Quelle: Archiv MG - NAHOST IRAN - Von der islamischen Revolution
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Iran
ISLAMISCHE REVOLUTION BIS ZUM ENDE
Für die Maßnahmen, die die USA weltweit gegen den Iran ergreifen,
um das Festhalten von 50 amerikanischen Staatsvertretern auf die
eine oder andere Weise zu beenden, kann die revolutionäre Führung
in Persien nur Begeisterung aufbringen:
"Imam Khomeini hat Amerika und allen anderen Völkern gezeigt, daß
unser kämpferisches Volk, das seinen ideologischen Kampf auf die
Grundlage des Märtyrertums gestellt hat, für diese veralteten Me-
thoden der Diplomatie - die Versammlung von Kriegsschiffen -
nichts anderes als Verachtung übrig hat: Bis zum endgültigen
Sieg..." (Stellungnahme des iranischen Außenministeriums, Die
Zeit, 18.4.1980)
Und jeder Schritt im abgesteckten Maßnahmenkatalog der USA gibt
Gelegenheit zu Sprüchen, daß die islamische Revolution unter dem
Druck, dem sie ausgesetzt ist, beweisen kann, daß sie eine Mas-
senbewegung ist, die zu allem bereit ist. Wo die demokratisch
aufgeklärten Staatsbürger hierzulande nicht mehr so recht wissen,
worum die Auseinandersetzung geht, weil der Schah ja inzwischen
im Land des Asyls Ägypten vor sich hinsiecht, bestätigen die ira-
nischen Revolutionäre ihnen, daß sie eine neue Variante des
"Bauens auf die Schöpferkraft der Massen" erfunden haben. Sie
w o l l e n sich mit den USA anlegen, um über sie einen Sieg da-
von zu tragen, den Sieg einer moralischen Verurteilung der USA,
die diese über sich selbst sprechen sollen, weil sie angesichts
des rechtmäßigen Glaubens der Völker gar nicht anders können. Und
so geht es, obwohl der Schah seit über einem Jahr vertrieben ist
und sich auch in keinem amerikanischen Hospital mehr aufhält,
noch immer um diese marode Figur, die geeignet erscheint, "die
Krise auf dem Siedepunkt zu halten" (Islamische Republik):
"Durch den Willen Gottes ist der Schah ein wirkungsvolles Instru-
ment geworden, um unsere islamische Revolution zu exportieren."
(Islamische Republik, Die Zeit, 18.4.80)
So ist mit dem Willen Allahs auch dafür gesorgt, daß sich die
Kontrahenten in dem Konflikt nicht näher kommen, denn der kalku-
lierte Einsatz amerikanischer Macht verdankt sich nicht einer
Kompromißbereitschaft der USA, die sich schließlich "nicht für
etwas entschuldigen können, was sie nicht getan haben". Seitens
der Amis, die sich die Verletzung internationaler diplomatischer
Gepflogenheiten "nicht gefallen lassen können", weil sie auch
nicht den Schein aufkommen lassen wollen, sie ließen sich auch
nur auf der Ebene moralischer Erklärungen unter Druck setzen, ist
auf diese Weise sichergestellt, daß die n a t i o n a l e Aus-
einandersetzung den Aufschwung erfährt, der dem heiligen Krieg
der Mullahs die Zustimmung der Perser sichert. Denn die amerika-
nischen Schejtane bedrohen tatsächlich die islamische Revolution
und sind für nicht weniges im Land verantwortlich. Auf die Begei-
sterung der Massen kann der Revolutionsrat also rechnen, wenn
schon bei uns die Arschlöcher mit Hurra in den Krieg ziehen. Zu
allen passenden Gelegenheiten wird daher Kampfbereitschaft demon-
striert, indem man Iraner durch die Straßen Teherans robben läßt,
und die Aufgaben jeder persischen Regierung stehen fest:
"Die neue Führung muß in der Lage sein, die ganze Bevölkerung in
eine Armee zur Verteidigung des Landes zu verwandeln." (Bani
Sadr)
Ein moralisches Modell gegen die Weltmacht
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Das Urteil, daß die spinnen, die Perser, ganz einfach wegen der
bestehenden Machtverteilung und der dazugehörigen Tatsache, daß
die USA sich nicht scheuen, ganze Landstriche von der Weltkarte
zu streichen ("Vietnam bomben wir in die Steinzeit zurück, wenn
es sein muß"), trifft den Punkt, daß dieser Staat ein geläufiges
Kalkül nicht anstellt. Die iranische Geistlichkeit ruft zum
h e i l i g e n K r i e g gegen die Amis und überhaupt die
weltlichen Großmächte auf;
"Die heutigen Menschen sind von teuflischen Großmächten befallen,
die ein Hindernis für die großen Propheten bilden und nicht zu-
lassen, daß ihre Lehren verwirklicht werden."
