Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-2 - Es ging um mehr als 'unser' Öl

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       Wenigstens 100000  tote Iraker,  über  100  tote  Amerikaner  und
       Europäer, und  ein auf  Jahrzehnte zerbombtes Land, dem alles zum
       zivilisierten Leben  fehlt, - das ist das Resultat des 6-wöchigen
       Golfkrieges.
       Hat es  das gebraucht? Das hat es gebraucht - für genau den Frie-
       den, der jetzt herrscht.
       

BILANZ EINER FRIEDENSSTIFTUNG

I. Der Krieg, das will die freie Welt wissen, war nötig: Wegen der Verbrechen Saddam Husseins. Aber worin bestehen die? Die verbrecherische Tat Saddams bestand in demselben, was er vor 10 Jahren mit dem Iran gemacht hatte und was damals kein Verbre- chen war: Er versuchte, seine Macht und ihre ökonomischen Quellen durch eine Ausdehnung seiner nationalen Grenzen zu vergrößern. Der Präsident des Irak hatte eine politische Bilanz seiner Wirt- schaft aufgemacht, die auf dem Export von Rohöl beruhte und ja einiges abwarf. Mit dieser Bilanz war er unzufrieden. Die Rolle als Ölstaat mit Volk blieb notwendigerweise eine sehr be- schränkte. Die ausländischen Ölgesellschaften und Abnehmerstaaten werden über seine Ölexporte immerzu reicher als sein Ölstaat. Wo und wofür auch immer er seine Petro-Dollars wieder ausgibt, stets trägt er zur Bereicherung und Festigung der großen Volkswirt- schaften in Europa und Amerika bei und verewigt die Unselbstän- digkeit und Abhängigkeit seiner Nation. Was sollen 30 Jahre mo- derner Aufbau, was soll ein ordentlich ernährtes, ausgebildetes und medizinisch versorgtes Volk wert sein, wenn es sich nicht für den Fortschritt der Nation auszahlt? - fragt sich Staatschef Sad- dam und zeigt damit dieselben Ansichten über Staat und Volk wie seine Vorbilder in Europa und Nordamerika. Deshalb ist der mo- derne Irak neue Wege gegangen. Er hat sich mit seinen Öleinkünften auf dem Weltmarkt die Waren gekauft, die ihn instand setzen würden, aus der bescheidenen Rolle des Dritt-Welt-Landes herauszukommen, die weltpolitische Ohnmacht seiner Nation zu beenden und den Irak zur Führungsmacht der Araber aufsteigen zu lassen: Er kaufte Waffen. Als er diese Waffen gegen den Iran des Ajatollah Khomeini wen- dete, hatte er das Glück, sich mit einem Nachbarn anzulegen, der gerade wegen d e r s e l b e n Umtriebe - einer islamischen Re- volution und der Absicht ihrer Ausdehnung - zum Feind des Westens geworden war. Die irakische Aggression gegen Persien wurde mit Geld, moderner Waffentechnologie und amerikanischer Satelliten- aufklärung gefördert, weil sie stellvertretend für den Westen eine andere aufstrebende Macht bekriegte, die dasselbe wollte wie der Irak und deshalb die westliche V o r m a c h t störte. Saddam Husseins Pech im Fall Kuwait war, daß dieses Unternehmen nur von seinem Standpunkt aus ungefähr dasselbe war wie sein Krieg gegen Khomeinis Iran. Die Aufseher aus Washington haben die Sache genau umgekehrt betrachtet. Vom Standpunkt der amerika- nisch-westlichen Mission aus war damals Khomeinis islamische Mis- sion das größte Problem am Golf, zehn Jahre später aber Saddam Husseins arabische Mission. Wo Saddam Hussein sich zweimal die- selbe Chance ausgerechnet hat, sah der Westen zweimal dieselbe Gefahr - nämlich für das Kräfteverhältnis am Golf, das für den Westen so bequem funktioniert hat, weil die verschiedenen auf- strebenden Mächte sich wechselseitig blockiert und in Schach ge- halten haben. Dieses bequeme "Gleichgewicht" wollte der Westen sich nicht kaputtmachen lassen. Und weil hinter dem Irak keine respektable Schutzmacht mehr steht - auch da glänzen die Russen ja durch Abwesenheit -, war die Sache klar! Saddam Hussein ver- greift sich am "Völkerrecht"; er ist nicht mehr der ehrenhafte Büttel des Westens, dem man auch Giftgaseinsätze gegen aufständi- sche Kurden verzeiht, sondern ein internationaler "Verbrecher" und der "Irre von Bagdad". Ohne diese Be- und Verurteilung durch die maßgeblichen Nationen des Globus, die die Länder des Nahen Ostens zu benutzen gewohnt sind und dies als ihr Recht erachten, nimmt sich das Projekt des Saddam Hussein aus wie das ehrenwerte Tun eines Staatsmannes, der die Unterentwicklung seiner Nation für ein Übel und Unrecht hält, und sich entschließt - wie andere auch - durch Anschluß neuer Provinzen und Ausdehnung der Landesgrenzen die eigene Lage zu bessern. Wie andere Nationen auch, hat er dafür gute historische Rechte