Quelle: Archiv MG - NAHOST ISRAEL - Ein Geschöpf des Imperialismus
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Unruhen in den von Israel besetzten Gebieten
UNSERE ISRAELISCHEN FREUNDE RÄUMEN AUF
Was Terrorismus ist, da kennt man sich doch mittlerweile gut aus.
Darüber hat einen die "Bild"-Zeitung immer genau und gründlich
informiert, was verabscheuungswürdiger Terror und was legitime
Verteidigung ist. Wahrscheinlich deshalb, damit diese schöne Un-
terscheidung nicht verwischt wird, nimmt sie zur Zeit lieber gar
nicht groß Notiz davon, wie sich die israelischen Truppen seit
Dezember im Gaza-Streifen und Westjordanland aufführen.
"Wiedergutmachung" als hemmungslose Parteilichkeit für alles, was
der Staat Israel tut und treibt, war schon immer das Programm,
das "Bild" und Springer den Deutschen verordnet haben. Zur Zeit
soll sich ein treuer "Bild"-Leser denken, daß die Israeli wieder
einmal Schwierigkeiten mit den Palästinensern haben, weil das
solche Gewalttäter und Unruhestifter sind. Verboten dagegen sind
solche Fragen:
1. Warum protestieren die Palästinenser?
2. Wie sieht das aus, wenn Israel für Ordnung sorgt?
3. Wer hat Israel dazu eigentlich beauftragt?
Seit 20 Jahren Normalität in den besetzten Gebieten
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Dort leben z.B. Hunderttausende in Lagern und zwar seit den Grün-
derjahren des Staates Israel. Damals haben die militanten Zioni-
sten die einheimische Bevölkerung vom Kernland des heutigen Is-
rael mit allen Sorten erlesensten Terrors vertrieben. Im Sieben-
Tage-Krieg 1967 hat der Staat Israel dann seine Grenzen noch ein-
mal kräftig erweitert auf Kosten von Ägypten und Jordanien. Seit-
dem leben über 800 000 Flüchtlinge in Lagern und noch einmal
700 000 Palästinenser unter israelischer Militärverwaltung. Der
Staat Israel denkt nämlich gar nicht daran, sie irgendwie als
normale Staatsbürger zu "integrieren": Das Privileg, für den
Staat Israel arbeiten und Krieg führen zu dürfen, ist exklusiv
Juden vorbehalten. Das bedeutet, auch für die alles andere als
ein angenehmes Leben; für die Araber unter israelischem Kommando
aber bedeutet es, daß sie von Haus aus wie Untermenschen behan-
delt werden. Wie unpassendes, lästiges, störendes Volk, das der
Staat Israel am liebsten komplett abschieben würde, was ihm bloß
nicht ganz erlaubt worden ist. Es hat da immerhin einen Streit
der Weltmächte gegeben, was sich Israel herausnehmen darf. Und
auch die USA, die Schutzmacht Israels, sind manchmal eingeschrit-
ten, wenn es ihnen nützlich vorkam, um die arabische Staatenwelt
auf ihre Linie zu bringen.
Restlos vertreiben darf Israel die Palästinenser nicht; aber
sonst tut es alles, um die besetzten Gebiete seinem Staatspro-
gramm einzuverleiben. Im großen Stil wird Land enteignet, werden
palästinensische Bauern von ihrem Grund und Boden verjagt, palä-
stinensische Häuser gesprengt, um Raum für jüdische Siedlungen zu
schaffen. Für die berühmten Kibbuzim, Wehrdörfer mit Stacheldraht
und Schießbefehl (mindestens so wie an der DDR-Grenze, worüber
"Bild" sich doch so gerne entrüstet). Was an Produktionsbedingun-
gen verfügbar ist, Wasser und Strom, wird vorrangig israelischen
Siedlern und Geschäftemachern zur Verfügung gestellt. Die arabi-
sche Bevölkerung darf sehen, wie sie zurechtkommt. Die UNO paßt
darauf auf, daß die in den Massenlagern nicht verhungern und so-
gar noch Ärzte für sie abgestellt werden. Und auf alles hat die
israelische Militärverwaltung ein Auge und paßt auf, daß niemand
an der falschen Stelle einen Muckser macht.
Das ist seit 20 Jahren Normalität in den besetzten Gebieten. Und
auch für die Zukunft bietet die israelische Politik den Palästi-
nensern keine andere Aussicht als die, auf Dauer in den Lagern
oder unter den jämmerlichen Bedingungen leben zu müssen, die ih-
nen der Staat Israel übrig läßt. Wenn sie jetzt protestieren, ma-
chen sie nur ihre Verzweiflung ein bißchen öffentlich, den Haß
auf die israelischen Besatzer und deren schikanöse Politik und
ihre eigene Ohnmacht.