"In meinen Augen sind Ostblock und Westblock. rückständig, weil
sie nicht in der Lage sind, in ihrer Gesellschaft die moralischen
Tugenden zu verwirklichen. Der materielle Fortschritt, den die
beiden errungen haben, ging zu Lasten des seelischen Fort-
schritts. Sie sind immer noch unfähig, ihre sozialen Probleme zu
lösen, weil die Lösung dieser Probleme und die Beseitigung des
Elends der Menschen diese moralischen Tugenden erfordern."
(Khomeini, Der islamische Staat)
Sie gibt sich also durchaus der Illusion hin, der Islam wäre eine
moralische Macht, die nicht besiegt werden kann, weil sie unbe-
siegbar ist mit Allah in der Rückhand; auch der Tod ist natürlich
ein Gewinn, weil man im Kampf gegen die Ungläubigen für Allah ge-
storben ist. Auf die Vorstellung, daß der Islam eine Weltmacht
ist, hat sie außer der Tradition die islamische Revolution ge-
bracht, in der sie die Massen gegen den Schah mobilisieren und
ihn vertreiben konnte. Alle Maßnahmen, die das Weiße Haus ver-
hängt, und die von den Iranern begrüßt werden, als hätten sie sie
beschlossen, erscheinen ihnen dabei als der Hebel, den weltlichen
Teufeln die endgültige Niederlage zu bereiten, denn die Mensch-
heit sehen sie auf ihrer Seite und fühlen sich daher berufen,
ihre Revolution als Modell für die Welt vorzustellen.
"Unsere Revolution ist islamisch und dann erst iranisch, sie ist
die Revolution aller unterdrückten Massen der Welt, und dann erst
gehört sie zu einer spezifischen Region... Alle unterdrückten
Völker müssen von ihrer Knechtschaft unter den teuflischen Propa-
gandatrompeten befreit werden, sie müssen ihre göttliche und völ-
kische Kraft finden."
Es handelt sich hier durchaus um das für solche Länder übliche
Ideal nationaler Selbständigkeit, bloß in einer Art und Weise,
die den Realismus vermissen läßt, der diesen Ländern vom Westen
abverlangt wird und auf dem ihre Duldung durch den Imperialismus
beruht. Für die Mullahs ist die ökonomische und militärische
Frage, wie die Weltbefreiung bewerkstelligt werden soll, keine,
weil sie die Macht der Moral für so groß halten, daß sie meinen,
auf die staatlichen Gewaltmittel, mit denen die Moral erst zu ei-
ner Macht wird, verzichten zu können. Daher gibt es in ihrem
Staat auch eine Kritik an ihnen, die nicht den islamischen Staat
in Frage stellt, aber auf den Sachverhalt gestoßen ist, sich um
seine Machtmittel kümmern zu müssen. Der Staatspräsident Bani
Sadr hat ziemlich bald bekundet, daß ihm bei dieser Anstrengung
die Geiselnahme in seinem Land lästig ist.
