Quelle: Archiv MG - NAHOST LIBANON - Eine abrufbare Weltkrise
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Libanonkrieg
WAS WOLLEN DIE ISRAELIS IM LIBANON?
1. "Frieden für Galiläa"
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So nennt Premierminister Begin es jedenfalls, wenn seine Armee
das Gelände bis Beirut einschließlich verwüstet und samt Einwoh-
nerschaft einäschert. "Friede für Galiläa" - das muß ja ein
reichlich brutales Ding sein, wenn dafür gleich Zehntausende nie-
dergemacht werden; darunter auch mehr Israelis, als im bisherigen
"Unfrieden für Galiläa" ihr Leben gelassen haben. Und das ist
auch kein Wunder. Denn hier verlangt ein Staat "sicheren Frie-
den", der selber überhaupt als eine einzige fortdauernde Kriegs-
erklärung an die ursprünglichen Bewohner des eigenen Staatsge-
biets sowie an alle umliegenden Mächte, sofern diese seine Inter-
essen nicht bedingungslos respektieren - in die Weit gekommen
ist. Da macht ein Staat seine Leute zu einer einzigen Besatzungs-
truppe, benutzt sein "Menschenmaterial" unerbittlich als Macht-
mittel im Kampf um s e i n e unangefochtene Souveränität; macht
die erfolgreiche Terrorisierung aller Nachbarn zur Geschäfts-
grundlage der gesamten Nation - kein Wunder, daß für diesen Staat
"Frieden" so viel bedeutet wie: keine Staatsgewalt in der ganzen
Region darf gegen die israelische mehr eine Chance haben. Und das
will immer von neuem blutig "bewiesen" sein!
2. "Die PLO ausräuchern"
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So drückt Premierminister Begin es jedenfalls aus, wenn seine
Soldaten palästinensische Flüchtlingslager zusammenschießen; pa-
lästinensische Widerstandsgruppen in Beirut wie in einem Ghetto
zusammenpferchen, um sie dort zu erledigen; dabei keine von den
berühmten "humanitären Rücksichten" walten lassen. In den Palä-
stinensern sieht die israelische Regierung - ohne Ansehen von Al-
ter, Geschlecht, Beruf, politischer Einstellung... nichts als die
m ö g l i c h e Machtbasis einer niöglichen Staatsgewalt, die
ihr einige Interessen streitig machen möchte. Grund genug, daß
sie weg müssen, weit weg oder am besten ganz weg. Es ist, als
fürchtete die israelische Regierung, die PLO könnte ihre Anhänger
genauso skrupellos und maßlos als Instrumente einer Kriegserklä-
rung an israelische Staatsinteressen behandeln und einsetzen, wie
sie selbst ihre Untertanen zu lebenden Waffen gegen jeden mögli-
chen und wirklichen Gegner hergerichtet hat. So bekämpft sie die
PLO durch einen militärischen Massenmord an denen, auf die die
PLO sich stützt. Terror ist eben allemal das überzeugendste
"Argument", über das eine Staatsgewalt für sich und ihre Anliegen
verfügt. Die Terroristen sind dabei allemal die anderen - Beweis:
die Bewaffneten der PLO sind ja noch nicht einmal Vollzugsorgane
einer anerkannten, also legalen Gewalt. Und Gewalt minus Legali-
tät heißt bekanntlich Terror - legaler Staatsterror ist keiner!
3. "Einen souveränen libanesischen Staat"
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So heißt das jedenfalls, wenn das israelische Militär alle "ko-
operationsbereiten" politischen Häuptlinge des besetzten Landes
zusammentreten und darüber beraten läßt, wie man am besten einen
christlich-faschistischen Vasallenstaat Israels auf libanesischem
Boden inszeniert. Im freien Westen wird dieses Ergebnis des
israelischen Blitzkrieges - wenn erst einmal die nötigen Kro-
kodilstränen erledigt sind - freudig begrüßt. Ein souveräner Li-
banon, dessen Regierung alles tut, was Israel von ihr verlangt:
das ist doch einmal ein gelungener Schritt hin zu dem Ziel, den
ganzen Nahen Osten wieder unter bruchlose westliche Kontrolle zu
bringen.
