Quelle: Archiv MG - NAHOST ISRAEL - Ein Geschöpf des Imperialismus


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       Überfall Israels auf Irak
       

EIN AMERIKANISCHER FREUND

Israel fliegt einen Luftangriff gegen ein anderes Land - und führt der Welt vor, daß Angriff und Verteidigung sehr relative, nämlich rein militärische Unterscheidungen sind. Der Logik eines "Präventivschlages" zufolge liegt die "Schuld" beim Gegner, des- sen außer Zweifel stehenden "Absichten" man gerade noch zuvorkom- men konnte. Insofern liegt hier ein reiner "Selbstver- teidigungsakt" eines Staates vor, für den man sich natürlich auch nicht "entschuldigen" will. Eine deutliche Klarstellung, daß es andere Kriege ohnehin nicht gibt. Die härteste Kritik, zu der sich die USA durchgerungen haben, war die, daß der Überfall "beispiellos" sei. Und es wird heiß die S a c h e diskutiert. "Zum ersten Mal seit Erfindung der Atomwoffe hat ein Staat darauf bestanden, daß er das Recht habe, in einem anderen Land, das er verdächtigt, Nuklearwaffen zu entwickeln, um ihn zu vernichten, jede Atomkraftanlage zu zerstören. So muß irgendjemand in Washington, neben Israels verständlichen Befürchtungen, die we- sentlich bedeutendere Frage untersuchen, was geschehen würde, wenn alle Nationen so dächten wie Israel: Daß sie das Recht hät- ten, jede andere Nation zu bombardieren, die Atomwaffen entwic- keln könnte, die gegen die eigene zum Einsatz kommen könnten." (Herald Tribune) Man stelle sich vor, die Öffentlichkeit hätte beim russischen Einmarsch in Afghanistan diskutiert, ob sich die UdSSR zu Recht oder zu Unrecht von den USA bedroht fühlt, wie es jetzt mit der Frage gemacht wird, ob der Irak tatsächlich in der Lage war, mit seinem Forschungsreaktor "zwei bis fünf Atombomben" zu bauen. Ein "Präzedenzfall" soll der israelische Angriff nicht werden, aber die "Ängste" will man Israel nicht streitig machen, ebensowenig wie das "Recht" einer Nation, zu "überleben ". "Weil es die erste Pflicht jeden Staates ist, zu überleben, müs- sen die Regierungen die Absichten ihrer Feinde auf der Basis ih- rer Möglichkeiten miteinkalkulieren." (Herald Tribune) Grenzenloses Feindbild ---------------------- Israel, dieser Staat, der mit seiner Gründung mitten im Feindes- land die kämpferische Selbstverteidigung zum Ausgangs- und End- punkt seiner gesamten Politik gemacht hat, will einen neuen Nah- Ost-Krieg. Der Frieden mit den arabischen Staaten hat es seiner Funktion als e x c l u s i v e r amerikanischer Stützpunkt im Nahen Osten beraubt, der es seine Existenz verdanlkt. Da in die- sem Landstrich mit den dort angesiedelten Leuten kein Staat zu machen ist, der auf seiner Produktion beruht, hat sich Israel mit der Änderung der US-Politik, sich allein auf dies Land als Ver- bündeten zu stützen, auf seine Gründerzeit besonnen. Mit der Si- cherung seines Territoriums, die es in mehreren Kriegen erreicht hat, d e f i n i e r t es seine "Existenzbedrohung" weiter und sucht sich in der Lösung der von ihm selbst gestellten Aufgaben für die USA in besonderer Weise unentbehrlich zu machen. In dem für seine Existenz bedrohlichen Friedensprozeß mit den arabischen Staaten entdeckt dieser Nahoststaat genügend "Meschuggene", derer er sich annehmen muß. Was er alles nicht mag: Palästinenser in Westjordanien und im Libanon, syrische Raketen und libysche Sol- daten im Libanon, Kernforschung in islamischen Staaten... Und wo- für sich Israel auch ganz praktisch als zuständig erklärt und so von sich aus seine Unvereinbarkeit mit arabischen Staaten dekla- riert. Staatserhaltung im fortgeschrittenen Stadium. Daß es sich bei den neu geschaffenen Operationsgebieten weniger um Angelegenheiten des israelischen Staates als vielmehr um die Wahlkampfstrategie eines durchdrehenden Begin handeln würde, wi- derlegt die israelische Regierungsopposition selbst. Wo Freunde eines gewaltfreien Images des israelischen Staates unter der Überschrift "Israels Opposition