Quelle: Archiv MG - NAHOST IRAN - Von der islamischen Revolution
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Münchner Hochschulzeitung Nr. 7, 28.01.1981
Wochenschau
GEISELLEBEN NICHT UM JEDEN PREIS
Spätestens als er in Wiesbaden von seinen Landsleuten mit dem
Sprechchor "USA! USA" empfangen wurde, hätte noch der letzte der
52 heimkehrenden Amerikaner merken müssen worum es während der
444 Tage seiner Gefangenschaft nie und nimmer ging: um sein
Leben. Hier stand das Staatsinteresse zur Debatte und dieses
hatte sich die ganze Zeit über erlaubt, mit seinem Leben zu
kalkulieren. Insofern war der "glückliche Ausgang der
Geiselaffäre" zunächst einmal ein glücklicher Ausgang für den
amerikanisehen Staat, der auch gleich jedem der Freigekommenen
unmißverständlich klar machte, daß nun - wo die zwischenzeitliche
Konkurrenz zwischen der iranischen und der US-Staatsgewalt über
die politisch nützliche Anwendung dieser 52 Leben entschieden war
- erst mal die Staatsbürgerpflicht Vorrang vor individuellen
Freiheitsgelüsten zu haben hatte. Mit der unverschämten Lüge, man
müsse das "Privatleben" der 52 schützen, begründete der
amerikanische Pressesprecher ihre vorläufige Abkapselung, wobei
niemandem auffallen wollte, daß in den so geschützten Zimmern
(mit "Telefon, Zimmerschmuck und Blumen ausgestattet" - toll!)
ganz selbstverständlich ein reges Kommen und Gehen von CIA - und
anderen Staatschutzbeamten herrschte.
Die E h r e d e r N a t i o n hatte es verboten, sie schon
früher freizukaufen, vielmehr mußte in ihrem Namen solange gewar-
tet werden, bis die Iraner weich genug waren, die Geiseln kosten-
los herauszurücken:
"Die USA haben für ihre Diolomaten k e i n s w e g s L ö s e-
g e l d bezahlt; sie haben vielmehr einen Teil der von Carter
zehn Tage nach der Geiselnahme durch eine Verordnung einge-
frorenen i r a n i s c h e n Guthaben in den USA in London
deponiert. Von den damals mit 12 Milliarden Dollar geschätzten
Guthaben wird die Regierung in Teheran im Endeffekt maximal nur
ein Viertel einkassieren können." (AP)
Sehr verfehlt wäre es zu behaupten, dem US-Staat sei es dabei um
das Geschäft gegangen - er hat einen politischen Sieg errungen,
der sich auch in der geradezu lächerlichen Schlußsumme ausdrückt.
Für diesen politischen Sieg wären die USA auch sehr wohl bereit
gewesen, bedeutend mehr Geld auszugeben - sie haben ja ohne wei-
teres die Möglichkeit einkalkuliert mit dem Iran einen Krieg
anzufangen -, und außerdem haben sie mit dem Geldausgeben für
diesen politischen Zweck schon längst angefangen: Die Region um
den Iran herum und auch der Iran selbst sind seit einiger Zeit
zum amerikanischen Interessengebiet erklärt, und die für die
militärische Aufrüstung und Absicherung dieses Interesses
ausgegebenen Summen stehen in keinem Verhältnis zu den berühmten
8 Mrd. Dollar.
Die seit Jesus Christus (30 Silberlinge!) gewälzte Frage, wieviel
ein Menschenleben wert sei, ist somit wieder mal sehr eindeutig
beantwortet worden: garnichts und alles! Wenn es um die Münze
geht, die im Verkehr zwischen Staaten zählt, nämlich Macht, Dro-
hung, Einfluß, dann hängt der Wert eines Staatsmenschenbürgers
ausschließlich davon ab, was sein Staat davon hält - und mit nor-
malen Vorstellungen übers Geld kommt man da nicht weiter.
Ganz logisch, daß der "Durchbruch in den Verhandlungen" da er-
folgte, wo der noch nicht im Amt befindliche Ronald Reagan ankün-
digte, er werde den iranischen "Barbaren" keinen lumpigen Dollar
für das Leben der Geiseln geben. Die Alternative, die er damit
aufmachte, war: gewaltsame Auseinandersetzung. So waren die Gei-
seln 0 Dollar wert einerseits, andererseits aber auch einen
Krieg, in dem ihr Tod fest einkalkuliert war. Dieser Zuspitzung
hatte Präsident Carter vorgearbeitet, indem er die iranischen
Politiker mit Wirtschaftsboybott, militärischen Drohungen und
Geld-"Einfrieren" dahin gebracht hatte, aus der Reagan'schen
Drohung den einen Schluß zu ziehen: besser einen Teil des
verlorenen Geldes zurück und sich mit den USA wieder besser
gestellt, als gar nichts. Auch für die Herren Politiker dieses
Landes geht es nämlich um Macht und Ehre ihrer Nation - und diese
zwei wertvollen Güter stehen zur Zeit vorrangig im Krieg mit dem
Irak auf dem Spiel, da wollen sie weitermachen können:
"Die USA werden dem Iran einen Teil der Waffen-Ersatzteile lie-
fern, die bereits vor der Geiselnahme bestellt und bezahlt
waren." (AP)
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