Quelle: Archiv MG - NAHOST ISRAEL - Ein Geschöpf des Imperialismus
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Wochenschau
MENACHIM BEGIN,
Israelischer Regierungschef, hat letzte Woche entdeckt, daß es
sich bei seinem westdeutschen Kollegen Helmut Schmidt letztend-
lich doch um einen alten Nazi handelt, ohne "Herz, Gedächtnis,
Prinzipien und ohne Menschlichkeit." und das ausgerechnet ange-
sichts einer Saudi-Arabien-Reise des Kanzlers, anläßlich derer
Schmidt sein Herz für die Palästinenser aufschloß, sich ihrer
Vertreibung aus dem Jordanland entsann, das Prinzip des Selbstbe-
stimmungsrechts auch für die PLO gelten lassen wollte und diese
kostenlosen Vorleistungen für günstige terms of trade mit den vi-
sitierten ölprinzen als pure Akte der Menschlichkeit deklarierte.
Dieser deutsche Großmeister der Heuchelei hat es dabei sogar ge-
schafft, die Politik des israelischen Verbündeten, der seit sei-
ner Staatsgründung zielstrebig eine Endlösung der Palästinenser-
frage betreibt, als "eine Tragödie griechischen Ausmaßes" mora-
lisch ins Recht zu setzen. Um so befremdender für ihn, seine Re-
gierung und hier auch für die Opposition, daß Begin auf dem
Rechtsvorgänger der BRD herumreitet. Das sei "nicht einmal durch
den Wahlkampf zu entschuldigen." Die Verbitterung in Israel ist
verständlich, wenn auch gänzlich unberechtigt: Solange der
Rechtsnachfolger jenes Staates, der "Millionen jüdischer Kinder
ermordete", seine wiederaufgenommene Waffenproduktion in den
Dienst der Aufrüstung israelischer Soldaten stellte, seine
"historische Schuld" exklusiv in der Einrichtung eines Staates
Israel abtrug und dessen kriegerischen Unternehmungen Beifall
zollte, solange konnten und durften die Nachfolger Hitlers gar
nicht "frech und arrogant" genug sein. Jetzt mit der deutschen
Vergangenheit zu kommen, wo Israel nur noch ein Verbündeter im
Nahen Osten neben allen anderen ist, wird Begin nichts nützen.
Angriffe der Beginschen Art, die einmal das Selbstbewußtsein
westdeutscher Politik bestimmten, gelten so heute als "grobe Un-
höflichkeit" und die gleiche M o r a l, die früher den Opfern
des Faschismus den Freispruch für die eigene Faschisterei er-
teilte, läßt heute nicht mehr jede Maßnahrne israelischer Politik
durchgehen, sondern versieht das Interesse an der anderen Seite
mit humanitären Sprüchen.
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