"Wirkliche Unabhängigkeit ist mehr, als ein paar Geiseln festzu-
halten. Dieses Spielchen ist lächerlich, wenn man bedenkt, daß
unsere Wirtschaft, unser Verwaltungsapparat und unsere Armee vom
Westen abhängen, der von den USA angeführt wird." (Spiegel 13/80)
Bani Sadr will sich dabei durchaus den Aufgaben einer islamischen
Revolution stellen, schließlich war er der Cheftheoretiker, der
aus der Religion erst eine islamische Staatsbewegung gemacht hat,
ist aber der Auffassung, daß die B e z i e h u n g e n zu den
westlichen Staaten in einer für den Iran vorteilhaften Weise
g e s t a l t e t werden und nicht durch eine moralische Kon-
frontation einfach abgebrochen werden sollten. Seine
B e t e i l i g u n g an der iranischen Politik zeigt, daß er in
der Auseinandersetzung und im taktischen Eingehen auf die Ideale
seiner geistlichen Brüder die islamischen Massen einsetzen will
für sein Ideal eines selbständigen persischen Staates, der sich
gerade dadurch behaupten soll, daß er sich den Ansprüchen der
westlichen Nationen widersetzt. Seine Drohungen, den Europäern
und Japanern den Ölhahn zuzudrehen und die erste Anwendung gegen-
über Portugal, drehen die bestehenden Abhängigkeiten einfach um
und tun so, als könnte der Iran den freien Westen mit irgendetwas
erpressen. Nicht nur ist die Blockade des Ölstroms das Mittel,
das die USA gegen den Iran einsetzen wollen, sondern die westli-
che Staatenwelt, hat längst dafür gesorgt, daß sie vom persischen
Öl nicht abhängig ist. Dieselbe Sachlage, die vor einem Jahr mit
der Aufforderung, die Perser sollten gefälligst wieder mehr Öl
liefern, begleitet wurde, wird jetzt zur Einstimmung des heimi-
schen Publikums gelassen kommentiert:
"Das vom Iran geförderte Öl ist in etwa die Menge, die gegenwär-
tig aber den Weltbedarf hinaus produziert wird. Wenn die persi-
sche Produktion für uns ausfällt, dann drängt Öl aus anderen Be-
zugsquellen nach." (Mobil-Oil Chef Lewinsky im Spiegel)
Das heißt umgekehrt natürlich nicht, daß der Westen die Drohung
mit der Ölwaffe nicht als Bedrohung auffaßt, wenn es ihm paßt und
"lebenswichtige Interessen" in Frage gestellt sind.
Viel Religion statt Brot
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Wie der Kraftanstrengung nach außen zu entnehmen ist, ist das
iranische Volk für Höheres vorgesehen. Denn "Leute, die ihr Leben
opfern, kämpfen nicht um Brot. Die Intellektuellen, die von öko-
nomischer Basis reden, haben keine Ahnung von dem Wesen und In-
halt der iranischen Revolution." (Khomeini)
Ist ja irgendwo richtig, daß es ein Widersinn ist, für Brot zu
sterben; umgekehrt bringt die Armut gerade die verrücktesten Re-
sultate hervor. Und so ist das Dogma Khomeinis so zu verstehen,
daß es in der islamischen Republik nicht um Materielles zu gehen
hat, die Armut also den Grund abgeben soll, sich nicht weiter um
sie zu kümmern. Mit einer islamischen Variante des Sozialstaats -
kostenlose Massenspeisung für die Hungernden in den Slums der
Städte - bleiben die Besitzlosen ständig in Bereitschaft, für den
Islam auf die Straße zu gehen und ihre bedingungslose Unterstüt-
zung der Mullahs zu demonstrieren.
Seit der Vertreibung des Schah hat die Armut im Lande zugenommen,
und das, obwohl die Einnahmen aus dem Erdöl nicht mehr zur priva-
ten Bereicherung einer Hand voll Schah-Vertrauter und der Auf-
rechterhaltung der stärksten Armee am Arabischen Golf dient. Die
Rückstellung von 15 Mrd. Dollar aus den Ölverkäufen der letzten
Monate für den Fall einer Blockade zeigt, daß die Gelder, fürs
Volk verwandt, diesem zumindest ein Auskommen garantieren würden.
Dabei gibt die Regierung im Unterschied zu den früheren Zuständen
Erdölerlöse für den Import von Lebensmitteln aus.
"Das Anlagengeschäft sei praktisch zusammengebrochen. Die deut-
sche Ausfuhr nach Iran habe sich stark zu Artikeln des dringenden
Alltagsbedarfs verschoben. Dazu gehörten kleinere Maschinen, Er-
satzteile, chemische Rohstoffe (besonders für die pharmazeutische
Industrie) und mehr und mehr Nahrungsmittel. Erheblich gesteigert
worden sind die Lieferungen von Geflügel, Eiern und Molkereipro-
dukten." (FAZ 2.4.80)
Trotzdem gibt es überall Engpässe:
"Gegenwärtig gibt es einen Schwarzmarkt für Eier, Waschpulver,
Fleisch, Mehl, Ersatzteile für Autos und einige Elektroartikel,
Zigaretten, Farbe, Reis, Gemüse, Öl, Fisch, Stoffe, Textilfasern,
Viehfutter, Eisenträger, Aluminium, Orangen und einige andere
wichtige Früchte." (The Middle East, April 1980)
Kurz, alles ist nur bei den Basarhändlern zu haben, über die vor
allem die Verteilung der von der Regierung eingekauften Waren,
insbesondere Weizen, Fleisch und Eier, läuft. Die Güter finden
daher auch nur zum Teil den Weg zu den mittellosen Persern und
werden stattdessen für die gehortet, die mehr als die staatlich
festgesetzten Preise zahlen können, oder verschwinden gleich wie-
der über den Golf nach Kuweit, Dubai oder andere Anrainerstaaten,
in denen anständig gezahlt wird. Umgekehrt sind die Arbeiter, die
seit den Tagen des Schah beschäftigungslos geworden sind, gezwun-
gen, ihre letzte Habe zu verscherbeln oder mit den land- und ar-
beitslosen Massen in Teheran zu versuchen, irgendeinen Zwischen-
handel an sich zu bringen, um von Leuten, die etwas mehr haben,
als man selbst, etwas abzuknapsen, um nicht Bettler oder öffent-
licher Almosenempfänger werden zu müssen.