Die völlige Hilf- und Wehrlosigkeit der demonstrierenden Palästi-
nenser ist nämlich kaum zu übersehen: Gegenüber dem Staat Israel
und seiner bis an die Zähne gerüsteten Besatzungstruppe verfügen
sie über gar keine Druckmittel. Die Kinder und Jugendlichen kön-
nen allenfalls Steine werfen und wegrennen, um nicht erschossen
zu werden. Die Händler können nur ihre Läden zusperren, ein sehr
symbolischer Streik, der die Besatzungsmacht Israel gar nicht
trifft. Mehr an Unruhe bringen die Palästinenser gar nicht zu-
stande: eben hoffnungslos unterlegene und aussichtslose Proteste.
Und das wird bei uns kommentiert mit furchtbar viel Anteilnahme
und großem Bedauern - für Israel und seine Soldaten! Die haben
angeblich eine so schwere Aufgabe und sind viel zu gut dafür. Da-
bei wird im Fernsehen auch gründlich gezeigt,
Wie Israel für "Ordnung" sorgt
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Ein Thema, das die "Bild"-Zeitung wiederum lieber vermeidet, weil
es der rührenden Geschichte vom taperen kleinen Volk Israel, das
sich gegen eine bösartige arabische Übermacht verteidigt, denn
doch allzu sehr widerspricht.
Die israelische Militärverwaltung wendet alle Methoden an, um die
arabische Bevölkerung zu strafen, zu verängstigen, einzuschüch-
tern und zu drangsalieren, damit sie sich wieder klaglos unter
ihr Regime fügt. Die zuständigen Offiziere "erklären " die Unru-
hen regelrecht damit, ihre Oper hätten ihr Militärregiment für
schwächlich gehalten. Die logische Schlußolgerung heißt dann:
noch mehr zuschlagen. Mit Tränengas, Gummigeschossen und auch mit
scharfer Munition; die Liste der Toten und Verletzten wird täg-
lich länger. Bei Militärrazzien werden Verdächtige eingesammelt -
im Grunde ist ja jeder verdächtig, der Palästinenser ist. Ein
paar neue Internierungslager werden aufgemacht. Tausende hinter
Stacheldraht gesteckt, auch Kinder. Die aus Protest geschlossenen
Läden werden gewaltsam aufgebrochen, den Besitzern wird mit dem
Entzug ihrer Konzession gedroht. Und seit ein paar Tagen haben
sich die Israeli etwas Neues einfallen lassen, um die Palästinen-
ser für ihre Proteste büßen zu lassen: Sie blockieren einfach die
Lebensmittellieferungen für die Flüchtlingslager.
Was Israel in der Freien Welt alles erlaubt ist
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Die "Bild"-Zeitung, wie gesagt, schweigt sich darüber lieber ganz
aus. Aber auch die sonstige deutsche Öffentlichkeit behandelt das
Thema mit einem unsäglichen Wohlwollen zugunsten Israels. Man
sollte ruhig einmal vergleichen, mit welcher scheinheiligen Ent-
rüstung z.B. im Fall Afghanistan immer herumgezeteit wird: Dabei
hat in dem Fall die Sowjetunion gar nicht vorgehabt, das Land zu
annektieren; und sie hat, soweit der Krieg mit den vom Westen an-
gestifteten Muslims es erlaubt hat, sogar probiert, ein bißchen
Fortschritt und Zivilisation zu verbreiten. Das hat ihr nichts
genützt: Kein Tag ist vergangen, an dem ihr nicht irgendwelche
Greueltaten gegen die unhuldige Bevölkerung nachgesagt worden
sind. Ganz anders im Fall Israel: Da ist es völlig klar, daß die
Gebiete so gut wie annektiert sind; darüber regt sich niemand
auf. Ebenso selbstverständlich ist die rassistische Eingemein-
dungspolitik. Von wegen Menschenrechte! Im Fall Israel fragt so
ein kritischer Fernsehfritze höchstens bedenklich, ob sich Israel
s e l b s t damit einen Gefallen tut. Und was den Terror und die
Repressalien gegen die arabische Bevölkerung betrifft, wie sie
Israel zur Zeit durchführt - unsere in Sachen Demokratie, Frei-
heit und Menschenrechte so überaus empfindliche Öffentlichkeit
sorgt sich nur darum, ob das auch gutgeht, ob unser Freund Israel
sich auf diese Weise auch effektiv genug durchsetzt.