jetzt auf den Barrikaden" (Süddeutsche Zeitung) Widerspruch zur Regierungspolitik entdecken wollen, wird berichtet: "Peres sagte: 'Wir sollten dem Volk sagen, was wir glauben, näm- lich daß die Operation für die Wahl war. Der irakische Kernreak- tor stellte keine Gefahr dar, der eine Militäroperation zu einem derart frühen Zeitpunkt notwendig gemacht hätte.'" (Süddeutsche Zeitung, 11.6.81) Deutlicher kann man nicht sagen, womit man in Israel Wahlen ge- winnt. Nach dem Lob für die Paradeleistung der Luftwaffe bezwei- felt ein israelischer Oppositionspolitiker, ob der Ministerpräsi- dent die "Operation" auch kompetent genug durchgeführt hat, ob er alle außenpolitischen Faktoren genügend abgewogen hat etc., kurz, was man alles bezweifeln muß, um sich selbst als der kompetentere Anwärter für die anstehenden Aufgaben ins Spiel zu bringen. Um zu bemerken, daß die Nation mit der veränderten Stellung im Nahen Osten gefährdet ist, muß ein israelischer Politiker nicht die Wirtschaftsstatistik begutachten, aus der sich ablesen läßt, wie es einem Frontstaat ökonomisch in Friedenszeiten geht. Er muß also gar keine Veranstaltungen nach außen machen, um von innenpo- litischen 'Problemen' abzulenken, weil zuvor niemand auf sie hin- gelenkt hat. Er muß sich nur Gedanken über die schwindende Bedeu- tung seiner Nation machen, um auf die richtigen Überlegungen und Konsequenzen zu kommen. Auf Erfolge muß diese nationale Position allerdings verweisen können - und die stellen sich nicht einfach nur als Ergebnis einer gelungenen Militäroperation ein. Kalkulierte "Belastungen" des Bündnisses ---------------------------------------- Israel wäre ein Araberstaat wie jeder andere, der seine Existenz auswärtigen Interessen verdankt und seine Souveränität durch sein militärisches Auftreten beweist, gäbe es nicht zwei Unterschiede: Israel verfügt nicht nur über ein Volk, das sich für seine Staatszwecke einsetzt, sondern auch über einen Rückhalt bei den USA, über den die fortgeschrittensten Waffen der Region, über die Israel stets verfügt, ein deutliches Zeugnis ablegen. Man kann nicht als "David" gegen vier Staaten gleichzeitig Krieg führen ohne einen Gegenschlag, wenn man nicht auf einen "Freund" ver- trauen kann, dessen Freundschaft so einiges vorab entscheidet. Ohne die Berechnung, daß die USA es bei einer offiziellen diplo- matischen Ermahnung ihres Schützlings belassen werden, hätte Is- rael seinen Bombenangriff auf die irakische Kernforschungsanlage auch nicht unternommen. Nicht zuletzt der Vermittlungsaktion des amerikanischen Sonderbotschafters Habib in der syrischen "Raketenkrise" konnte es entnehmen, daß es nicht plötzlich ohne amerikanische Unterstützung dastünde. Im Gegenteil: Die jüngste Qualifizierung des libyschen Staats als "Internationalem Terrori- sten" seitens der USA war ja wohl ein eindeutiger Wink. Die USA "bemühen sich, den Eindruck zu zerstreuen", sie hätten von dem israelischen Unternehmen zuvor Kenntnis gehabt; denn den persischen Golf überwachenden AWACs hätten die neun israelischen Kampfbomber kaum entgehen können usw. Ausgerechnet ein Ronald Reagan soll von der Aktion "schockiert" gewesen sein, während an- sonsten ganz offen berichtet wird, daß unter Kongreßabgeordneten "Bewunderung" für die "tapfere" Tat herrscht. Die 'Aufgabe', die die US-Regierung lösen muß, besteht darin, eine angemessene Reak- tion auf die eigenmächte Handlung Israels zu finden, die auch den anderen amerikanischen Freunden in der Region gerecht wird. Woran man sehen kann, wie wenig internationale Politik mit Sympathie zu tun hat. "Bei seiner ersten politischen Reaktion auf Israels Angriff gegen das irakische Atomkraftwerk, hat Präsident Reagan den behutsamen Kurs einer begrenzten Bestrafung Israels eingeschlagen. Auf diese Weise braucht sich Israel über das prinzipielle Engagement Rea- gans für seine Sicherheit keine Sorgen zu machen." (International Herald Tribune) "Mit der Aussetzung der Flugzeuglieferungen