Die Massenspeisung von Armen in den Städten entspringt einer
Gleichgültigkeit gegenüber der Ökonomie, die kein Interesse daran
hat, das ökonomische Erbe des Schah zu verändern. Die Produktion
wird nicht als Mittel behandelt und organisiert, die Armut zu
überwinden: Die leerstehenden Luxusvillen der abgehauenen Günst-
linge des alten Reginles werden ungenutzt konserviert und den ob-
dachlosen Massen und Lehmhüttenbewohnern als Monumente teufli-
scher Prunksucht vorgeführt. So gibt es zwar jede Menge Vor-
schläge, was auf dem Land anzustellen sei, vom Vorschlag der
Landverteilung des Agrikulturministers Esfahani, gegen den einige
Berater des Staatspräsidenten etwas haben, bis zu dem der Kollek-
tivierung. Da diese Vorschläge nichts anderes empfehlen, als die
Verteilung von Brachland ohne alle Mittel - außer Allahs Hilfe -,
es zu kultivieren, und außerdem alles entwicklungspolitische Ma-
kulatur bleibt, weil der Staat zur Zeit Besseres zu tun hat, war
alles, was zustandegebracht wurde die Ausdehnung des Ackerbaus
auf Böden, die nicht einmal das Saatgut als Ertrag einbringen.
Selbst die Ölproduktion ist auf 40% ihres früheren Umfangs zu-
rückgegangen, und zwar nicht, weil man mit einer Drosselung der
Menge die Preise in die Höhe treiben könnte.
Das Produkt, das unter dem Schah die Quelle von nationalem Reich-
tum für die, die damals die Nation repräsentierten, war, wird von
den neu etablierten Machthabern nicht ausgenutzt, um ein wenig
Reichtum im Land zu schaffen, sondern für eine Herrschaft einge-
setzt, die sich um einen rationellen Umgang mit der Produktion
nicht einmal in dem Maße kümmert, wie es für die Erhaltung ihrer
eigenen ökonomischen Grundlage notwendig wäre. Hier kalkulieren
die Mullahs sehr genau, daß zu einem Festtag im Lande für die Zu-
friedenheit der Massen ein paar Tage lang auch mal wieder etwas
zum Einkaufen vorhanden sein muß, während man sonst schon spie-
lend den Übergang schafft, die Bevölkerung dafür zu tadeln, sie
würde "zuviel essen" (The Middle East), und im übrigen die Amis
und Konterrevolutionäre für die Situation verantwortlich macht.
Die Fanatisierung der persischen Massen ist die geistliche
Speise, die ihnen verabreicht wird, und die Produktion von Stroh-
puppen, die den Schah oder Carter darstellen, das einzige Ge-
werbe, das blüht.
