Quelle: Archiv MG - NAHOST ISRAEL - Ein Geschöpf des Imperialismus
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ISRAELISCHER TERROR, FREIHEITLICHE
WELTPOLITIK UND "WIR" ALS DEUTSCHE
Die israelischen "Sicherheitskräfte" führen seit Monaten einen
gnadenlosen Kampf gegen protestierende Palästinenser in den vor
mittlerweile 21 Jahren erbeuteten Gebieten westlich des Jordans
und im Gazastreifen. Offiziell gibt's bislang an die 150 Tote,
sodaß die täglich anfallenden Leichen nur noch für Schlagzeilen
sorgen, wenn ein Angehöriger des S t a a t s v o l k s zu Tode
kommt: Das führt dann, wie im Falle eines Mädchens, das von der
Kugel eines Israeli getroffen worden ist, zu "maßloser Erbitte-
rung" im Staate der Juden - weil die eigene Armee das zugibt,
statt den Anlaß zum Vorwand zu nehmen, an allen Arabern in der
Umgebung des Tatorts jene R a c h e zu vollstrecken, die der
vom Premierminister angerufene "Zorn Gottes" in solchen Fällen
verlangt.
Die anfallenden Opfer für die Garantie des "Lebensrechts Israels"
werden auch bei den verständnisvollen Freunden dieses Staates
sehr parteilich sortiert: Abgeknallte Palästinenser fallen da un-
ter die "Schwierigkeiten" der israelischen Armee bei der Erledi-
gung einer Aufgabe, für die sie nicht "vorbereitet" sein soll.
Klar, mit Blitzkrieg und Vergeltungsschlägen gegen Palästinenser-
lager außerhalb der Landesgrenzen hat der Terror gegen die unter-
worfene Araberbevölkerung im eigenen Herrschaftsbereich wenig
strategische Gemeinsamkeiten. Das mutet dem Generalstab takti-
sches Fingerspitzengefühl zu:
"Die Blutbilanz vom Wochenende läßt nun vermuten, daß die Führung
der israelischen Armee die Konsequenzen gezogen und Befehle er-
lassen hat, statt zu prügeln wieder vermehrt scharfe Munition
einzusetzen. Eine solche Wendung ließe sich durch den Wunsch er-
klären, weiteren moralischen Schaden von der israelischen Armee
abzuwenden." (Neue Zürcher Zeitung, 2.3.)
Statt häßlichen Bildern im Fernsehen von Soldaten, deren
"latenter Haß gegen die palästinensische Bevölkerung weit unter-
schätzt worden ist (General Mitzna sagte zum Beispiel, gewisse
Gewaltakte seiner Soldaten hätte er nicht einmal in seinen
schlimmsten Alpträumen sich vorstellen können.)," (ebd.)
die Rückkehr zum militärisch korrekten Blattschuß, damit die jü-
dischen Soldaten nur noch das anwenden müssen, was sie im Dienst
gelernt haben?
Überhaupt malt die hierbei sehr geschlossene und überhaupt nicht
"pluralistische" Öffentlichkeit ein Bild von der Lage in Palä-
stina, das sich der grotesken Umdrehung verdankt, die Israelis
wären es, die ein Problem mit den Palästinensern hätten!
Die (Freie) Welt wäre nämlich ungerührt in der Tagesordnung fort-
gegangen, wenn sich nicht Palästinenser i n n e r h a l b der
de-facto-Grenzen Israels als U n r u h e f a k t o r bemerkbar
gemacht hätten. Seitdem diskutiert sie über den Leichen, warum es
denn j e t z t zum Aufstand gekommen sei und wie Israel damit
f e r t i g wird. Alle bekundete Anteilnahme mit dem "Schicksal"
der Nicht-Juden in Palästina ist nichts weiter als
p o l i t i s c h e H e u c h e l e i. Die waren ihr nämlich
die letzten zwei Jahrzehnte ziemlich scheißegal, Fragen nach den
G r ü n d e n f ü r d e n Aufstand geradezu verboten, weil das
gegen die verordnete Parteilichkeit für Israel verstoßen könnte,
welche zumal in der BRD zur Staatsdoktrin der Rechtsnachfolger
des Nazireichs gehört.
Seit 20 Jahren Normalität in den besetzten Gebieten
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Dort leben z.B. Hunderttausende in Lagern und zwar seit den Grün-
derjahren des Staates Israel. Damals haben die militanten Zioni-
sten die einheimische Bevölkerung vom Kernland des heutigen Is-
rael vertrieben. Im Sieben-Tage-Krieg 1967 hat der Staat Israel
dann seine Grenzen noch einmal kräftig erweitert auf Kosten von
Ägypten und Jordanien. Seitdem leben über 800 000 Flüchtlinge in
Lagern und noch einmal 700 000 Palästinenser unter israelischer
Militärverwaltung. Der Staat Israel denkt nämlich gar nicht
daran, sie irgendwie als normale Staatsbürger zu "integrieren":
Für die Araber unter israelischem Kommando bedeutet das, daß sie
von Haus aus wie Untermenschen behandelt werden. Wie unpassendes,
lästiges, störendes Volk, das der Staat Israel am liebsten kom-
plett abschieben würde, was ihm bloß nicht ganz erlaubt worden
ist. Es hat da immerhin einen Streit der Weltmächte gegeben, was
sich Israel herausnehmen darf. Und auch die USA, die Schutzmacht
Israels, sind manchmal eingeschritten, wenn es ihnen nützlich
vorkam, um die arabische Staatenwelt auf ihre Linie zu bringen.
