Quelle: Archiv MG - NAHOST ISRAEL - Ein Geschöpf des Imperialismus
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 53, 04.05.1982
Wochenschau
DEN SINAI
hat Israel letzte Woche "fristgerecht" geräumt und der Kontrolle
durch die USA überstellt, die ab sofort Truppen und Überwachungs-
geräte auf diesem strategisch nicht uninteressanten Wüstenflecken
zwischen dem Suez-Kanal und dem Roten Meer unterhalten werden.
Freuen durften sich die Ägypter, denen 4 Nah-Ost-Kriege mit ca.
100.000 Toten jetzt endlich das Recht eingetragen haben, auf ei-
nem, um den Gaza-Streifen reduzierten Teil ihres nationalen Ter-
ritoriums wieder die Staatsflagge hissen zu dürfen. Israel selbst
ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, daß der A b z u g alles
andere als ein R ü c k z u g ist. Augenfällig deutlich gemacht
durch die Niederwalzung der zionistischen Siedlung Jamit: Kein
Stein blieb auf dem anderen - "Taktik der verbrannten Erde"
nannte man das bei der Nazi-Armee. Politisch offen zum Ausdruck
gebracht in dem Tagesbefehl des Kriegsministers Scharon "mit der
Räumung des Sinai und der Einebnung der Stadt Jamit sei die
Grenze der israelischen Zugeständnisse erreicht." Und diploma-
tisch abgesichert durch das bereitwillig erfüllte israelische
Verlangen an Ägypten, den Israelis jede Sicherheit an der Süd-
front für ihre künftige Politik zu geben. Diese aggressiv-entsa-
gungsvolle Grenzziehung wurde in der westlichen Welt von Bonn bis
Washington auch als "Opfer" des Judenstaats honoriert. Was in der
Welt des Verbrechens ein zynischer Witz wäre - der Gangster gibt
ein Stück Beute zurück und erklärt, daß er hinfort und deshalb zu
keinerlei Zugeständnissen mehr bereit ist - das signalisiert in
der Weltpolitik den erreichten Stand bei der "friedlichen Lösung
des Nah-Ost-Konflikts". Dazu paßt die Erklärung Begins, man werde
wohl demnächst die Truppe wieder zu einem bewaffneten Überfall in
den Libanon schicken, garniert mit der "konzessionsbereiten" Ein-
schränkung, man wolle keinen Fußbreit Land erobern, lediglich al-
les zusammenhauen (Begin: "die Organisation zerstören"). Daß
diese Vorankündigung letzte Woche im Rahmen eines Interviews für
eine ägyptische Zeitschrift den arabischen Massen zur Kenntnis
gelangte, unterstreicht die weisen Worte des Sadat-Nachfolgers
Mubarak, "die Räumung des Sinai leite eine neue Phase in den Be-
ziehungen zu Israel ein." (Zitate aus der "Süddeutschen Zeitung"
vom 26. und 27. April)
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