Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-2 - Es ging um mehr als 'unser' Öl

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UNERTRÄGLICHES WARTEN AUF DIE ERSTE LEICHE

Der gewaltige Aufmarsch des Westens gegen den Irak stellt die de- mokratischen Kriegsberichterstatter nicht zufrieden: Es fehlt der entscheidende Schlag gegen das "Monster von Bagdad"! Daß Saddam Hussein immer noch seine Hetzreden schwingen kann, läßt in den Augen der hiesigen journalistischen Kriegshetzer glatt alle bis- herigen Einsätze und Vorbereitungen sehr matt aussehen. Von "Bild" bis "Spiegel" und "Tagesthemen" geiern sie auf den ersten Heldentoten. Wo sie doch schon seit Wochen trompeten müssen, daß nur ein rasches Zuschlagen den gewünschten Erfolg bringt. Wo das Urteil schon längst feststeht ... Da für Saddam Hussein sowieso nur Titel zwischen Hitler und Sta- lin zu vergeben sind, genügt das Ausmalen des Bösen etwa zweimal pro Woche: "In dem besetzten Emirat erweist sich Saddam als das, was er im- mer war und sein wird: als der Schlächter von Bagdad." (FAZ) "... Und der Irre läßt weiter morden".(Bild) Genauer: "Sie bringen alle Kritiker um, jeden Tag sterben Hunderte. Es gibt Parks, wo das Blut auf dem Boden nicht trocknet, weil sie dort alle Opfer durch Kopfschüsse töten." (Bild) Läßt er z.B. kranke und alte Franzosen frei, "inszeniert er ein Propagandastück" (Bild), da läßt sich niemand täuschen. Selbstverständlich vergißt man über der eigenen Greuelpropaganda die etwas handfesteren Gründe nicht, die das Zuschlagen ge- wissermaßen zum S a c h z w a n g machen. "Alle Industriestaaten sind extrem ölabhängig. Ein politisches Chaos, Wildwest in Nahost, würde eine gewaltige Wirtschaftskrise nach sich ziehen. Der Irak hat aufs gröbste das internationale Recht verletzt." (Bild) Mal eine ehrliche Auskunft über den Kern dieses Rechts. Nicht daß unter Saddam Blut fließt, bereitet Sorgen, sondern daß "u n s e r Ö l" nicht mehr fließen könnte! Der Beschluß zu Gewaltmaßnahmen bekommt den Namen diplomatischer Bemühungen, diese erfolgen konsequenterweise nur noch unter Ver- bündeten und der angeschlossenen UNO, - und auch diese müssen mal ein Ende haben: "... Saddam weit entfernt von einer Aufgabe seiner Ansprüche, da- mit verhärten sich die Fronten (SZ). Mit dem Beschluß einer Luft- blockade sind die diplomatischen (!) Mittel ausgereizt (FAZ) ... Völkergemeinschaft verlangt die Wiederherstellung des alten Zu- stands, Saddam hat Rückzug ausgeschlossen, es gibt keine Zwi- schenlösung. ... gehört es endlich vollstreckt" Als wäre in den letzten Wochen mit dem versammelten westlichen Gewaltapparat rein gar nichts gegen den irakischen Staat unter- nommen worden, überbieten sich unsere freiheitlichen Journalisten in der Erfindung von störenden Momenten, die dem schönen Un- ternehmen mit Fortdauer des ewigen Zögerns und "Sitzens" in die Quere kommen. Die gültige Hauptsorge: "Die Zeit arbeitet für Hus- sein!" steht ungeschminkt für ein unverzügliches Losschlagen. Die verrückte Darstellung, daß die Weltmacht, die Überlegenheit nach ihren Maßstäben herstellt, an allen Ecken ins Stocken gerät, wo- raus ausgerechtet der isolierte Irak zunehmend Gewinn zieht, ist da nur nützlich. "Je länger Saddam durchhält, desto mehr wirkt seine Propaganda; die antiirakische Koalition wird die Monate nicht überstehen, bis das Embargo einschneidende Folgen zeigt." (FAZ) "Die Zeit arbeitet im Sitzkrieg für Hussein. Gefahr, daß sich der politische Bewegungsspielraum des Diktators auf unvorhersehbare Weise auszuweiten beginnt. Je länger die USA in den Wanderdünen Gewehr bei Fuß stehen, desto größer dürfte das Loch im Embargo- ring werden." (Welt) Über die "Hungerwaffe" darf man geteilter Meinung - aber nicht skrupulös sein: "Läßt sich Saddam Hussein mit der Hungerwaffe in die Knie zwin- gen? Oder ist der Hunger eher eine Waffe in seiner Hand?" Die Antwort zeigt, worauf's dabei ankommt: "Die Hungerwaffe ist