Quelle: Archiv MG - NAHOST ISRAEL - Ein Geschöpf des Imperialismus
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Moshe Dayan +
"DER ISRAELISCHE LEBENSSTIL"
hat mit dem Ableben Moshe Dayans zwar einen seiner "Schöpfer"
verloren - so Shimon Peres über den Verblichenen - keineswegs
aber sein Betätigungsfeld, das auch ohne die aktive Mitgestaltung
durch den "Helden von Sinai" mittlerweile bis Bagdad reicht. Daß
Terror nicht nur ein erlesenes Mittel der Politik ist, sondern
mit ihm sich ein Staat gründen läßt, hat der "gebürtige Palästi-
nenser" (Dayan über Dayan) so vorgelebt, daß er darüber zum
"populärsten Politiker" des Judenstaats wurde. Der Ex-General,
der als Beruf die Bezeichnung "Landwirt" im Paß führte, sorgte
schon in jungen Jahren als Aktivist des Haschomer-Verteidigungs-
bundes im britischen Mandatsgebiet Palästina dafür, daß den ein-
wandernden Zionisten Platz geschaffen wurde: Anfangs noch im Auf-
trag der Engländer und später gegen sie, war die Gewalt vor allem
gegen "unschuldige Frauen und Kinder" das Mittel, um den Palästi-
nensern drastisch beizubringen, welchem Volk allein der künftige
Staat Israel eine "Heimstatt" bieten sollte. 1948, im ersten is-
raelisch-arabischen Krieg, säuberte Dayan den Negev von Beduinen
und flog anschließend nach New York, um die Friedensverhandlungen
zu führen. Nach Nassers Suezkanalverstaatlichung durfte er erst-
mals den Sinai erobern. Daß die eigenen Allierten Israel ein Jahr
später zwangen, das eroberte Gebiet ohne Gegenleistung wieder zu-
rückzugeben, war ihm ein "Schlüsselerlebnis". Im Sechs-Tage-Krieg
verschaffte er dem militärischen Terminus "Blitzkrieg", der bis
dato durch seine Verknüpfung mit der Hitler-Armee anrüchig war,
die volle Rehabilitierung und in der "Bildzeitung " siegte Israel
bereits stellvertretend für Deutschland. Dayan wurde hoch ange-
rechnet, daß er das immer noch verbreitete Vor-Urteil über die
Juden gründlich revidiert hatte: Fortan avancierten sie zu den
"Preußen des vorderen Orients" und in deutschen Landen wurden
Vergleiche zwischen "unserem Rommel" und dem Haudegen mit der Au-
genklappe angestellt. (Das Auge hat er übrigens für die Briten in
Frankreich gelassen, wo er "militärische Erfahrungen" sammelte,
genauso wie später im Vietnam-Krieg, den er zeitweilig als
Schlachtenbummler im US-Helikopter "studierte".)
Als Verteidigungsminister zuständig für die besetzten Gebiete
praktizierte Dayan eine de-facto-Annexion, installierte die er-
sten jüdischen Siedlungen auf der Westbank und führte die
"Sippenhaftung für Angehörige von Terroristen" ein. Nach dem Jom-
Kippur-Krieg, in dessen Verlauf Dayan seine Siegesdrohungen ("The
Arabs had a Black September, we'll give them a black October!")
nur begrenzt wahrmachen konnte, mußte er trotz militärischen
Teilsiegs eine politische Niederlage hinnehmen, die er nach dem
Wahlsieg Begins durch einen Seitenwechsel ausglich, um als Außen-
minister sich "wesentlich am Zustandekommen des Camp-David-Abkom-
mens" zu beteiligen. Hinterher überwarf er sich dann mit Begin,
weil dieser von der de-facto zur de-jure-Annexion überging und
Dayan eine "flexiblere Politik" bevorzugte (jüdische Siedlungen
nur an "strategischen Schlüsselstellungen" und keine "unnötigen"
Provokationen der Bevölkerung.) Damit hatte er den Anschluß an
die neue Rolle Israels im Kontext amerikanischer Nahostpolitik
verpaßt und begann, seine Memoiren zu schreiben, die der
"Spiegel" veröffentlichte. Das Selbstporträt eines überaus eitlen
Machers, der sich selbst als treibendes Subjekt von 30 Jahren Is-
rael sieht.
Sein Staatsbegräbnis zog weit weniger auländische Politprominenz
an als das kurz zuvor in Kairo abgehaltene Leichenspektakel für
Sadat, der ihm nach Camp David "a close personal friend" geworden
war. Daß Israel zwar jetzt neben zwei anderen - Ägypten und
Saudi-Arabien - dennoch der amerikanische Freund in der Region
ist und bleibt, zeigt die völlige Abwesenheit von Spekulationen,
was denn mit dem Staat nach Dayan passiert. Während Sadats Lei-
stung darin bestand, Ägypten zu einem Partner des Imperialismus
zu machen, verdankt sich die staatliche Existenz Israels aus-
schließlich seiner Funktion als imperialistischer Brückenkopf im
Nahen Osten. Hier wird nicht diskutiert ob seine Politik prowest-
lich bleibt, sondern ausschließlich darüber, wie funktional sie
für die jeweiligen Nah-Ost-Regelungen ist. Auf dieser Grundlage
hatte Dayans Karriere ihre Konjunkturen. Die ihm jetzt nachge-
sagte "Tragik" seiner späteren Jahre liegt so bestenfalls darin,
daß er immer noch meinte, die Lage im Nahen Osten bedürfe einer
"Lösung", dafür für sich in Israel Stimmen und auswärts Stimmung
mobilisieren wollte und übersah, daß der "Nah-Ost-Konflikt"
längst gelöst i s t. So machte er bei den letzten Wahlen keinen
Stich mehr und arabische Häuser in die Luft zu sprengen war ihm
nur noch als Hobby-Archäologe vergönnt, während Begin praktisch
bewies, daß überhaupt kein Zugeständnis an irgendjemanden d i e
Politik Israels ist, mit der es sich behauptet und seinen Part in
der amerikanischen Nahostpolitik bestens spielt.
Irgendwann hat er sich auch mal gewünscht, auf dem Schlachtfeld
zu sterben. Wir hätten es ihm gegönnt, wenn der Heldentod solcher
Figuren nicht gleich immer Zigtausende mit ins Grab nehmen würde.
Hinweis: Über Dayans Lebenswerk vgl. auch MSZ Nr. 26/1987 ("Der
Juden Staat"), noch lieferbar über MHB.
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