Quelle: Archiv MG - NAHOST ISRAEL - Ein Geschöpf des Imperialismus

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ISRAELISCHE WEIHNACHTEN 87

Passend zu den Feiertagen Bilder aus dem Heiligen Land. Jeden Abend war es zu sehen, wie israelische Truppen in den seit 20 Jahren besetzten Gebieten, im Gaza-Streifen und Westjordanland zuschlagen. Jeder konnte live miterleben, wie israelische Soldaten mit Trä- nengas und Scharfschützen auf Araber Jagd machten, wie sie auf Kinder und Halbwüchsige geschossen haben, wie sie sich einzelne gegriffen und zusammengeschlagen und Verletzte aus den Kranken- häusern gezerrt haben. Jeden Tag werden die Toten und Verletzten nachgezählt. Und - hat irgendwer ein demokratisches Gewissen be- kommen? Jeder weiß, was der Staat Israel in diesen Gebieten praktiziert. Wie eine störende Beigabe zur militärischen Landnahme werden die Leute behandelt, die das Pech haben, da zu wohnen. Wie großräumig eingesperrte Kriegsgefangene, nunmehr seit 20 Jahren unter Mili- tärverwaltung. Außer einem Besatzungszustand auf Dauer ist für die da Ansässigen keinerlei Perspektive vorgesehen. Einige dürfen sich dem Staat Israel als Billigstarbeiter zur Verfügung stellen, die anderen unter Aufsicht der Militärmacht dahinvegetieren, teilweise seit Jahren in Flüchtlingslagern mit Lebensmittelliefe- rungen von der UNO. Zum staatlichen Terror kommt der Privatterror der jüdischen Siedler, die arabische Familien von ihrem Land ver- treiben, Häuser anzünden, Autos demolieren usf. Es ist schon eine maßlose Übertreibung, das, was jetzt da passiert, überhaupt Auf- stand zu nennen. Mehr als hilflose Verzweiflung und völlige Ohn- macht gegenüber der Übermacht der Besatzer ist den Bildern gar nicht zu entnehmen. Kinder, die Steine werfen, um dann um ihr Le- ben rennen zu müssen - jeder weiß, was da los ist, und kommt etwa die Menschenrechtsfrage auf? Leute, die schon soviel Kroko- dilstränen über die Afghanen unter dem sowjetischen Joch vergos- sen haben, finden die da Anlaß zur Entrüstung? Ach nein, die demokratischen Menschenliebhaber, die christlichen Moralwachteln, die Grünen, denen jeder überfahrene Frosch ans Herz geht, die sortieren alle sehr unterwürfig und konjunkturge- mäß, wo ihr Gewissen angesprochen ist und wo nicht. Und für die öffentlichen Aufpasser in Sachen "demokratischer Kultur" ist es auch schon das höchste der Gefühle, ein "Problem" zu entdecken - ein "Problem", das ausgerechnet der Staat Israel haben soll! Das ist schon sehr liebevoll zurechtgedreht: Ausgerechnet der Staat, der seinen konsequenten Rassismus in ein ebenso konsequentes Kriegsprogramm umgesetzt hat, der von seiner Gründung bis heute einen Krieg nach dem anderen geführt hat und der eben wegen sei- ner militärischen Erfolge zwei Millionen Araber auf seinem Staatsgebiet als Untermenschen und eine herzlich unerwünschte Kriegsbeute hält, ausgerechnet der soll damit ein Problem haben! Ausgerechnet dessen Sorgen soll man sich machen, ob ihm so viele "fremde Elemente" guttun! Ob das nicht seine Ordnungstruppe über- fordert, so daß vielleicht umgekehrt auch einmal einem Israeli ein Haar gekrümmt werden könnte! So denken die zivilisierten Men- schenfreunde in Sachen Israel. Eines ist nämlich bei allen kritischen Beobachtern ganz unbe- stritten: das sogenannte "Existenzrecht" des Staates Israel - ein überaus wohlwollender Name für die Politik mit Krieg und Terror, mit der Israel alle