Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-2 - Es ging um mehr als 'unser' Öl
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LERNPROZESS GOLF-KRIEG (II)
1. Die USA haben die "Weltgemeinschaft" ein zweites Mal auf ihre
Sache festgelegt; die Gleichsetzung ihres Vorhabens mit einem
Mandat, das der Rest der Welt erteilt hat, ist ihnen auf sehr
einfache Weise gelungen. Sie sind den Versuchen der anderen, den
Lauf der Dinge mitzubestimmen, durch die Schaffung von Tatsachen
entgegengetreten.
2. Dabei wurde die diplomatische Form durchaus gewahrt. Dem Mos-
kauer Vorschlagswesen hat man in Washington ganz viel Erfolg ge-
wünscht, allerdings im Sinne einer Berechnung, die gar nicht den
Inhalt des Schlichtungswesens betraf. Die USA haben so getan, als
ob die in Moskau versammelte Diplomatie den Irak zur Kapitulation
überreden wollte, um dann im Angebot selbst zu viel Entgegenkom-
men auszumachen.
3. Die Veranstaltung entbehrt nicht ihrer komischen Seiten. In
der europäischen Öffentlichkeit wurde nämlich unter Berufung auf
die verlogenen Ziele wie "Frieden" und "geräumter Kuwait" ganz
viel Hoffnung und Bewegung registriert. Der Test, ob sich die
A m i s überhaupt noch beeinflussen lassen, wurde den Russen
überlassen. Die durften prüfen. ob sich S a d d a m beeinflus-
sen läßt. So daß dann mit dem Ultimatum, das die Amis an die
Stelle des Vertrages setzten, jedem Genscher klar ist, daß der
Diktator motorische Defekte aufweist.
4. So hat sich keiner blamiert, keiner einen Vorwurf der Abwei-
chung von der gemeinsamen Sache eingefangen oder ausgeteilt. Nur
die Russen sind bei ihrem Versuch, an der neuen "Weltordnung"
mitzustricken, gescheitert. Aber auch sie können treu zur gemein-
samen Sache, wenn auch zähneknirschend, stehen. Sie müssen bloß
entscheiden, ob sie Saddam oder Bush der Uneinsichtigkeit be-
zichtigen. Letzteres ist kaum zu erwarten, höchstens gewisse Be-
schwerden, nicht ehrlich ins Vertrauen gezogen worden zu sein.
5. Das Risiko, daß irgendwer Maßgeblicher in der Welt den Amis
auf den Kopf zusagt, es ginge ihnen halt doch um etwas anderes,
ist darüber vermindert worden. Sie werden sich schon selbst er-
klären müssen, wenn kein Aggressor mehr unterwegs ist.
6. Bleibt noch die Rolle der Moral dieses Krieges und in ihm zu
erwähnen. Sie ist wie immer eine abhängige Variable des Erfolgs,
in diesem Falle aber noch mehr. Sie liefert den offiziellen
Ersatz-Zweck, steht für ein (nicht vorhandenes) Kriegsziel.
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