kenntnis nehmen, daß die Sowjetunion ihren
"Einfluß" in der Region verliert.
7
Ist es nicht angebracht, gegen eine Friedenspolitik, die ganz be-
wußt mit Völkermord kalkuliert, Protest einzulegen? Es ist
höchste Zeit, nicht mehr die eigene Friedensliebe zu beteuern und
sich von den Kriegstreibern in Amt und Würden den ehrenwerten,
aber "unrealistischen" Idealismus bestätigen zu lassen, der sie
absolut nicht beeindruckt!
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