Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-2 - Es ging um mehr als 'unser' Öl


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FAHNENFLUCHT - EINE AKTION GEGEN DEN KRIEG AM GOLF?

Vor einigen Wochen haben die Grünen in einem Flugblatt Bundeswehrsoldaten und amerikanische GIs zur Fahnenflucht auf- gefordert. Seitdem genießt diese Idee bei Kritikern des Golf- krieges viel Sympathie; wir meinen, zu Unrecht. 1. Wozu soll das Desertieren gut sein? Der Eindruck soll schon er- weckt werden, als würde auf diese Weise ein E i n w a n d g e g e n d e n K r i e g a m G o l f praktisch gemacht. Doch würde man das Desertieren auch nur einen Moment lang ernst- haft als M i t t e l begutachten, den Krieg auch nur ein Stück weit zu behindern, fiele sofort auf, daß es dafür nicht taugt. Der Deserteur läuft vorm Krieg weg; durch private Verweigerung will er sich dem Einsatz im Kriegsgebiet entziehen. Der Krieg geht weiter. Eine durch und durch ohnmächtige Aktion: denn die Staatsgewalt, die ihn als Kanonenfutter vorsieht, behandelt ihn sofort als Straffälligen, den sie mit ihrer ganzen Gewalt ver- folgt. Der Deserteur landet im Gefängnis; und von seiner Aktion bleibt bestenfalls die private Demonstration, daß e r von die- sem Krieg nichts hält und deswegen p e r s ö n l i c h nicht in ihn verwickelt werden will. Auf die Politik kriegführender Staaten macht dies auch keinen Eindruck. Die machen sich in ihren Kriegsplanungen jedenfalls nicht von der Moral ihrer Bürger abhängig - dann dürften sie ja gar nicht erst einen Krieg ins Auge fassen! Und der Staatsbürger in Uniform, der es gerade umgekehrt für seine nationale Pflicht hält, ins Feld zu ziehen, wird auch nicht dadurch umgestimmt, daß andere für ihre Kriegs g e g n e r s c h a f t höchstpersönlich einstehen. Da steht Moral gegen Moral, und die des Deserteurs ist nur für diejenigen beweiskräftig. die ohnehin schon gegen den Krieg sind. Daß diese Aktion kein Mittel zur Störung der Politik ist, das läßt sich auch der Suche nach Schutz für die Deserteure entneh- men. In der Tat müssen die Fahnenflüchtigen vor dem Zugriff der Staatsgewalt g e s c h ü t z t werden, wenn das Desertieren nicht gleich im Knast enden soll. Deshalb ergeht auch der Aufruf an die Bürger, solche Leute bei sich aufzunehmen und mit der ei- genen 'Zivilcourage' einen Rechtsbruch zu decken. Zugleich sieht man sich höherenorts nach einer Schutzmacht um, welche die Deser- teure vor der Verfolgung schützen soll. Im Falle fahnenflüchtiger GI's werden die BRD-Behörden aufgefor- dert, ihre Souveränität auf ihrem Territorium gegen den Zugriff der USA auf ihre Staatsbürger geltend zu machen und eine Straf- verfolgung zu verhindern. Und für den Fall, daß Bundeswehreinhei- ten im Golf eingesetzt werden, sollen diese Behörden deswegen von einer Bestrafung absehen, weil - wie man herausgefunden haben will - so ein Militäreinsatz "grundgesetzwidrig" sein soll. Als P o l i t - D e m o steht und fällt die Fahnenflucht also damit, daß bundesdeutsche Politiker e i g e n e Gründe kennen, sie n i c h t n u r als Anstiftung zum Rechtsbruch nicht zu verfolgen, sondern sogar meinen, "Verständnis" für sie aufbringen zu können. Und damit ist an der Aktion gleich gar nichts mehr dran, was sie noch als Demonstration g e g e n den Krieg am Golf ausweisen würde. 2. Wozu taugt also der ganze Aufruf zur Fahnenflucht dann? Die Grü- nen, die diesen Aufruf in die Welt gesetzt haben, wollten ihn oh- nehin nie einfach als Demo von Kriegsgegnerschaft verstanden wis- sen. In ihrem Aufruf schreiben sie: "Verlaßt die Armee! Laßt Euch nicht zum Kanonenfutter für eine verfehlte und nicht dem Frieden und der Unabhängigkeit unseres Landes dienende Politik machen - denn ihr werdet es sein, die als erste für Großmachtambitionen und militärische Abenteuer den Kopf hinhalten müssen." (Grünen-Aufruf) Es kommt ihnen schwer auf die Unterscheidung an, aus welchen Gründen sie einem Krieg seine Berechtigung bescheinigen oder ihn als Ausdruck einer "verfehlten" Politik werten wollen. Und beim "Amikrieg" im Golf handelt es sich um einen Krieg, den sie er- stens für unnötig halten, weil für sie noch längst nicht alle Mittel, den Irak fertigzumachen, ausgereizt sind; und bei dem sie zweitens einen Nutzen für d e u t s c h e "Unabhängigkeit", so wie sie sie verstehen, beim besten Willen nicht entdecken können. Deswegen sind für sie in diesem Fall "Planungen der Hardthöhe" glatt "Abenteurertum", also u n n a t i o n a l. Wo die BRD doch mit ihrer "Friedenspolitik" 40 Jahre lang gut gefahren und zu Macht und Ansehen gelangt ist! Daß die BRD mit ihrer Macht und ihrem Ansehen mitzuständig ist für die "Regelung" der politischen Verhältnisse im Nahen Osten - das finden die Grünen selbstver- ständlich. Sie erheben Einspruch dagegen, daß "deutsche Jungs" eventuell "den Kopf" für einen Krieg "hinhalten" müssen, der die- sem Ansehen und dieser Macht gar nichts bringt. Mit ihrem Fahnen- fluchtaufruf demonstrieren sie, wie ernst sie es mit diesem dop- pelten Einwand meinen. Ami-Leichen für einen u n n ö t i g e n und deutsche Leichen für einen U S-Krieg - dem verweigern die Grünen glatt ihren moralischen Segen! zurück