Restlos vertreiben darf Israel die Palästinenser nicht; aber
sonst tut es alles, um die besetzten Gebiete seinem Staatspro-
gramm einzuverleiben. Im großen Stil wird Land enteignet, werden
palästinensische Bauern von ihrem Grund und Boden verjagt, palä-
stinensische Häuser gesprengt, um Raum für jüdische Siedlungen zu
schaffen. Was an Produktionsbedingungen verfügbar ist, Wasser und
Strom, wird vorrangig israelischen Siedlern und Geschäftemachern
zur Verfügung gestellt. Die arabische Bevölkerung darf sehen, wie
sie zurechtkommt. Die UNO paßt darauf auf, daß die in den Massen-
lagern nicht verhungern und sogar noch Ärzte für sie abgestellt
werden. Und auf alles hat die israelische Militärverwaltung ein
Auge und paßt auf, daß niemand an der falschen Stelle einen Muck-
ser macht.
Das ist seit 20 Jahren Normalität in den besetzten Gebieten. Und
auch für die Zukunft bietet die israelische Politik den Palästi-
nensern keine andere Aussicht als die, auf Dauer in den Lagern
oder unter den jämmerlichen Bedingungen leben zu müssen, die ih-
nen der Staat Israel übrig läßt. Wenn sie jetzt protestieren, ma-
chen sie nur ihre Verzweiflung ein bißchen öffentlich, den Haß
auf die israelischen Besatzer und deren schikanöse Politik und
ihre eigene Ohnmacht.
Israels Leichen - für gute Deutsche eine Ehrensache
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Es ist nicht so, daß der interessierte Zeitgenosse in der BRD
nicht alle Informationen erhielte über die Art und Weise, wie Is-
rael im Nahen Osten für Ordnung sorgt - vor den letzten zwei
Kriegen gab's bereits Farbfernsehen - und mit welchen Mitteln und
Methoden der Judenstaat seine artfremden Einwohner niederhält
bzw. zweckmäßig be- und ausnutzt. Nur wird selbstverständlich von
verantwortungsbewußten Journalisten mit den Nachrichten auch
gleich die einzig angemessene Sichtweise der Sache verbreitet.
Die hat mit den toten Palästinensern sehr wenig zu tun. Statt
dessen hat ein guter Deutscher sich bei allen Meldungen aus dem
Heiligen Land zuallererst zu fragen - unsere Bundestagsabgeordne-
ten haben es neulich in einer Extra-Debatte ausführlich vorge-
macht -:
"Darf man als Deutscher überhaupt die Israelis kritisieren?"
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A l s D e u t s c h e r sollte man wirklich besser überhaupt
nichts kritisieren. Wenn man seinen Verstand in Bonn abholt, wenn
das Urteilsvermögen sich von vornherein nach den Landesfarben
richtet, dann sollte man am besten die Schnauze halten. Denn dann
kommt ja sowieso nichts als eine voreingenommene, parteiliche
Weltanschauung zur Sprache.
Andersherum: Man sollte sich nie darauf festlegen und nie darauf
festlegen lassen, a l s D e u t s c h e r zu denken, zu urtei-
len und zu handeln. Denn damit legt man sich gleich auf einen
Standpunkt fest, der immer über Leichen geht und nötigenfalls
auch über die eigene: auf den Standpunkt der Obrigkeit, der man
als Bürger G e h o r s a m schuldet. Dieser Gehorsam macht
dumm - und diese Dummheit heißt "Nationalgefühl".
Es ist d i e s e r S t a n d p u n k t, mit dem die guten
Deutschen vor 50 Jahren die Judenhetze und die Judenmorde des
Großdeutschen Reiches hingenommen und gebilligt haben.
D e r s e l b e S t a n d p u n k t wird eingeklagt, wenn man
heute a l s D e u t s c h e r auf "die Judenfrage" und auf Is-
rael angesprochen wird. Da soll man sich auch kein vernünftiges
Urteil bilden, sondern auf den Standpunkt des
N a t i o n a l s t o l z e s stellen und von da aus für die Ta-
ten der Nation, auch noch die vergangenen, eine
e i n g e b i l d e t e V e r a n t w o r t u n g hegen. Dieses
Verantwortungsgetue ist eine fürchterliche Ideologie; in ihrem
Namen machen ganz normale Menschen alles mit, was ihre Staatsge-
walt veranstaltet.
Gut, heute veranstaltet die BRD keine Massenmorde an Juden.