und dem Bericht an den Kongress, daß der israelische Angriff eine wesentliche Ver- letzung des Waffenlieferungsabkommens zwischen den USA und Israel bedeuten könnte, hat Reagan Israel zu verstehen gegeben, daß es keinen Blankoscheck erwarten kann, wenn amerikanische Interessen in der Region in diesem Maße auf dem Spiel stehen." Die grundlegende Kalkulation der Israelis, daß die Vereinigten Staaten nicht die Sicherheitsinteressen Israels opfern, ist selbstredend aufgegangen. über die zweite Abteilung, wie eine "Bestrafung" - und hier liegt der Nachdruck von vorneherein auf der Vorsilbe "s y m b o l i s c h" - wegen der Aufgabe der über- greifenden Interessenskoordination in der Region durch die USA aussehen soll, darüber wird noch verhandelt. "Im Pentagon herrscht die Ansicht vor, daß die USA den arabischen Staaten die A u s g e w o g e n h e i t ihrer Nahostpolitik be- weisen und folglich Israel symbolisch bestrafen müssen." (Neue Züricher Zeitung, 12.6.81) Dabei steht die Sache für Israel nicht schlecht, weil die arabi- schen Staaten selbst auf einen gerechten Schiedsspruch der Ameri- kaner setzen. "Ein arabischer Diplomat sagt, daß die Araber immer noch auf eine Antwort warten, ob die Israelis amerikanische Gesetze verletzt haben." Für die arabischen Staaten kommt es auf die Demonstration der USA an, als Oberverbündeter im Nahen Osten auch Israel zu "kontrollieren". Und an dieser diplomatischen Aufgabe wird kräf- tig gearbeitet. "Wir werden gewisse Sicherheiten von Israel erhalten müssen, denn es handelt sich um eine sehr ernste Angelegenheit, wenn wir of- fene Verletzungen des Abkommen hinnehmen." (J. Wright, republika- nischer Fraktionsvorsitzender im Repräsentantenhaus) Aber das wird die israelische Regierung wohl selbst kaum geglaubt haben, daß sie für ihre Aktion offenen Beifall erhält. An die Differenz zwischen diplomatischer Aufbereitung und ihren gedulde- ten Aktivitäten im Umfeld ihres Staates hat Israel sich seit dem Friedensschluß mit Ägypten gewöhnen müssen. Erlaubterweise tut es also einiges, wofür es sich nicht nur von europäischen Staaten sondern manchmal auch von den USA Tadel einholt. Daß im vorlie- genden Fall eine zu harte Reaktion alles nur noch verschlimmern würde, weil die USA dann Israel angeblich nicht mehr am Zügel hätten, daß also eine vernünftige Nicht-Einmischung in die inne- ren Angelegenheiten Israels ein denkbarer Weg der "Bestrafung" ist, wird ebenfalls schon vorgezeichnet. "Die Reagan-Administration hat gezögert, harte Maßnahmen gegen Israel zu ergreifen, denn dies hätte zu der Kritik führen können, daß die USA versuchten, die anstehenden israelischen Wahlen zu beeinflussen. US-Offizielle wissen sehr wohl, daß die israeli- schen Wähler bei solchen Vorgängen sich beinahe automatisch hin- ter ihre nationalen Führer stellen." (International Herald Tri- bune) Den Generalnenner dieser interessanten Lösung, daß man Israel ge- währen lassen muß, weil es sonst noch schlimmer kommt, gibt Mr. Reagan: "Reagan erklärte, der israelische Bombenangriff auf Irak beweise, daß nur ein wirklicher Friede für die Nahost-Region die Antwort auf diesen Vorfall sein könnte." (Süddeutsche Zeitung, 13.6.81) Durchaus funktionelle Sonderinteressen -------------------------------------- Der amerikanische Liberalismus gegenüber den selbst erfundenen Sonderaufgaben, die sich Israel als ordnungspolitischer Faktor im eigenen Interesse auferlegt, verdankt sich der Überlegung, ob es schadet, oder positiv, daß es sich ausnutzen läßt. Für die USA führt Israel den Beweis, daß sich ohne amerikanische Freundschaft als Staat schlecht leben läßt; Waffen, um damit erfolgreich Krieg führen zu können, liefern nur die USA - wie Israel belegt. Zwei- tens reduziert Israel mit seinen "Operationen" die anderen Nahoststaaten auf ihre tatsächliche Ohnmacht, und macht sie so leichter der Erpressung zugänglich: Der Friede unter dem Vorzei- chen der USA muß weitergehen. Israel profiliert sich damit