Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-2 - Es ging um mehr als 'unser' Öl
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DAS LEBEN DER GEISELN
steht seit einiger Zeit im Mittelpunkt der Berichterstattung aus
dem Golf. Inzwischen beglückt die gesamte Öffentlichkeit der Na-
tion diese Leute mit einer Anteilnahme, die ebenso parteilich wie
verlogen ist.
Parteilich allein schon deshalb, weil man darüber fast vergessen
könnte, daß außer ihnen auch sonst noch ein paar Menschen in der
Region leben, Iraker z.B., samt Frauen und Kindern. An die ist
nicht gedacht, wenn dem irakischen Diktator vorgeworfen wird, zy-
nisch Menschenleben aufs Spiel zu setzen. Und noch etwas wird in
diesem Vorwurf zielstrebig unterschlagen, obwohl es jeder weiß:
Das Kriegsgerät, das im Zweifelsfall ihr Leben bedroht, wird von
westlichen Militärs weisungsgemäß in Stellung gebracht und abge-
feuert. Denn nur weil der Westen seinerseits den Irak mit Krieg
bedroht, hat Saddam Hussein die Bürger dieser Staaten an strate-
gisch wichtige Orte geschafft und zu Geiseln gemacht. Wären die
USA samt ihren Freunden nicht mit ihrer Armada am Golf aufmar-
schiert, würden diese Leute weiterhin ganz zivil in Chemiefabri-
ken und Ölförderanlagen ihren Jobs nachgehen.
Ginge es wirklich darum, daß die Geiseln mit heiler Haut davon-
kommen, dann müßte sich der Westen aus der Frage heraushalten,
welcher Diktator über die Ölquellen in Kuwait herrscht und seine
Armeen zurückziehen. Das verlangt aber keiner, und darin liegt
das Verlogene der Anteilnahme: Dieselbe Öffentlichkeit, die Sad-
dam Hussein des Zynismus beschuldigt, erwartet und verlangt von
den eigenen Politikern auch keine andere als eine zynische Poli-
tik, die sich einen Teufel darum schert, was aus den Geiseln
wird. Der Aufschrei der Empörung über die österreichische Heimho-
lungsaktion hat jedenfalls klargestellt, daß die Kriegserklärung
an den Irak durch nichts beeinträchtigt werden darf - schon gar
nicht durch die Aussicht, daß sie auch Opfer unter den eigenen
Staatsbürgern schafft. Umgekehrt: Als weiterer Beweis für die
Bösartigkeit des irakischen Diktators zeugen die Geiseln - ob sie
es wollen oder nicht - umso mehr für die Notwendigkeit des
Krieges, dem sie selbst mit als erste zum Opfer fallen.
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