Restauration von Ordnung und Sicherheit
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Die Herrschaft im Iran hat es geschafft, aus dem traditionellen
Umgang der Perser mit dem Elend und ihrem religiösen Vertrauen
darauf, daß vom Tisch der Reichen auch ein paar Krumen für die
Armen abfallen, eine moralische Macht zu schmieden, weil sich der
islamische Staat als Verkörperung der moslemischen Heilserwartung
gegen seinen gottlosen Vorgänger durchgesetzt hat. Dieses ideolo-
gische Fundament der Staatsgewalt nimmt sie so ernst, daß sie es
sich gestattet, sich über alle hierzulande so geschätzten politi-
schen und ökonomischen Berechnungen einer soliden staatlichen
Herrschaft hinwegzusetzen und sich ganz auf die Willfährigkeit
der rechtgläubigen Massen zu verlassen. Wo diese nicht von Haus
aus gegeben ist, wird sie deswegen auch mit der entsprechenden
Gewalt und unter Einsatz der islamisch politisierten breiten Ge-
folgschaft hergestellt. So hat die islamische Republik seit ihrem
Bestehen ein munteres Schlachten unter allen veranstaltet, die
die Macht der Imame nicht anerkennen wollten oder gar Herr-
schaftsbefugnisse auszuüben oder Widerstand zu leisten gewagt ha-
ben. Sei es, daß in Provinzen, die mehr Autonomie gefordert ha-
ben, die Schlächtereien des Schahs mit religiösen Parolen wieder
neu aufgelegt worden sind. Sei es, daß das einfache Volk in den
Großstädten dazu aufgerufen wird, die von 'ungläubigen' Studenten
besetzten Universitäten zu stürmen und auch gleich das gläubige
Blut für die massenhaften Opfer an dieser inneren Front des hei-
ligen Krieges zu spenden. So haben die 'Revolutionsgarden' samt
Militär und Khomeini-treuen Massen alle Hände voll zu tun,
Khomeinis geistlich-politischen Auftrag zu erfüllen, die
"Restauration uon Ordnung und Sicherheit" für das neue persische
Jahr:
"Jeder Akt fehlender Unterordnung" in den Institutionen müsse
"energisch unterdrückt" werden, Landbesetzungen "nur noch auf An-
weisung des Generalstaatsanwalts oder kompetenter Richter" durch-
geführt, der Bildungsbereich islamisiert werden usw.
Auch die Staatsverwaltung kann wieder Fachkräfte gebrauchen, so
daß die früheren Savak-Agenten wieder gebraucht werden und man es
mit der "Beteiligung an Folter, Mord oder Verschwendung irani-
schen Vermögens" nicht mehr so genau nimmt. Andererseits gibt
Khomeini zu verstehen, daß er seinen Staat mit der Begeisterung
der Massen machen will, und mit ihr als Basis der Staatsmacht
durchaus zufrieden ist. Die Religion der Leute, auf die die Mul-
lahs ihre Macht gründen, weil sie eben die Repräsentanten der Re-
ligion sind, so daß sie sich auch durch das Dirigieren roter und
grüner Stimmzettel demokratisch legitimieren lassen können, soll
die m o r a l i s c h e Grundlage des Staates bilden, die Ost
und West nicht zustande gebracht haben. In den spektakulären Mas-
senaktionen der islamischen Revolution dürfen die Bürger dieses
Staates die Einheit zwischen Volk und Führung im Namen Allahs,
die real existiert, regelmäßig zur Schau stellen.
Den Streit mit den islamischen Kirchenfürsten, wieweit es auf die
staatliche Macht ankommt, führt Bani Sadr durchaus wie ein
Staatsmann, nämlich taktisch. Mit den Mullahs ist er sich einig,
daß sich mit den Massen ein Staat machen läßt, wobei er aller-
dings der Auffassung ist, daß der Fanatismus der Leute wieder be-
ruhigt werden muß, um ein o r d e n t l i c h e s Staatswesen
zu ergeben. Der Staat soll sich von der Einmischung diverser Ko-
mitees, Räte und Garden freimachen, die sich mit dieser Sorte der
Etablierung einer Staatsmacht gebildet haben und alle
s e l b s t ä n d i g vor sich hinwursteln und selbst Macht be-
anspruchen, je nachdem, wieviel Einfluß sie gerade irgendwo ha-
ben.
Und so, wie Khomeini weiß, was er am Schah und an Carter hat, um
dem moralischen Bewußtsein seiner Perser ein Betätigungsfeld zu
geben, und dafür selbst die Nation aufs Spiel setzt, weil es ihr
aufs Materielle nicht ankommen soll, sorgt sich Bani Sadr darum,
daß es für eine eigene Nation sowohl einen handlungsfähigen
Staatsapparat, der die dazu nötigen Kompetenzen nach innen und
außen hat, als auch eine wirtschaftliche Grundlage braucht, damit
der "Sozialismus des Islam" sich auch als Staat behaupten kann.
So ist dafür gesorgt, daß die Islamische Republik geschlossen dem
H e i l i g e n K r i e g mit den USA entgegengeht und ihn mit
der einzigen Waffe führen wird, über die sie in diesem Waffengang
verfügt, dem (Selbst-)Opfermut der gläubigen Massen.
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