Quelle: Archiv MG - NAHOST ISRAEL - Ein Geschöpf des Imperialismus

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       Wochenschau
       

ISRAEL - IRAK

Israel ist für seinen "Luftwaffenraid" auf den irakischen Atom- forschungsreaktor Osirak vom Sicherheitsrat der UNO einstimmig verurteilt worden - mit der Stimme der USA, nachdem diese vorher klargestellt hatten, daß sie gegen Sanktionen gegen Israel ihr Veto einlegen müßten und nachdem US-Außenminister Haig sich tele- fonisch laufend versichert hat, daß die Verurteilung Israels nicht zu hart ausfällt. Während es kein Geheimnis ist, wem die S y m p a t h i e n der offiziellen Machthaber in Washington gelten, die "Administration" also "ihre grundlegenden Beziehungen zu Israel nicht abgebrochen hat", "sonnt sich der Irak in der Pu- blizität und Sympathie, die ihm vom Rest der Welt entgegenge- bracht werden, und dem gewachsenen Prestige". Weil es die betrof- fenen Staaten so wollen, ist aus der UNO-Resolution ein S c h i e d s s p r u c h geworden, mit dem die S a c h e dann aber auch erledigt ist. So als hätte der Irak ohnehin die ganze Zeit nicht gewußt, was er mit seinem blöden Reaktor soll, macht er die Zerstörung seines nationalen Prestigeobjekts durch die De- monstration wett, wie "moderat" er auf den israelischen Überfall reagiert; er zeigt damit die Einsicht, daß er es sich nicht län- ger leisten will, als Gegner der USA der israelischen Selbstver- teidigung ausgeliefert zu sein, und hofft auf entsprechendes Ent- gegenkommen der amerikanischen Seite. Der UNO erweist er die Ehre, sich als diplomatische Sphäre erweisen zu können, in der staatliche Demütigungen wieder ausgeglichen werden können einfach dadurch, daß man mit den USA z u s a m m e n eine Resolution ausarbeitet, mit der man den USA "den Gebrauch des Vetos er- spart". Zum Gelingen des diplomatischen Akts gehört nicht einmal der Schein, daß Israel mit der Aufforderung, so etwas nicht noch einmal zu tun, in irgendwelche Schranken gewiesen würde. Die neue Freundschaft, die sich hier anbahnt, ist in irakischen Augen ge- nügend Affront gegen Israel und die ausreichende Klarstellung, daß im Nahen Osten "eine amerikanische und nicht eine israelische Politik betrieben wird". Der israelische "raid" war also ein schöner Beitrag zum amerikanischen Frieden im Nahen Osten und zur Herstellung einer "Abwehrfront gegen die Sowjetunion". Israel kann sich natürlich jetzt ungerecht behandelt fühlen durch die UNO-Resolution. Aber die Vorstellung, international verkannt zu sein, gehört ja zum israelischen Nationalbewußtsein und ist seit jeher alles andere als ein Zeichen nationaler Schwäche. Die Frei- heit, die noch offenstehende libanesische "Raketenkrise" in sei- nem Sinne zu lösen, läßt sich Israel durch diese Resolution nicht beschneiden. Die Enthüllung Begins, daß die Raketen keine ernst- hafte Bedrohung ihrer Lufthoheit sind, sondern zur Ablenkung vom Überfall auf den irakischen Reaktor hochgespielt wurden, ist schließlich nichts Geringeres als die Absichtserklärung, diese Raketen gegebenenfalls "in zwei Stunden" abzuräumen. Und auch die Atomwaffenfrage bleibt im Sinne Israels entschieden: Massenver- nichtungsmittel in arabischer Hand bleiben verboten; über das is- raelische Kriegsspielzeug wird erst nach Friedensschluß Auskunft gegeben. zurück