als der einzige Soldat der Region. Für einen Staat kein schlechter Lohn. Praktisch widerlegt Israel so die Ideologie, daß die Ord- nung der arabischen Staatenwelt unter einen amerikanischen Frie- den eine friedliche Angelegenheit wäre. Die Punkte, die Israel als seine Sicherheitsinteressen erklärt, liegen durchaus auf der Linie der US-Politik. Wenn die USA den Bau einer Atombombe durch Pakistan oder die Weitergabe von Kern- brennstoff an Irak durch Frankreich nicht zum Streitpunkt mit den betreffenden Ländern werden lassen, weil sie die Kalkulation die- ser Staaten mit ihrer Stärke zum eigenen Pluspunkt machen wollen, kann sich umgekehrt Israel als Promotor der "Non-Proliferation" von Kernwaffen des amerikanischen Beifalls gewiß sein. Unter dem Schutz der USA führt Israel getrennt davon, begleitet von mäßigem Tadel, amerikanische Politik kriegerisch voran. Die einschlägigen Sprüche Begins - "Beschäftigen wir uns zuerst mit diesem verrückten Saddam Hus- sein, mit den anderen beschäftigen wir uns später." (Le Monde, 11.6.18) - oder die Angriffe auf die europäischen Staaten inclusive dem An- griff auf Schmidt, sind alles andere als Sprüche eines durchdre- henden Wahlkämpfers Begin, sondern der kalkulierte Ton eines Staates, der gegen jede Stärkung arabischer Staaten, und sei es nur die ihrer diplomatischen Positionen, v o r g e h t, wenn sie nicht amerikanische Interessen betrifft; eine Panzerlieferung an Saudi-Arabien durch die USA wird sich Israel hüten, anzugrei- fen. Einer Bedrohung der eigenen militärischen Sonderstellung hinsichtlich der Modernität der Ausrüstung durch die Lieferung amerikanischer AWACs an Saudi-Arabien kann es nur begegnen, indem es sich an anderer Stelle hervortut und durch die "Notwendigkeit" der eigenen Operation den "wahren Charakter" der arabischen Staa- ten bloßlegt. In seinen Handlungen folgt der israelische Staat einem ganz ande- ren Kalkül als dem "Wahn". "Wenn Israel sich von lauter unversöhnlichen arabischen Feinden umstellt wähnt; wenn es sich keinen Deut um die Weltmeinung schert; wenn es nur dem militärischen Instrument zutraut, seine Sicherheit zu verbürgen; wenn es, kurzum, sich lieber in seiner Isolierung einigelt, als sich, zum Frieden ebenso wie zur Abwehr bereit, mit seiner arabischen Umwelt auszusöhnen, dann hatte die Attacke vom Pfingstsonntag ihre Raison." (Die Zeit, 12.6.81) Dem Zitat mag man als Wahrheit noch zugute halten, daß eine Be- drohung Israels durch die arabischen Staaten nicht mehr auszuma- chen ist, außer eben durch Israel selbst. Nur, ein Friede im Na- hen Osten sieht anders aus als idyllisches Geplausch unter Nach- barn. Daß Israel sich mit Krieg selbst am meisten schade, weil nach dieser Meinung der Friede der natürliche Zustand eines Staa- tes sei, ist ebenfalls ein Gerücht. Die schönste dieser Beweis- führungen gleich vorweg: "Der Angriff auf den Irak muß Israels Freunde erschrecken, gerade seine Waffenlieferanten. Er zeigt, daß die Israelis vor nichts halt machen. Er beweist, daß die Militärisierung ihrer Politik ungeheuer weit fortgeschritten ist - es wirkt sich am Ende wohl doch aus, wenn man fortwährend umgekleidete Generäle zu Ministern und Regierungsheratern macht." (Die Zeit) Wo die Vereinigten Staaten vor ihrem Kongreß nur zu klären haben, ob Israel die von ihnen gelieferten Waffen zur "Selbstver- teidigungung" verwandt hat oder nicht, was zu klären "keine juristische, sondern eine politische" Entscheidung ist. Unaufhaltsamer Friedensprozeß ----------------------------- Daß es auch diesmal mit seinen in die Welt gesetzten Fakten nicht so ganz falsch liegt, zeigen darüber hinaus die Reaktionen der im Prinzip betroffenen Staaten. Der ägyptische Präsident Sadat war ebenfalls "schockiert" oder so etwas ähnliches über den "ungesetzlichen" und "provokativen" Akt, "Kairo bleibe aber trotz des israelischen Angriffs auf den Irak dem Friedensprozeß mit Israel verpflichtet. Der Angriff sei al- lerdings eine schwere und