Quelle: Archiv MG - NAHOST ISRAEL - Ein Geschöpf des Imperialismus

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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 57, 28.06.1982
       
       Protestveranstaltung der Marxistischen Gruppe:
       

GEGEN DIE ENDLÖSUNG DER PALÄSTINENSERFRAGE DURCH ISRAEL UND GEGEN DEN VÖLKERMORD FÜR DEN NATO-FRIEDEN

Über 3000 Demonstranten versammelten sich am 19.6. vor der is- raelischen Botschaft in Bonn-Bad Godesberg im Protest gegen den Vernichtungsfeldzug Israels und der NATO gegen die Palästinenser. Wir drucken im folgenden die dort gehaltene Abschlußrede des MG- Sprechers. Die inzwischen, u.a. auch in Bremen, abgehaltenen Libanon-Demon- strationen der Friedensbewegung belegen - leider - die Aktualität der Ausführungen, nicht weniger als die jüngsten Etappen im nahöstlichen Feldzug für NATO-Frieden und -Freiheit. Vor 9 Tagen haben noch nebenan, in Beuel, über 300.000 Friedens- freunde ein Friedensfest gefeiert. Haben gefeiert, daß so viele nette Menschen gegen Krieg und für den Frieden sind. G l e i c h z e i t i g hat Großbritannien seinen Krieg gegen Argentinien zum Höhepunkt und Abschluß gebracht. G l e i c h- z e i t i g hat Israel einen Vernichtungsfeldzug gegen die Palästinenser ins Werk gesetzt. Friedenssehnsucht ist eben billig zu haben - in einer Welt voller Krieg. Sie p a ß t dazu wie der Militärpfarrer zum Kriegshandwerk - sie stört die Politiker nicht in ihren Geschäften, die immer wieder einmal ein Blutbad einkalkulieren. Auch wir können hier und jetzt die imperialistische Politik mit ihren kriegerischen Konsequenzen nicht verhindern. Wir können aber Macher und Gründe des Kriegsgeschehens benennen und dagegen unseren Protest einlegen - und das ist immerhin schon etwas an- deres, als Gott und die Welt und am Ende sogar die verantwortli- chen Kriegsherren um ein bißchen Frieden anzubetteln. - Wir protestieren gegen Israel, das seinen "Frieden für Galiläa" mit der Ermordung Tausender Palästinenser und mit der Einebnung des Palästinenser-Gettos in Beirut sichert. Wir wissen, was für ein maßloses politisches und militärisches Programm in Israels Friedenswunsch enthalten ist: Keines seiner Nachbarvölker soll auch nur über die Möglichkeit verfügen dürfen, eigene Interessen zu verfolgen, die Israel nicht passen. Wir haben keine Sympathien für irgendeinen der arabischen Staaten, die für ihre Macht ihr Volk verheizen - aber wir können unterscheiden zwischen den impe- rialistischen Machern eines Krieges und seinen Gegnern und Op- fern. Wir sympathisieren nicht mit der Sehnsucht der PLO nach ei- ner ganz nationalen Staatsgewalt - aber wir können unterscheiden zwischen einem Staat, der ein ganzes Volk, Mann für Mann, zu ei- ner Gefahr erklärt, die er nicht hinnehmen will und entsprechend behandelt, und einem Volk, das dem israelischen Wüten ausgesetzt ist. Wir können unterscheiden zwischen Arafats starken Sprüchen aus O h n m a c h t - und der zynischen A r r o g a n z d e r M a c h t, mit der Premier Begin seinen Vernichtungskrieg mit dem lässigen Verweis auf so auserlesene Vorbilder wie die Zerstö- rung Dresdens durch angloamerikanische Bomber und die Zerstörung Coventrys durch das Nazi-Reich rechtfertigt: passende Lehrmeister für den Staat des Judenvolkes! - Wir protestieren gegen den israelischen Völkermord an den Palä- stinensern. Denn für uns fängt Völkermord nicht erst dann an, wenn die Zahl der Leichen die der Überlebenden übersteigt. Für uns fängt Völkermord an mit einer Staatsgewalt, deren Sicherheit - auch auf Kosten der eigenen Untertanen - sich schon mit der bloßen Existenz einiger 100.000 Palästinenser nicht vertragen können will. - Wir protestieren nicht bloß gegen Israel und seine brutale Friedenspolitik. Was wäre denn dieser Staat - ohne westlichen Auftrag, ohne deutsches Geld, ohne amerikanische Waffen? Jeden- falls nicht das gefährliche Monstrum, das er ist - und das ist er ja weiß Gott nicht deswegen, weil seine Untertanen als Faschisten geboren wurden. Was wäre denn dieser Staat - ohne die NATO, die ihn mit Gewaltmitteln ausstattet und mit Finanzen, die seiner Au- ßenpolitik und seinen Kriegen Rückendeckung gibt; und das ganz gewiß n i c h t aus lauter Selbstlosigkeit! Wir kennen das schäbige imperialistische Geschäft auf Gegensei- tigkeit zwischen der NATO und ihrem israelischen Vorposten und Kettenhund. Die NATO hält die Schutzmacht der arabischen Nachbarn Israels in Schach, die