Quelle: Archiv MG - NAHOST IRAK - Ölquelle mit Volk


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       Das neue Feindbild steht prompt:
       

SADDAM HUSSEIN - EIN HITLER?

Die Welt ist über Nacht moralisch neu durchsortiert worden: Ein "größenwahnsinniger Diktator", ein "Hitler", ein "Irrer" ist ausgemacht, der die "Weltordnung gefährdet". Der neue "Böse" ist diesmal kein Russe, auch nicht Gaddafi, sondern der Araber Saddam Hussein. Der Totalverurteilung folgt prompt die Tat: unter US- Führung wird die größte Militärkonzentration seit dem 2.Weltkrieg gegen den Irak organisiert. Gegen "das Böse" hilft bekanntlich nur die Gewalt. Und woher weiß alle Welt so prächtig zwischen Gut und Böse zu un- terscheiden? Woraus begründet sich diese schärfste Verurteilung, zu der die "freie Welt" fähig ist - Hitler? Ein Blick auf seine jüngsten Taten soll da schon genügen: - Saddam Hussein soll ein zweiter Hitler sein, weil er k l e i n e r e N a c h b a r l ä n d e r i m S c h l a f ü b e r f ä l l t und sich unter den Nagel reißt. Stimmt, das hat auch ein Hitler gekonnt. Aber weder hat Hitler die militärische Annektierung erfunden, noch hatte er ein Monopol auf sie. Nimmt man nur einmal den Nahen Osten selber: Er ist mit- samt seiner Staatenwelt das Produkt von vor- und nachkolonialen militärischen Überfällen, welche Engländer, Franzosen und Ameri- kaner eingeleitet und in erster Linie Israelis fortgesetzt haben. Von den Überfällen der USA auf Nicaragua, Grenada oder Panama ganz zu schweigen. Und wozu wird das Urteil bemüht? Natürlich zur Vorbereitung des nächsten m i l i t ä r i s c h e n Ü b e r f a l l s, an dem gleich die ganze Welt beteiligt ist. - Saddam Hussein soll ein zweiter Hitler sein, weil er G r o ß m a c h t a m b i t i o n e n hat. Stimmt, die hatte Hitler ebenfalls. Und damit befand und befindet er sich in der allerfeinsten Gesellschaft. Wenn ein Kohl von der "gewachsenen Verantwortung des neuen Deutschland in der Welt" spricht, dann will er dasselbe, was in den USA traditioneller- weise sehr unverhohlen als Führungsanspruch der USA in der - nicht nur westlichen - Welt besprochen und weltweit durchgesetzt wird. Fast schon komisch ist es: Saddam Husseins arabische Großmacht- ziele sind böse Hitlerei, weil sie den im Nahen Osten befehlenden G r o ß m ä c h t e n in die Quere kommen. - Saddam Hussein soll ein neuer Hitler sein, weil er v o m F r i e d e n g e s p r o c h e n u n d d o c h d e n K r i e g g e g e n K u w a i t i n s z e n i e r t h a t, weil er seine arabischen Kollegen angelogen hat. Stimmt, Hitler hat Verträge, die ihm nicht mehr paßten, gebro- chen, hat falsche Versprechungen gemacht usw. Und jedem euro- päischen Staatsmann fällt sofort das "Münchner Abkommen" ein, ein Friedensabkommen, das Hitler zur Kriegsvorbereitung benutzt hat. Aber ausgerechnet Ehrlichkeit in der Außenpolitik soll den fa- schistischen vom zivilisierten, demokratischen Staatsmann unter- scheiden? Seit wann zählt denn in der Staatenkonkurrenz etwas an- deres als der nationale V o r t e i l, den sich Staatenlenker vom E i n h a l t e n, B r e c h e n oder A u f k ü n- d i g e n eines Vertrages versprechen? Seit wann zählen denn ausgerechnet in dieser Region, in der Israel seine hochkalibrigen peacemaker rücksichtslos einsetzt, ein Vertrag oder das Völker- recht? Und die Rede vom Frieden soll neuerdings identisch mit der Beteuerung sein, k e i n e Waffen einzusetzen? Wie jetzt zu beobachten: Die größte Armada seit dem 2.Weltkrieg wird mal wieder nur wegen des Welt f r i e d e n s in Marsch ge- setzt. Und jedes Verhandlungsangebot von Hussein wird mit neuer Truppenkonzentration beantwortet. - Saddam Hussein soll ein neuer Hitler sein, weil er einen üppi- gen P e r s o n e n k u l t betreibt, sich jeden Tag im Fernse- hen als erfolgreicher Feldherr und Führer aller Araber feiern läßt und nicht einmal die Pose des Kinderbeschützers ausläßt. Stimmt, auch diese Widerlichkeiten hat der Hitler drauf gehabt. Aber ausgerechnet demokratischen Politikern soll so etwas fernliegen? Wo die Führer der Nation um die Minuten im Fernsehen feilschen, in Wahlkämpfen schon längst nichts anderes mehr als das Konterfei der Person zählt, Genscher, Kohl und Lafontaine darum konkurrieren, wer als der erfolgreichste Führer des neuen Großdeutschland in die Geschichtsbücher eingehen wird, und auch das Getätschel von Kinderköpfen in der Wahlkampfbroschüre keines westlichen Führers fehlen darf. Und was ist zur Zeit in den USA das Thema Nr. 1: Ob Mr.Bush es schafft, durch ein entschlossenes militärisches Vorgehen im Golf- krieg seine p