völlig überflüssige Belastung des Frie- densprozesses. Die Lage im Nahen Osten sei nunmehr dieselbe wie vor dem Jerusalembesuch Sadats." (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.6.81) Jetzt muß er direkt noch einmal hinfahren. Den Friedensprozeß mit den Staaten, die wollen, hat der Anschlag also nicht beendet. Iraks Präsident Saddam Hussein hat an der "Demütigung" durch Is- rael zu schlucken und ergreift Maßnahmen gegen sein Militär, das die "neun zionistischen Flugzeuge" ohne sie zu bemerken ins Land hinein- und wieder herausließ. Im übrigen stellt er seine eigene Theorie über die tatsächlichen Zusammenhänge auf, denen Libyen, Syrien, Südjemen und Algerien auf der arabischen Außenminister- konferenz "schwerlich zustimmen" (Neue Züricher Zeitung, 12.6.81), weil sie als nicht betroffene arabische Staaten ein an- deres Feindbild haben. Von einer Einigung des arabischen Lagers, die Israel durch seine Aktion bewirken soll, also nicht viel zu sehen. "Durch diese verräterische Aktion wird euch, ihr Brüder, Söhne des Iraks und Söhne der arabischen Nation, ein grundlegender und wichtiger Teil der Gründe offenbar, die das verdächtige Regime Irans veranlaßt haben, das Feuer des Krieges gegen den Irak zu entfachen und in diesem Krieg zehn Monate lang zu verharren trotz allen Anstrengungen, die gemacht worden sind, um ihn zu beenden und auf der Grundlage von gerechten und ehrenvollen Abmachungen zu lösen, welche die Rechte und Interessen des Iraks und Irans gewährleistet hätten. Hier habt ihr nun den zionistischen Feind, der seine Absichten zu erreichen sucht, indem er für die Führer in Teheran das zu tun übernimmt, was jene während zehn Monaten eines verräterischen Krieges nicht erreichen konnten." (Communique des Irak) Nicht einmal die Sowjetunion bekommt dadurch den Fuß weiter in die Tür. Peinlich vermeidet der Irak jeden Angriff auf die USA, ein Zeichen, auf wen er setzt. Als einziger aufrechter arabischer Kämpfer bleibt Libyen, dessen Maximalforderung aber auch wenig Aussicht auf Realisierung hat. "Im Gegensatz zu dem als maßvoll empfundenen Ergebnis des Tref- fens der Außenminister der Arabischen Liga stand eine Rede des libyschen Revolutionsführers Gaddafi. Auf einer Massenkundgebung in Tripolis forderte er ein gemeinsames militärisches Vorgehen der arabischen Staaten mit dem Ziel, die israelischen Atomanlagen zu zerstören... Die Könige Jordaniens und Saudi-Arabiens forderte er zum Rücktritt auf, 'wenn sie noch einen Tropfen arabischen Bluts im Leibe haben', denn Israel habe den Luftraum ihrer Länder für den Angriff auf den Irak benutzt." (Süddeutsche Zeitung, 13.6.81) Zu den geschaffenen Fakten wird sich Israel einmal mehr eine Ver- urteilung seiner Politik anhören müssen, diesmal eventuell sogar eine UNO-Resolution, die auch von den USA unterzeichnet wird. Ge- gen gemeinsam beschlossene Sanktionen haben sie allerdings schon vorher ihr Veto angekündigt. Und die arabischen Staaten wollen den Westen nicht unter Druck setzen. "Wir ziehen Verhandlungen vor." (Klibi) Die einzige Aufforderung zu einer friedlichen Lösung im Nahen Osten kommt von der Sowjetunion, die schon seit längerem darauf hinweist, daß die amerikanische Präsenz die "Spannungen erhöht". "Die letzte Aktion Tel-Avivs gegen ein arabisches Land beweist, daß nicht gezögert werden darf, konzertierte Initiativen der Weltfriedenskräfte in Angriff zu nehmen, um weitere Aggressionen zu unterbinden." Was der Westen dazu meint, was er also vom Frieden im Nahen Osten hält: "Die von Moskau verbreitete rhetorische Alarmstimmung liegt auf der seit einigen Monaten verfolgten Linie mit d r a m a- t i s i e r e n d e n Gesten vor der Kriegsgefahr zu warnen und den arabisch-israelischen Gegensatz hochzuspielen, um das eigene Projekt einer i n t e r n a t i o n a l e n N a h o s t k o n- f e r e n z besser lancieren zu können." (Neue Zürcher Zeitung, 11.6.81) Frieden nicht um jeden Preis! Bild ansehen Atom-Schwellenländer zurück