Quelle: Archiv MG - NAHOST LIBANON - Eine abrufbare Weltkrise

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UM WAS WIRD IM LIBANON GEKÄMPFT?

Den Kämpfern selbst mag es um ihren Sold oder ihren himmlischen Lohn, sei es von Allah oder vom Christengott, gehen, um Rache oder um ein "Rette-sich-wer-kann". Gegen wen es geht und wie, das kriegen auch Drusen und Palästinenser, genauso wie die syrischen und israelischen Soldaten, b e f o h l e n - auf d e r Grund- lage fängt erst ihr "Privatleben" als engagierter Kämpfer an. Die Führer der verschiedenen innerlibanesischen Sonderfraktionen und Palästinensertruppen werden schon ihre Macht und deren Vor- teil im Auge haben; sie versuchen, mit der Herstellung von Lei- chen- ihre Wichtigkeit als Machtfaktor geltend zu machen: Den M a c h t k a m p f, an dem sie so interessiert und engagiert mitwirken, haben sie n i c h t s e l b s t i n s z e n i e r t - aus eigener Kraft hätten sie ja noch nicht einmal die Mittel, ihre Leute auszustatten. I n h a l t ihres Machtkampfes ist die "Frage": Wem gehört der Libanon? ----------------------- - und diese "Frage" haben die Dschumblats, Arafats, Dschemeijels usw., die mit ihrer "Beantwortung" beschäftigt sind, n i c h t s e l b s t a u f g e w o r f e n. Das ist vielmehr das "Verdienst" e r s t e n s der israelischen Armee, ----------------------- die die Bastionen der Palästinenser bis hin nach Beirut zerstört und den Anspruch durchgesetzt hat, daß im Libanon eine dem zioni- stischen Staat gewogene Mannschaft herrscht oder gar keine. Seit dem israelischen Teilrückzug obliegt es z w e i t e n s der "Friedenstruppe" der vier NATO-Mächte, ------------------------------------------ einen noch höheren Rechtsanspruch auf einen ordentlichen Staat Libanon durchzudrücken. Unter dem Schirm amerikanisch-franzö- sisch-israelischer Lufthoheit baut diese 10.000-Mann-Armee eine neue libanesische Staatsgewalt auf - als Werkzeug des westlichen Entschlusses, die eigenen Bastionen im Nahen Osten in ganz neuer Größenordnung auszubauen. Denn mit der Installierung eines Souve- räns in Beirut ist zuerst und vor allem der dritten Staatsmacht am Ort, den Syrern, ----------- ihr Besitztitel auf den Libanon und ihr Interesse an vorgescho- benen Positionen streitig gemacht. Der K r i e g, der damit er- öffnet ist, findet vorerst überwiegend an Nebenschauplätzen und zwischen den Hilfstruppen beider Seiten statt - und er gefällt den westlichen "Ordnungs"-Mächten dann am besten, wenn er sich ganz getrennt von ihnen innerhalb des syrischen Machtbereichs ab- spielt und dabei die halben und die ganzen Gegner des westlichen Neuordnungsprojekts sich wechselseitig aufreiben. Ausgerechnet Palästinenserführer Arafat -------------------------- wird so auf seine alten Tage noch zum Hilfskämpfer für die NATO, indem er der Gleichschaltung seines bewaffneten Vereins durch die syrische Militärmacht blutigen Widerstand leistet und so den Aus- bau des libanesischen Nordens zur syrischen Bastion behindert. Dafür lassen die israelischen Blockadeboote vor Tripoli seine Mu- nitionsnachschublieferungen durch, und ihre israelische Regierung schenkt ihm h i e r f ü r den späten politischen Erfolg, eines "Gefangenenaustausches" mit dem Faktor 1000 - womöglich sogar mit der Berechnung, daß von den nach Algier entlassenen Kämpfern man- cher als Guerillero gegen die syrische Armee im Norden Libanons wieder auftaucht. Denn egal wie das Schlachten letztlich ausgeht: es n ü t z t auf alle Fälle dazu, die syrische Macht praktisch in Frage zu stellen - z u n ä c h s t "nur" an möglichst vielen Schauplätzen im Libanon, aber mit offen klargestellter Perspek- tive auf eine weitergehende "Bereinigung" der Lage. Ob das demnächst dann Krieg gegen Syrien ------------------ bedeutet, hat der Westen in der Hand, der mit seinen friedens- stiftenden Kampfflugzeugen nach Bedarf für "militärische Zuspit- zung" sorgt oder auch wieder "die Kämpfe abflauen" läßt. Wie weit die NATO dabei am Ende gehen - das hat mit mehr oder weniger "syrischem Wohlverhalten" auf alle Fälle nichts zu tun. Denn in ihrer gesamten anti-syrischen Politik des A r r a n g i er e n s n ü t z l i c h e r M a c h t k ä m p f e geht es den verbün- deten Westmächten um eine sowjetische Niederlage: ----------------------- Die Sowjetunion soll ihren syrischen Bündnispartner verlieren; sei es durch dessen "Einsicht", daß es sich als Vasall der NATO doch noch besser überlebt denn als ihr Gegner und Opfer ihrer "Friedenstruppen", sei es durch die Beseitigung Syriens als re- gional maßgebliche Militärmacht. Der dafür nötige Krieg wäre al- lerdings von beträchtlichem Kaliber - und die Vorbereitungen und Zurüstungen der beteiligten Mächte lassen erkennen, daß die An- führer der Freien Welt das, auch wissen. "H i n e i n- s c h l i d d e r n" werden sie in ihn jedenfalls nicht. zurück