Quelle: Archiv MG - NAHOST LIBANON - Eine abrufbare Weltkrise
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 18, 21.07.1982
Wochenschau
BRD-AUSSENMINISTER GENSCHER
hat den Libanon-Krieg als passenden Anlaß für einen Ausflug ins
Jordanische gewählt. Beim haschemitischen König Hussein findet er
auch einen sachverständigen Gesprächspartner in Sachen Palästi-
nenserschlachten, war es doch dieser wendige Hampelmann des Impe-
rialismus, der seine, mit englischen Waffen ausgerüstete und von
englischen Söldnern ausgebildete "Arabische Legion" im Sechs-
Tage-Krieg aus jeder Feindberührung raushielt, um sie im
"Schwarzen September" gegen die palästinensischen Flüchtlingsla-
ger auf der Eastbank des Jordan antreten zu lassen. Die damals
erreichten Abschußquoten müssen die zionistischen Soldaten erst
noch vollmachen. Jetzt, wo Hussein die Palästinenser, soweit sie
auf die PLO hören, ausgeschaltet und keine Aussichten auf den
Rückerhalt der 1,2 Mio. Westbankbewohner hat, erzählt er jedem
Besucher in Amman, daß nach jordanischer Auffassung die Ver-
wirklichung des Selbstbestimmungsrechts der Palästinenser die
Grundvoraussetzung der Lösung aller Schwierigkeiten im Nahen
Osten sei." Hier erzielte der königliche Henker "voller Überein-
stimmung" mit dem Schreibtischtäter aus Bonn, der seine
"Bereitschaft ausdrückte, die Bemühungen Washingtons zur Ent-
schärfung der durch den israelischen Einmarsch geschaffenen Lage
flankierend zu unterstützen" (dpa vom 12. Juli). Wie wird dem-
nächst die "Verwirklichung palästinensischer Selbstbestimmung"
aussehen? Sterben in Beirut oder Flüchtling in einem arabischen
Land? Jordanien soviel steht fest, wird keinen Palästinenser auf-
nehmen, gerade um seine "verantwortungsvolle und auf Stabilität
gerichtete Politik", die Genscher lobend hervorhob (Reuter vom
11. Juli), erfolgreich fortsetzen zu können.
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