4. "Syrien in Schach halten"
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Denn schließlich ist Syrien eine der letzten Schranken für Is-
raels Streben nach Unüberwindlichkeit und nach bedingungsloser
Respektierung seiner Souveränität, also nach imperialistischer
Vormacht in der gesamten Region. Und so, wie Israel dermaßen un-
verschämte Machtansprüche nicht aus eigener Machtvollkommenheit
stellen kann, sondern als Vasall der USA, so kann Syrien nur da-
gegenhalten, weil es Schützling der Sowjetunion ist. So fügt Is-
raels Offensive gegen die syrische Macht sich - mit allen Welt-
kriegsrisiken! - glänzend ein in das NATO-Programm, der So-
wjetunion alle ihre wirklichen und möglichen Freunde und Partner
wegzuschießen: Frontbegradigung für die Endabrechnung!
5. "Sichere Grenzen"
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Wann wären sie denn sicher? Je weiter Israel sie hinausschiebt,
um so mehr hat die Armee zu sichern - am besten, logischerweise,
dadurch, daß sie die Grenzen ihrer Macht noch weiter ausdehnt.
Das vorläufige Endergebnis, mit dem Israel ebenso wie seine west-
lichen Schutzmächte fürs erste zufrieden sein könnten, zeichnet
sich nach dem erfolgreichen Libanon-Blitzkrieg erstmals ganz re-
alistisch ab: Wenn der ganze Nahe Osten erst einmal hergerichtet
ist zu einem einzigen Aufmarschplatz westlicher Interessen und
westlicher Gewalt gegen die Sowjetunion; wenn Israel zusammen mit
den anderen US-Verbündeten der Region das Gelände bis hin zur so-
wjetischen Südwestgrenze voll im Griff hat; wenn alle Staaten so
auf die eine große Weltfeindschaft festgelegt sind wie z.B. die
westeuropäischen NATO-Partner der USA: d a n n kann Israel sich
seiner Grenzen sicher sein. Erfreulich wird das zwar für keinen
beteiligten Untertanen, weder in Israel noch in Arabien noch in
den westlichen Staaten, deren Regierungen so lässig mit den Er-
gebnissen der israelischen Blutbäder kalkulieren und hantieren.
Aber so ist es ja auch gar nicht gemeint!
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Völkermord und Moral
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1. Einen Völkermord darf man es hierzulande nicht nennen, wie das
israelische Militär im Libanon gegen die Palästinenser vorgeht.
Fängt Völkermord wirklich, erst an, wenn von einem Volk mehr Lei-
chen als überlebende übrigbleiben? Oder nicht doch schon dann,
wenn ein Staat wie Israel ein ganzes Volk, bloß weil es da ist,
zu einem einzigen Sicherheitsrisiko für sich erklärt und entspre-
chend behandelt?
2. Israels Blutbäder darf man als Deutscher nicht kritisieren,
weil die Nazis an den Juden einen perfekten Völkermord verübt ha-
ben. Dagegen drei Einwände:
- Wer meint, er müßte sich als guter Deutscher für die Taten der
Nazis entschuldigen, der hat aus dem 3. Reich wirklich nichts ge-
lernt. Der hält seinem Vaterland die Treue, wie furchtbar auch
immer die Nation sich aufgeführt hat. Der will Untertan und für
die Taten seiner Herrschaft haftbar bleiben, auch wenn seine Ob-
rigkeit der Rechtsnachfolger des NS-Reiches sein will.
- Das 3. Reich hat die Juden abgeschlachtet; der neue Juden-Staat
benutzt seine Leute als Machtmittel gegen seine Nachbarn. Warum
soll man eigentlich mit der Ermordung von M e n s c h e n die
Taten einer Staatsgewalt entschuldigen, für die diese Menschen
doch allemal bloß Untertanen sind - und im Ernstfall Kanonenfut-
ter? Wenn man zwischen, Volk und Herrschaft überhaupt nicht mehr
soll unterscheiden dürfen: ist nicht d a s R a s s i s m u s?!
- Wenn die BRD und Israel nicht weltpolitisch für dieselbe Sache
einstehen würden - die Sowjetunion zurückdrängen, ihre Verbünde-
ten fertigmachen -: glaubt irgendwer, daß dann Israel über jede
Kritik moralisch erhaben wäre?
3. Einen "gewählten Terroristen" darf man hierzulande den Pre-
mierminister Begin nicht heißen. Auch dann nicht, wenn er für
Beirut dasselbe Schicksal ankündigt, wie die Amerikaner es Dres-
den und die Nazis es der englischen Stadt Coventry bereitet ha-
ben. Auch dann nicht, wenn er darauf auch noch stolz ist. Denn
schließlich ist Begin ein legaler Premierminister. Und die können
machen, was sie wollen: i l l e g a l ist es nicht, und
d e s w e g e n ist ihre Gewalt kein Terrorismus.
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