e r s ö n l i c h e n Chancen bei der nächsten Präsidentenwahl zu erhöhen! - Saddam Hussein soll auch deswegen ein zweiter Hitler sein, weil er dem letzten Kriegs g e g n e r Iran den Frieden a n b i e t e t, um nicht auch noch an seiner Ostgrenze von feindlichen Streitkräften bedroht zu sein. Stimmt, an so etwas Ähnliches wird der Hitler bei seinem Pakt mit Stalin wohl auch gedacht haben. Aber seit wann fällt denn der Versuch, aus a l t e n F e i n d e n n e u e V e r b ü n d e t e zu machen, unter faschistische Verbrechen, vor denen sich unsere Staatenlenker hüten? Die NATO, die EG - das Werk von "Irren"? Sehr merkwürdig diese Verurteilung, zu dessen praktischer Exeku- tion sich immerhin a l l e Staaten, die auf der Welt etwas zu sagen haben - und darunter erstmals die f e i n d l i c h e n W e l t m ä c h t e USA und SU - v e r b ü n d e t haben. - Saddam Hussein soll schließlich der neue Hitler sein, weil er vor dem Einsatz von G i f t g a s nicht zurückschreckt. Stimmt, ist der Hitler auch nicht. Die Verlogenheit dieses Argu- ments pfeifen jedoch bereits die Spatzen von den Dächern, denn die Giftgasfabriken hat Hussein bekanntlich in der BRD gekauft; beim Einsatz des Gases gegen Kurden und Iraner war er noch kein "Hitler"; die Amis - die in Vietnam die ausgedehntesten Erfahrun- gen mit Gifteinsatz gegen Land und Leute sammeln konnten - ziehen gerade überholte Giftmunition aus westdeutschen Depots zurück, die dort immerhin einige Jahrzehnte einsatzbereit lag; dafür hal- ten sie in den USA ganz moderne (binäre) bereit usw. Das Feindbild: verlogen und nur deshalb tauglich Saddam ein "Hitler", ein "verrückter Diktator", ein "Irrer"? Nur e i n e Wahrheit steckt hinter dieser Auspinselung des Feindbil- des: An f e i n d l i c h e n Staaten und ihren F ü h r e r n fällt auf, wie S t a a t e n i m m e r zu Werke gehen, wenn sich ihre Führer Großes in der Welt vornehmen. Dann machen sie sich nämlich Feinde. Aber nicht wegen des Einsatzes von Giftgas, wegen blutrünstiger Methoden, wegen Vertragsbruch oder gar wegen ihres Personenkultes. Sondern allein weil ihre Ambitionen auf haarscharf d i e s e l b e n I n t e r e s s e n anderer Staa- ten stoßen. In diesem Fall: Die Verletzung der im westlichen In- teresse geregelten Zuständigkeiten in der Golfregion durch Saddam Hussein wollen die (West-) Mächte im Nahen Osten nicht hinnehmen; weswegen sie denn auch zur Bewahrung der von ihnen wenig fried- lich eingerichteten Verhältnisse am Golf vor all dem n i c h t z u r ü c k s c h r e c k e n, was sie Saddam Hussein v o r- w e r f e n. Verurteilt werden die Husseins aber gerade nicht im Namen des westlichen I n t e r e s s e s an a u s s c h l i e ß l i- c h e r V e r f ü g u n g über diese Ölregion, sondern im Namen von "abscheulichen" und "verrückten" Methoden, die doch zum Arsenal j e d e r Großmacht fest dazugehören und jetzt überdeutlich zur Anwendung kommen. Aber wo Hussein ein "Irrer" ist, gelten die M a ß s t ä b e, deren Verletzung ihm vorge- worfen werden und den Aufmarsch am Golf ausgelöst haben, natürlich für die Mächte n i c h t, die jetzt die Welt von dem "Diktator" befreien müssen. Deswegen sind moralische Feindbilder auch immer so v e r l o g e n. Ihrem Z w e c k tut das keinerlei Abbruch. Im Gegenteil: Der Vergleich mit Hitler stellt den damit erteilten Auftrag, Mordan- schläge gegen die Person Husseins, Blockaden und auf totale Kapi- tulation berechnete Feldzüge gegen den Irak zu inszenieren, zugleich ins rechte Licht? Wenn nämlich der Mann ein "Hitler" ist, also ein "Wahnsinniger", der vor keinem Krieg zurück- schreckt, verbietet sich jeder Zweifel am Recht der "freien Staa- tenwelt", auf Hussein draufzuhauen. Dann h e i l i g t d e r Z w e c k, diesen "irren Diktator" loszuwerden, bekanntlich alle, aber auch a l l e M i t t e l. Und dann r e c h t- f e r t i g t er a l l e O p f e r. Die zusammengebombten Teile von Bevölkerungen hat dann auf jeden Fall dieser neue "Hitler" auf dem Gewissen. Nur darf man die Maßstäbe des Vergleichs n i c h t e r n s t l i c h zur Sortierung nach Gut und Böse in der Staa- tenwelt anlegen. Aber das macht auch niemand. Er käme ja sonst in Teufels Küche. Da will er aber nicht hin. Die Sortierung nach Gut und Böse, die ist also längst vor dem Vergleich fertig. Und tatsächliche B e g r ü n d u n g e n braucht sie deshalb keine. Sie hat den treffendsten aller "Gründe" für sich: Saddam Hussein ist ein "Böser" und "unser aller Feind", weil "wir" auf jeden Fall die "Guten" sind. Und woher weiß man das? Man sitzt doch nicht umsonst bei ARD und ZDF in der ersten Reihe!! zurück