Sowjetunion, so daß Israel ohne jede Rück- sicht gegen die vorgehen, deren Macht und deren Völker zerschla- gen und vernichten kann. Dafür prügelt Israel mit seinem brutalen Vorgehen - je brutaler, um so wirksamer - seinen Nachbarn die NATO-Doktrin ein: Daß es für einen Staat lebensgefährlich ist, sich mit der Sowjetunion einzulassen; daß er nur so viele Überle- benschancen hat, nur so souverän ist, wie er sich in den Dienst der USA, des NATO-Friedens, der imperialistischen Weltordnung stellt. Deswegen - protestieren wir vor allem gegen die NATO, die kollektive Schutzmacht Israels - und den Hauptnutznießer all der Blutbäder, die diese souveräne Kreatur westlicher Weltherrschaft anrichtet. Die westliche Sorge, Israels Vorgehen behindere die westlichen Interessen in Arabien oder schadete ihnen, ist nicht bloß lächer- lich. Diese Sorge gehört zu der Unverschämtheit, mit der die NATO alle politischen Tatsachen, die Israel gewaltsam schafft, mit der Unschuldsmiene des Friedensengels für sich ausnutzt. Keine Bewe- gungsfreiheit, keine Souveränität, kein Existenzrecht für Verbün- dete der Sowjetunion: dieses maßlose NATO-Interesse ist es, was Israel mit seinem maßlosen Selbstbehauptungsstreben, mit seinen Kriegen und Blutbädern vollstreckt. - Wir protestieren gegen die Bundesrepublik, die, Frontstaat wie Israel, wieder einmal mit nichts zu tun haben will - und doch auf ihre Weise dasselbe Programm verfolgt und praktiziert, für das Israel seine blutigen Geschäfte verrichtet. Auch d i e s e Kreatur westlicher Weltherrschaft will mit der Sowjetunion und gegen sie ihr nationales Interesse sichern - und profitiert dafür von den Niederlagen, die der nahöstliche Vorposten der NATO den Verbündeten der Sowjetunion und damit der sowjetischen Macht sel- ber beibringt. So ist auch die BRD Schutzmacht und Nutznießer des israelischen Völkermords an den Palästinensern. Wir wissen, daß hierzulande auf Kritik an dem Juden-Staat die schärfsten moralischen Strafen stehen. Weil die Nazis die J u d e n verfolgt, zum Opfer ihres Völkermords gemacht haben, soll der heutige S t a a t der Juden über jede Kritik erhaben sein. Da wird k e i n e Unterscheidung zwischen den Leuten und ihren Herrschern zugelassen - so wie sie für Polen befohlen wird. Als guter Deutscher soll man Kritik an Israel für faschistischen Antisemitismus halten. Wir sind keine guten Deutschen. Wir verweigern uns jeder nationa- len Solidarität: mit den imperialistischen Interessen der BRD von heute ebenso wie mit den Taten des Reiches, dessen Rechtsnachfol- ger die BRD sein will. Wir kennen den moralischen Dienst, den der Völkermord der Nazis der BRD-Politik von heute liefert: Im Namen der einstigen Opfer wird jede Kritik an der S a c h e d e r N A T O verboten, wann immer Israel sie brutal und erfolgreich vorwärtsverteidigt. - Wir protestieren daher auch gegen den umgekehrten R a s s i s m u s, der sich mit jedem Killerkommando des jüdi- schen S t a a t e s moralisch einverstanden erklärt, ausgerech- net weil die Untertanen dieses Staates J u d e n sind. Wir hal- ten das Monstrum Israel n i c h t für eine Ausgeburt des "jüdischen Volkscharakters", sondern für eine NATO-Kreatur! - Wir protestieren gegen die brutale Gelassenheit, mit der hier- zulande das israelische Blutbad im Libanon daraufhin begutachtet wird, ob es sich auch l o h n t. Wir protestieren gegen die hierzulande übliche Kritik an diesem Krieg, die ihn ausschließ- lich an seinen eigenen maßlosen Zielen mißt - an der Frage: Ge- lingt der Schlag gegen die Palästinenser so pefekt, daß Israel auf immer "Frieden" hat und der westliche Vormarsch im Nahen Osten ungehindert bis zur sowjetischen Grenze vorankommt?! - Wir protestieren gegen die Selbstverständlichkeit, mit der Krieg wieder als ehrenwertes Mittel einer ehrenwerten Politik ge- handelt wird - vorausgesetzt nur, der freie Westen hat den Nutzen davon. - Wir protestieren schließlich gegen unsere demokratischen Poli- tiker, die mit professioneller Heuchelei Gewalt als Politik ab- lehnen - und damit nur den Anspruch anmelden, a l l e i n über den Einsatz von Gewalt zu entscheiden. Denn diese Herrschaften, Schmidt nicht weniger als Begin, Kohl und Strauß nicht weniger als ihre israelischen Kollegen, sind ge- fährlicher als alle Panzer, Bomben und Raketen. Sie befehligen ihren Einsatz - selbstgerecht und deswegen ohne jeden Skrupel bis zur letzter Konsequenz. Allerdings nur: solange ihr Volk sie läßt! zurück