anderen Staaten in der Region das Fürchten lehrt. Aber das gehört für Demokraten ja alles zur legitimen "Verteidigung"; unter dem Titel ist Israel erst einmal alles ge- stattet - bei den Wirkungen, wenn sich ein bißchen verzweifelte Gegenwehr regt und wenn Israel damit genauso kriegsmäßig verfährt wie immer, da darfdann herumgemäkelt werden, ob das denn nicht schöner zu regeln ginge. Das ganze bißchen Zurechtweisung, das sich Israel zur Zeit ein- fängt, lautet: Eine "politische Lösung" wären Tränengas, Tote und Internierungslager nicht. Und das Gekonnte an dieser geheuchelten Kritik besteht darin, daß keiner der um Israel und seinen guten Ruf besorgten Kritiker sich überhaupt die Mühe macht zu sagen, wie denn eine "politische Lösung" auszusehen hätte! Schließlich denkt der Staat Israel gar nicht daran, die strategische Ausdeh- nung seiner Grenzen zurückzunehmen. Wieso auch, ein unbestritte- ner Sieger kann diktieren. Aus diplomatischer Rücksichtnahme ge- genüber den Nachbarstaaten wird von Zeit zu Zeit in der UNO das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser erwähnt, damit hat es sich, von wegen "politische Lösung"! Während scharf geschossen wird, spricht der Weltsicherheitsrat - mit der Stimme der USA - eine Rüge gegen Israel aus: wegen 9 Ausweisungen, die angeblich der Genfer Konvention über sittliches Verhalten von Besatzunysr- riächten widersprechen. So ein Schuldspruch befriedigt das arabi- sche Gemüt - und ist ein diplomatischer Freispruch in sämtlichen Hauptsachen. Die Israeli geben die praktische Antwort auf die Heuchelei mit der "politischen Lösung", die Antwort, die dieser Staat immer schon am besten beherrscht hat. Die Unruhen hätte es nur deshalb gegeben, weil die Palästinenser die "israelische Zurückhaltung als Schwäche interpretiert" hätten, so lautete die israelische "Selbstkritik". Und so sehen auch die praktischen Konsequenzen aus: ein überwältigendes Truppenaufgebot, Ausnahmezustand, dau- ernde Militärrazzien, bei denen immerzu neue Tote und ein paar Verwüstungen von arabischem Eigentum anfallen, ein lückenloser Staatsterror. Vor den Worten und den Tatsachen "Lager" oder "Deportation" hat der Judenstaat keine Skrupel; da werden ein paar Tausend inkl. Kinder hinter Stacheldraht deponiert, in Ba- racken oder auf freiem Feld. Sondergerichte und Sippenhaft - auch kein Problem für diese Nation, die ihre Verurteilungsprozeduren explizit als "Abschreckung" begriffen sehen will für alle Palä- stinenser, die überhaupt noch einen Muckser machen. Die demokratische Öffentlichkeit würdigt das alles als ein paar bedauerliche Übertreibungen des Staates Israel, der mit den Lei- stungen des alten deutschen Rassismus gegen die Juden einen Freibrief ausgestellt bekommen hat für schrankenlosen Staatster- ror von seiner Seite. Gegen die Bilder, wie sie allabendlich ge- zeigt werden, gilt unumstößlich die Sichtweise von den bedrohten Juden, die sich "bloß" gegen ihre feindliche Umwelt "zur Wehr setzen". Insofern gehört das alles durchaus zur Judenfrage, wie sie feinfühlige deutsche Intellektuelle das ganze Jahr über auf- spüren und an der sie so furchtbar leiden. Aber der gebildete Ab- scheu gegen die lange Tradition des Antisemitismus ist auch in diesem Fall für nichts der Grund. Der Imperialismus weiß, was er an seinem militanten Judenstaat hat. Und seine zivilisierten de- mokratischen Staatsbürger richten ihr Gewissen genau danach ein. zurück