Quelle: Archiv MG - NAHOST ISRAEL - Ein Geschöpf des Imperialismus
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 15, 11.06.1981
Wochenschau
DER TAPFERE DAVID
hat diesmal das "Überleben des jüdischen Staates" gleieh 2000 km
fern der zionistischen Heimstatt verteidigt. Als Beitrag zur
"Friedenssicherung im Nahen Osten" bombardierter die israelische
Luftwaffe ein AKW in der unmittelbaren Nähe der irakischen Haupt-
stadt Bagdad mit dem Argument, in dem Reaktor werde Uran aufbe-
reitet, damit könne man eine Atombombe herstellen und da Israel
der erklärte Feind des Irak sei, könne diese Waffe es gefährden.
Die Vorstellung, Kampfbomber der DDR-Volksarmee flögen mit der
gleichen Begründung Attacke auf Brokdorf, wäre identisch mit ei-
ner vom Auftakt des 3. Weltkriegs. Im Nahen Osten scheint die
Weltpolitik hingegen anderen Gesetzen zu gehorchen, denenzufolge
der Judenstaat mittlerweile zur "Sicherung seiner Grenzen" nicht
nur den Luftraum über dem Libanon, sondern über der gesamten He-
misphäre beansprucht. Menahem Begin hat ein Zeichen gesetzt, das
als Wahlkampfkalkül unterinterpretiert wäre: Der traditionelle
Verbündete des Freien Westens, der bis vor nicht allzulanger Zeit
der Brückenkopf des Imperialismus in der Region war, demonstriert
seine mangelnde Bereitschaft, auf die neuen Beziehungen der USA
und ihrer europäischen Verbündeten Rücksicht zu nehmen und setzt
blutige Fakten. Die "humanitäre Geste" der Faschisten in Jerusa-
lem, das AKW am Sonntag auszuradieren, weil da auf dem Gelände
keine "ausländischen Techniker" anwesend seien, geht einher mit
einer ernsten Warnung an Frankreich und Italien, daß auf ihr Ge-
schäft keine Rücksicht genommen wird. Die "Überlebenden von
Auschwitz", auf ihrer eigenen in Kollaboration mit Südafrika und
Taiwan hergestellten Atombombe hockend, machen Ernst mit ihrer
Entschlossenheit, notfalls in jedem Land einen Super-GAU auszulö-
sen, von dem sie sich "bedroht" fühlen. Amerikanische erste Äuße-
rungen von einem "großen Ernst der Lage" gelten so auch weniger
der Besorgnis um die Toten und die Zerstörung im Irak, als der
Verselbständigung eines "treuen Freundes", dem man die Waffen
liefert mit denen er sich anschickt, die Nahostpolitik der USA zu
bombardieren. Andererseits und angesichts der matten sowjetischen
Reaktion, wer anders als die USA könnte die arabischen Nachbarn
Israels vor weiteren Friedenssicherungsangriffen schützen? Die
US-Diplomatie wird also einem alten Freund nachhaltig ins Gewis-
sen reden und die neuen Freunde zu beruhigen wissen: Schlimmsten-
falls kostet sie das einen nagelneuen Atomreaktor für Saudi-Ara-
bien.
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