Stattdessen zieht sie im Nahen Osten die Fäden und baut den Staat
Israel in ihre Machenschaften mit ein. D e s w e g e n verbie-
tet sich heute für einen guten Deutschen jede Israel-Kritik.
A l s D e u t s c h e r hat man '88 andere Freunde und andere
Feinde als '33 - der nationalistische Fehler, die Welt a l s
D e u t s c h e r zu sehen, ist derselbe!
Das deutsch-nationale Urteil über Israels Brutalitäten lautet
diesesmal:
"Auschwitz rechtfertigt jede israelische Besatzungspolitik!"
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O-Ton Genscher.
"Nur wer daran denkt, daß die Gründung des Staates Israel der
Überlebenskampf der Überlebenden des Holocaust gewesen ist, der
wird das in sicheren Teilen der Welt manchmal schwer verständli-
che Sicherheitsbedürfnis Israels richtig einschätzen können."
Um die konsequente Sicherung des Überlebens der Juden nach dem
Holocaust soll es also gegangen sein und auch heute im Grunde im-
mer noch gehen - bei der Gründung und Sicherung des Staates Is-
rael. Wäre es für diesen Zweck nicht wesentlich einfacher und für
sämtliche beteiligten Menschenmassen - Juden wie Palästinenser
und Araber - wesentlich unblutiger gewesen, wenn die westlichen
Demokratien mit dem Geld, das sie in der Folgezeit in die Mili-
tärmacht des Judenstaates steckten, den Juden in den Heimatlän-
dern von Freiheit, Gleichheit und Menschenrechten ein gemütliches
Leben beschert hätten? Soll es denn für d i e s e n Zweck wirk-
lich das geeignete Mittel sein: die Gründung eines Staatswesens,
das allein Juden als vollgültige und vollberechtigte Staatsbürger
anerkennt; seine Ansiedlungen in einem Gebiet, aus dem die bis-
lang palästinensische Einwohnerschaft erst noch mit einigem Ter-
ror vertrieben werden mußte; und seine - nun mit staatlichem Ter-
ror und ein paar Eroberungskriegen bewerkstelligte - Sicherung
gegen um ihre Existenz gebrachte palästinensische Flüchtlinge?
Eine "Sicherung", die mehr Juden das Leben gekostet hat als sämt-
liche palästinensischen "Terrorangriffe" zusammengenommen! Es ist
eine Sache, daß im faschistischen Deutschland die Menschheit sor-
tiert wurde in von Natur staatsnützliche Volksgenossen und frem-
drassige Volksschädlinge. Es ist eine andere Sache, wenn die is-
raelische Staatsideologie diesen großdeutschen Vernichtungsfeld-
zug zur Reinigung des Volkskörpers als guten Grund dafür ausgibt,
einen völkischen Nationalstaat aufzuziehen.
Unser Israel
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Wenn die Parteinahme für den Judenstaat hierzulande auch laufend
in der Form eines national-moraischen Bekenntnisses zur histori-
schen Schuld der Deutschen daherkommt - ihren Grund hat sie darin
nicht. Die Sowjetunion zum Beispiel kann wegen ihrer vom Nazi-
Deutschland produzierten Kriegstoten noch lange nicht mit bundes-
deutschem Wohlwollen rechnen. Die materielle und politische Un-
terstützung Israels verdankt sich einem strategischen Interesse
des Westens. Mit seiner Gründung und seiner gebietsmäßigen Aus-
weitung in mehreren "Verteidigungskriegen" hat Israel die regio-
nalen Arabernationen vor die Alternative gestellt, sich entweder
in die Obhut der Schutzmächte Israels zu begeben oder die natio-
nale Existenz aufs Spiel zu setzen. Die Fortschritte bei dieser
Ein- und Unterordnung der arabischen Welt in die westliche Welt-
ordnung sind unverkennbar. Daher darf in bundesdeutschen Stel-
lungnahmen zum "Nah-Ost-Problem" mittlerweile neben der Probema-
tisierung des Kritikrechts auch ein wenig formelle Distanzierung
von "überzogenen" Handlungen Israels nicht fehlen. Das ist eine
billige, diplomatische Grußadresse an die Araberstaaten, mit der
man sich denen als S c h u t z m a c h t empfiehlt.
Natürlich gibt's auch für dieses Streben nach mehr Einfluß eine
fürchterlich moralische nationale Ideologie: Es ist eine
"historische Verpflichtung der Deutschen", sich einzumischen.
"Die Palästinenser seien heute durch die Staatsgründung Israels
die Opfer der weiterwirkenden Untaten, die Deutsche an Juden be-
gangen hätten. 'Wir sind proisraelisch und propalästinensisch'."
(SPD-Sprecher Gansel im Bundestag)
So oder so, wir Deutsche haben eben immer eine ganz "besondere
Verantwortung für eine Friedensregelung im Nahen Osten" - das
heißt: einen unbedingten Rechtsanspruch, bei der "Ordnung" der
Region maßgeblich mitzumischen.
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