Quelle: Archiv MG - NAHOST ISRAEL - Ein Geschöpf des Imperialismus
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Kohl in Israel
DIE HEUCHLER AN DER KLAGEMAUER
Der deutsche Kanzler war letzte Woche auf Staatsbesuch in Israel.
Die Regierung in Jerusalem hat ihn eingeladen, weil Kohl einer
Nation vorsteht, die m i l i t ä r i s c h über die zweitstärk-
ste Armee in der NATO verfügt, p o l i t i s c h nach den USA
die zweite Potenz des Freien Westens darstellt und
w i r t s c h a f t l i c h als Exportnation mittlerweile auch
im W a f f e n g e s c h ä f t an vorderster Front steht. Dem
Judenstaat ist an den a k t u e l l e n Leistungen der deut-
schen (Militär-) Macht sehr gelegen; und damit diese auch Israel
zugute kommen, erinnert er bei jedem neuen Gesuch um Waffen und
Geld, bzw. bei seinen Einsprüchen gegen Rüstungsgeschäfte der BRD
mit Saudi-Arabien, an die "besondere historische Verantwortung
der Deutschen" für ihn. Dabei kommen der israelischen Regierung
D e m o n s t r a n t e n gegen die deutsche
V e r g a n g e n h e i t nicht ungelegen. Sie unterstreichen
die Gemeinsamkeiten in der G e g e n w a r t.
Ganz im Gegenteil zu hiesigen Pressestimmen hat Kohl bei Schamir
keineswegs einen "Eiertanz" um seine gegenüber den Saudis einge-
gangenen "Verpflichtungen" aufgeführt. Der christliche Kanzler
erweist sich hier als würdiger Erbe nicht nur von Adenauer, son-
dern auch vom persönlich weniger geschätzten Vorgänger Brandt:
- Adenauer hat damals mit Ben Gurion die Finanzierung der Aufrü-
stung Israels zum waffenstrotzenden Brückenkopf des Imperialismus
im Nahen Osten unter dem moralischen Titel einer "Wiedergut-
machung" ausgehandelt.
- Brandt hat ein spektakuläres Sündenbekenntnis für das alte
Deutschland abgezogen und damit der neuen, demokratischen BRD
endgültig den Weg freigemacht, Weltpolitik gemäß den eigenen Mög-
lichkeiten und Optionen zu treiben.
So treibt sich jetzt Kohl vor allen verfügbaren Mahnmalen an die
Nazi-Greuel herum, versichert seinen Gastgebern ein ums andere
Mal, daß er mit dieser "unseligen Vergangenheit" schon aus Al-
tersgründen nichts zu tun haben kann, und vollzieht so die diplo-
matische Klarstellung, daß seine Schuld-und-Sühne-Rhetorik für
das uneingeschränkte deutsche Recht steht, Israel ohne morali-
schen Sonderbonus als einen "Stabilitätsfaktor" unter anderen
Verbündeten in Nahost zu behandeln. Als Staatsmann ist er eben
a u c h anderen Freunden in der Region verpflichtet.
Seine israelischen Verhandlungspartner entdecken angesichts
d e u t s c h e r Waffen in saudischen Händen auf einmal die
sonst immer dementierte Wahrheit, daß Kriegsgerät zum Einsatz an-
geschafft wird, und daß es nichts als eine dreiste Lüge sein
kann, wenn die deutsche Seite behauptet, sie liefere "so wenig
Waffen wie möglich", und die auch nur zur "Erhaltung des Friedens
im Nahen Osten". Das wissen die Israelis allerdings nur deswegen
so genau, weil sie allein für die "Sicherung des Friedens im Na-
hen Osten" zuständig sein wollen. Deshalb ist f ü r I s r a e l
das Beste aus dem Katalog von Krauss-Maffei gerade gut genug (so
ungefähr Staatspräsident Herzog zur "Bildzeitung").
Und so sieht "unser" Kanzler sich noch bestätigt in seinem Zynis-
mus als oberster Waffenhändler und in seiner Arroganz als Führer
der mit-zuständigen "Schutzmacht" der Region. Ein schöner morali-
scher Erfolg des neuen Deutschland!
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