Warum sich Israel im Auftrag der Freien Welt
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so viel erlauben darf
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Laut "Bild"-Zeitung: Weil die Juden schon immer verfolgt worden
sind, zuletzt vom Dritten Reich, deshalb unbedingt einen eigenen
Staat brauchen und dabei schon wieder mutterseelenallein gegen
eine übermächtige feindliche Umwelt kämpfen müssen. Die Wahrheit
sieht allerdings etwas anders aus. Israel hat ein paar Kriege er-
folgreich abgewickelt, Israel stellt im Nahen Osten die allen an-
deren Staaten total überlegene Militärmacht dar. Und zwar nicht
aufgrund seiner heldenhaften Taperkeit, sondern aufgrund von be-
ständigen und enormen Geld- und Waffenlieferungen seitens seiner
Bündnispartner, in erster Linie von den USA, aber auch die ein-
schlägigen "Hilfen" der BRD waren und sind nicht ohne.
Den "Bild"-Zeitungslesern wird dafür die rührselige Story mit der
"Wiedergutmachung" eingetrichtert. Dabei könnte einem schon ein-
mal auffallen, daß das eine reichlich merkwürdige "Wieder-
gutmachung" ist: Weil der deutsche Staat unterm Führer sich die
Juden als Feinde zurechtdefiniert und massenhaft umgebracht hat,
sollen die besseren Deutschen heutzutage den Judenstaat beim
Einsatz seiner Gewalt gegen die Araber unterstützen?! Bei seinen
Kriegen, die im übrigen auch genügend Juden das Leben kosten, die
von d e r Sorte Wiedergutmachung also auch nicht besonders viel
haben?!
Das w i r k l i c h e Interesse unserer deutschen Republik am
Staat Israel, einmal ohne den ganzen moralischen Schmus, der
w i r k l i c h e Nutzen der Wiedergutmachungsgelder und -waffen
besteht darin, daß diese Militärmacht Nr. 1 im Nahen Osten als
der lokale Stellvertreter der Freien Welt alles kurz und klein-
schlägt, was sich in die imperialistische Weltordnung nicht brav
einordnet. Früher haben ein paar arabische Staaten wahrhaftig
noch an so etwas wie Sozialismus gedacht und mit den Russen ge-
bündelt. Ein paar Ölstaaten haben sich eingebildet, mit ihrem
Geld ein bißchen abweichende Weltpolitik machen zu können. All
denen, von Ägypten bis Saudi-Arabien, von Libyen bis Jordanien
und Syrien hat die israelische Militanz die richtige Sicht der
Dinge beigebracht: Nur wenn sie sich ans, westliche Lager halten,
nur dann, wenn sie sich mit den Schutzmächten und Bündnispartnern
Israels gut stellen, können sie halbwegs in Frieden leben.
Diese Aufgabe hat Israel sehr erfolgreich erfüllt. Deshalb haben
die Bündnispartner Israel immer freie Hand gelassen, den Rücken
gestärkt und Waffen geliefert bei seinen Eroberungsfeldzügen und
seiner Besatzungspolitik. Deshalb (und wirklich nicht wegen
Auschwitz) war es hierzulande so gut wie verboten, Israel zu kri-
tisieren. Die arabischen Staaten sind soweit diszipliniert und
"vernünftig" geworden, daß sie ihre Proteste im Namen der Palä-
stinenser immer weiter zurückgeschraubt haben, ebenso wie die Un-
terstützung für Arafat und seine PLO, die politische Organisation
der Palästinenser. Nach dem israelischen Feldzug im Libanon und
der Vertreibung der PLO aus ihren dortigen Stützpunkten, nach der
Bombardierung des Ersatzhauptquartiers der PLO in Tunis durch die
Israeli ist es kaum noch einem arabischen Staat besonders wohl
dabei, dies Mannschaft auf seinem Boden unterzubringen. Ungefähr
das haben auch die unter israelischer Staatsgewalt lebenden Palä-
stinenser mitbekommen: daß sich einen Scheißdreck um sie geküm-
mert wird, obwohl ihnen zwei Drittel der Staatenwelt ein bedauer-
liches Unrecht unterschreiben. Und ihre Empörung ist so aus-
sichtslos, weil sie selbst gar nichts ausrichten können und weil
es auch sonst kein gewichtiges Interesse in der Staatenwelt gibt,
das an ihrer Lage etwas ändern wollte. Daß Israel in seinen be-
setzten Gebieten d i e Ordnungskraft ist und jetzt erst einmal
wieder für Ordnung sorgen muß, ist ja auch die einhellige Meinung
aller Demokraten. Danach erst kommen ein paar kleine Nörgeleien,
daß die israelischen Kommandos es nicht übertreiben sollten. Und
damit ist auch nur gemeint, daß es vielleicht effektivere Metho-
den gäbe, die Palästinenser wieder zum Kuschen zu bringen.
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