Quelle: Archiv MG - NAHOST ISRAEL - Ein Geschöpf des Imperialismus


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       Marxistische Schulzeitung Bremen, 15.06.1981
       
       Wochenschau
       
       Israelis bombardieren irakischen Atomreaktor:
       

ÜBEREIFRIGER SCHÜLER BEGIN

1. Da setzt die israelische Regierung einige amerikanische Lang- streckenbomber, die ohne aufzutanken bis nach Bagdad und zurück fliegen können (Wahnsinn!), in Marsch und erteilt ihnen den Auf- trag, mal eben in einer Blitzaktion einen Atomreaktor im Irak in die Luft zu jagen. Die Bomberpiloten erfüllen den Auftrag, Begin sammelt Punkte im Wahlkampf und das ganze israelische Volk ist sich einig, daß die Aktion prinzipiell gerechtfertigt war. Weswe- gen eigentlich? Angeblich waren die Irakis gerade dabei, neben ihrem Krieg mit dem Iran, der langsam aber sicher Land und Leute ruiniert, eine zweite Front gegen Israel aufzumachen! Angeblich haben sie sich dazu unter der Kontrolle der Wiener Atombehörde und unter Anleitung von französischen Fachleuten die Atombomben gebastelt, mit denen Israel ausradiert werden sollte! Die Begründung, auf den Kern gebracht, lautet: da der Irak ein Feind Israels ist, stellt so ein Atomreaktor eine Bedrohung Is- raels dar, gegen die man sich verteidigen muß. Und die beste Ver- teidigung gegen solche Bedrohung ist die Vorneverteidigung, wes- wegen die israelischen Jagdbomber mit dem Verteidigen auch recht- zeitig angefangen haben. 2. Die Israelis haben also ganz einfach in ihrer Weltgegend ernst gemacht mit jener außenpolitischen Doktrin, die Reagan und Haig seit Wochen verkünden und der sich die Bundesregierung inzwischen bis in die Sprachregelung hinein angeschlossen hat: Atomwaffen oder potentielle Atomwaffen oder alles was man zu potentiellen Atomwaffen erklärt beim Gegner sind eine Bedrohung, die man nicht hinnimmt, sondern mindestens zum Anlaß der weiteren Aufrüstung macht. Wie gesagt: 'mindestens'! Die gleichmütige Verurteilung des israelischen Vorgehens durch alle westlichen Regierungen fällt denn auch entsprechend aus: das Ausmaß an Zerstörung im Irak interessiert absolut nicht, es ist nicht einmal eine Erwähnung wert. Verurteilt wird die Aktion als außenpolitische U n g e s c h i c k l i c h k e i t. Unge- schickt deswegen, weil bei allem Verständnis für den Staat Israel dieser diesmal den Standpunkt des W e s t e n s nicht ausrei- chend berücksichtigt habe. Der ist nämlich so ohne weiteres nicht mehr mit dem israelischen identisch: Es haben zwar die Feinde des Westens auch die Feinde Israels zu sein - und da gibt es nur Übereinstimmung - aber deswegen sind die Feinde Israels für den Westen noch längst nicht abgeschrieben, wie nicht nur das Bei- spiel Ägypten oder Saudi-Arabien zeigt. Und da sich gegenwärtig die Beziehungen des Irak zum Westen in zunehmendem Maße erfreu- lich gestalten, was man an den Rüstungseinkäufen im Westen able- sen kann, war die Militäraktion Israels eben u n g e s c h i c k t... 3. ...wenngleich auch eine fast h u m a n zu nennende Aktion, wie die westliche, freie Presse überdies zu melden weiß: Denn erstens hatten die israelischen Militärs den Sonntag gewählt, wo die a u s l ä n d i s c h e n Techniker nicht auf dem Gelände sind, das Bombardement n u r (!) die E i n h e i m i s c h e n trifft. Mit Ausnahme des einen Franzosen, der natürlich selbst schuld hat. Warum muß er auch am heiligen Sonntag arbeiten! Zwei- tens haben die menschenfreundlichen Israelis einen Zeitpunkt aus- gesucht, für den sich auch die Iraker bedanken können. Das Kraft- werk war noch nicht vollständig eingeschaltet, weswegen sich al- ler Wahrscheinlichkeit nach die Strahlenverseuchung der Region i n G r e n z e n hält. Wenn das nicht ein rücksichtsvoller Einsatz von Radioaktivität gegen den Irak war! *** Folgende Meldung ging letzte Woche n i c h t durch Rundfunk und Fernsehen: "Nach Bekanntwerden der Erdbebenkatastrophe in..., die nach Agenturberichten bis zu 5000 Menschenleben gekostet haben und ungefähr die gleiche Zahl obdachlos gemacht haben soll, ging eine Welle der Hilfsbereitschaft durch die Bundesrepublik Deutschland. In einem Telegramm sprach Bundepräsident Carstens dem Ministerprädidenten... sein Beileid aus für die Katastrophe, die sein Volk und sein Land betroffen habe. Aus dem Sonderfonds der Bundesregierung wurden sofort... tausend DM zur Verfügung ge- stellt; dieses Geld und die Spenden der Bevölkerung ermöglichten dem Deutschen Roten Kreuz die sofortige Lieferung von Medikamen- ten, Decken, Räumfahrzeugen und Zelten. Für den Transport wurden einige Sondermaschinen der Luftwaffe zur Verfügung gestellt. Wei- tere Spenden werden erbeten auf das Konto des Deutschen Roten Kreuzes Nr. Stichwort: "Erdbebenhilfe für ... bei allen Banken und Sparkassen." Des Rätsels Lösung: das Erdbeben ereignete sich im I r a n. Und dessen Volk zählt bekanntlich seit dem Sturz des Schah nicht mehr zu den Armen und Hungerleidern dieser Welt, denen wir in Brüder- lichkeit und Nächstenliebe verbunden sind, sondern besteht aus fanatischen Muselmanen, die bei sich nur Chaos und Anarchie pro- duzieren und dessen Erdbeben uns deshalb auch nicht zu interes- sieren brauchen. Zumal die dortigen Politiker selbst zugegeben haben, daß sie es bislang "noch nicht geschafft haben, für die Bevölkerung in den Dörfern angemessenen Wohnraum zu schaffen". Und Politikern, die so etwas auch noch zugeben, muß man wirklich mit äußersten Mißtrauen begegnen. Mitleiden durfte das deutsche Fernsehpublikum stattdessen mit dem Schicksal eines kleinen italienischen Jungen, der in einen tiefen Brunnenschacht gefallen war. Der hatte das Pech, nicht gleich tot zu sein, und mußte deshalb für eine Demonstration nationaler Hilfsbereitschaft und Solidarität herhalten. An ihm wurde klarge- stellt, daß es in unseren Breiten wirklich auf jedes Menschenle- ben ankommt, wofür vom 60jährigen Opa bis hin zu Artisten und Höhlenforschern alles aufgeboten und von den Fernsehkameras sorg- sam abgelichtet wurde, einschließlich der schmerzverzogenen Ge- sichter der leidenden Eltern. Leider ist der Junge dann doch ab- gekratzt, was wieder einmal für den Nachweis herhalten mußte, daß der italienische Staat eben unfähig und marode ist - ganz im Ge- gensatz zu unserem, bei dem alle Verbuddelten immer wieder raus- geholt werden. Wer erinnert sich nicht schließlich noch an Len- gede! zurück