unmoralisch, weil sie in erster Linie die Zivilbevölkerung trifft, sie ist wirkungslos, weil die Soldaten schon nicht verhungern." (SZ) Erfolgsmeldungen wie: "Lange Schlangen vor den Brotgeschäften" oder "In Bagdad wird das Brot knapp" sitzen einer teuflischen List des "Irren" auf, die jedoch von unserer "Bild" sofort durch- schaut wird: "In Bagdad werden Schlangen vor den Geschäften inszeniert, um dem Westen Mangel vorzutäuschen ... Vorräte für Jahre." Das unnütze Warten bringt gar den Führer der Expedition in Schwierigkeiten - "Der Erfolgsdruck lastet zunehmend auf G. Bush", ja mit der Zeit wachsen sich Demokratie und Bevölkerung glatt zu Hindernissen der Unternehmung aus: "Je länger der Nervenkrieg, desto gezielter treffen Entscheidun- gen von Bush auf parlamentarischen Widerstand. Die Demokraten im Kongreß haben angekündigt, daß sie ihre Zustimmung zur Gewaltan- wendung nicht geben würden. Die aber braucht G. Bush, wenn er die Kriegsdrohung gegen den Irak glaubwürdig aufrechterhalten will ... Skepsis im Lande größer, Unterstützung im Lande geringer..." (SZ). Daß die Opposition nichts anderes als die beste Kriegsführung will, braucht dabei nicht zu stören. Auf der anderen Seite könnte der "Diktator" vom Westen geschätzte demokratische Rechtferti- gungsverfahren mißbrauchen: "Nach einem Bevölkerungsaustausch könnte er sich am Ende sogar auf eine Volksabstimmung einlassen in der Gewißheit, daß eine von ihm nach Kuwait gebrachte und eingeschüchterte Bevölkerung für den Irak votieren würde." (FAZ) Der Zeitdruck läßt sich auch originell und mitfühlend aus der Warte des GI beschreiben: "Den US - Soldaten in Saudi-Arabien ist vor allem langweilig ... zermürbender Kampf gegen Sand und Hitze". (SZ) "Die Wüste, der Wüstensand, die Hitze wird für die US-Soldaten von Tag zu Tag immer unerträglicher." (Tagesthemen) Doch nicht genug. Mit leichter Enttäuschung stellt man fest: "Das erste Opfer des amerikanischen Aufmarsches am Golf ist nicht ein Soldat, sondern ein General, und dieser kommt mit dem Leben davon." (SZ) Was er eigentlich nicht verdient hätte, hat er doch dem Feind Einsatzpläne ausgeplaudert ("Bagdad mit Bombardement enthaupten, Hussein mit Familie incl. Geliebter als Ziele"). Alles Zeichen ungenügender Entschlossenheit, wo doch mittlerweile alles Nötige an Gerät und Truppen vor Ort stünde. Da fehlt es dann auch mal nicht an Zufriedenheit über die Armee und ihre mo- derne Technik, woran man das Publikum teilhaben läßt. Wert wird gelegt auf die "multinationale Truppe" mit einer halben Million Soldaten einer "Völkergemeinschaft", wobei die USA nur "eingeschlossen" sind. Die Feindaufklärung klappt perfekt: "Die Vorbereitungen eines potentiellen Feindes wurden noch nie so vollständig überwacht, CIA - Auswertungsstelle überlastet, tägli- che Satellitenortung aller irakischen Luftabwehreinrichtungen Flugplätze usw.; tägliche Neuprogrammierung der amerikanischen Marschflugkörper" - also lauter technische Spitzenleistungen einerseits. Andererseits macht das beste Gerät nicht mehr mit, wenn es zu lange warten muß: "Überall zuviel Sand in den Panzern, ... die Hubschraubermechani- ker berichten, daß sie täglich die Luftfilter der Motoren aus- wechseln müssen. Die hochentwickelte Kriegselektronik fällt in der großen Hitze zeitweise einfach aus..." (SZ) Mehr Gelassenheit in der Zeitfrage hat zuletzt die "Bild"-Zeitung aufgebracht, schließlich hat ja der Chef unserer amerikanischen Waffenbrüder in aller Ruhe verkündet: "Saddam Hussein wird schei- tern." "Der Diktator von Bagdad ist in der neuen Weltordnung der Ver- nunft ein einsamer Mann. Sein Schicksal eine Frage der Zeit." (Bild) Gott sei Dank gibt es schon ein Datum: "Beobachter rechnen jetzt mit einem umfassenden militärischen Schlag der Amerikaner erst in ein paar Wochen - wenn die Verhand- lungen und Festlichkeiten aus Anlaß der deutschen Einheit abge- schlossen sind. Auf jeden Fall aber noch im Oktober." (Bild) Endlich! zurück