angeführt. Dieses Anliegen des Irak, seine Nation mit Ge- walt zu vergrößern, ist gerade so ehrenwert und so menschenver- achtend wie dasjenige der großen Nationen, die schon über Mittel und Macht auf der Welt verfügen und - ebenfalls mit Gewalt - einen aufstrebenden Konkurrenten daran hindern, es ihnen gleich zu tun. Unrecht wird die Sache Saddam Husseins nur dadurch, daß andere mit ihren wirtschaftlichen und militärischen Mitteln schon das Recht auf die Kontrolle des Nahen Ostens gepachtet haben. Es sind also zwei Paar Stiefel, ob man Saddams Auswärtsspiele mißbilligt und kritisiert, daß das irakische Volk seinem Staats- chef nur Material seiner Großmachtambitionen ist, oder ob man zu- sammen mit den Offiziellen des Westens einen Völkerrechtsbruch anklagt und dem Krieg, mit dem die USA die Welt ihrer Kontrolle und dauerhaften Benutzung unterwerfen, noch den Heiligenschein eines Dienstes an der friedliebenden Menschheit umhängt. II. Zum Kriegführen gehören zwei Parteien. Der Krieg war nötig, nur weil die USA und ihre Partner dem Irak seinen Aufstieg zur regionalen Vormacht nicht gönnen. Der große Krieg als Antwort auf die Annexion Kuwaits war der freie Beschluß der USA. Sie drohten ihn mit Ultimaten an, brachen nach ihrem Plan los, wählten Mittel und Intensität der Kriegfüh- rung und ließen sich seine Fortsetzung bis zum bitteren Ende von keinem Friedens- und Rückzugsangebot mehr aus den Händen nehmen. Präsident Bush machte deutlich, wofür sich das Massensterben und das Zusammenbomben des Irak gelohnt hat. Er verkündete eine "neue Weltfriedensordnung" und hob sie mit dem Krieg gegen den Irak aus der Taufe. Die neue Friedensordnung, die angeblich den Krieg durch ein US-Verbot gegenüber a n d e r e n Staaten aus der Welt schaffen soll, ist nichts als eine klare Unterscheidung zwi- schen den Rechten, die sich die USA zumessen, und denen anderer Staaten der Erde: Mit ihrer klaren Verteilung zwischen dem Recht zum Krieg, das die USA sich reservieren, und all den Fällen und Nationen, bei denen Krieg ein nicht zu duldendes Unrecht ist, ma- chen sich die USA zum Richter über die rechtmäßigen und unerlaub- ten Interessen der übrigen Staaten und zum Schutzherren all der Grenzen auf der Erde, die sie haben wollen. Dem Irak haben sie vernichtend beigebracht, was sein Krieg für ein Unrecht war; gleiche Strafe drohen sie jedem anderen Staat an, der das Kräfte- verhältnis der Mächte ohne Auftrag und Billigung aus Washington verändern will. Alle, die meinen, man dürfe nicht ein kleines Nachbarland über- fallen, täuschen sich. Man darf! Nur nicht jeder! Auch der An- schluß neuer Provinzen und das Verschieben von Grenzen ist er- laubt, nur nicht jedem! Den Anschluß der DDR haben "unsere ameri- kanischen Freunde vorbehaltlos unterstützt" - diese Grenzverände- rung ging auf Kosten der Russen. Warum hat Saddam Hussein weniger Recht dazu? Ein weltpolitisches Interesse des Westens und seiner Führungsmacht hat nicht vorgele- gen, und die Macht des Irak hat nicht ausgereicht, sich dennoch durchzusetzen. Das Recht der Staaten in internationalen Affairen reicht eben jeweils gerade so weit, wie ihre Waffen. Ein anderes Völkerrecht gibt es nicht. Die Abschreckungsdrohung und die Entschlossenheit der USA, sie wahrzumachen, hat die anderen Weltmächte, die ja eigene Ambitio- nen verfolgen, beeindruckt. So sehr, daß sie nach dem US-Be- schluß, eine Streitmacht an den Golf zu schicken wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr, glatt eine V ö l k e r g e m e i n- s c h a f t gebildet haben und bereit waren, dem Krieg der USA den S c h e i n d e s A u f t r a g s der Staatenwelt zu geben. Gegen die kriegsbereiten USA wollte sich kein Staat stellen, ihnen den Krieg verbieten schon gleich keiner. Der Heiligenschein des UNO-Auftrags für den US-Krieg ist nichts als die Verbeugung vor der überlegenen Gewalt der USA. Vorerst sind die USA die einzige überlebende "Supermacht" und durchgesetzter Weltpolizist. III. Die deutsche Regierung wußte von Anfang an um die Zwei- schneidigkeit dieses Krieges für Deutschland - und es war ihr an- zumerken. Der UNO-Krieg der USA war gegen den Irak aber auch ge- gen all die Staaten gerichtet, die ihn ausgerüstet haben und da- mit Konkurrenz gegen die USA und ihr Monopol auf Weltordnung be- trieben. Die Bundesrepublik ist auch so eine aufstrebende neue Großmacht, die einen Weg aus der Abhängigkeit und Unterordnung nach dem ver- lorenen Weltkrieg gefunden hat. Sie benutzte die amerikanische Weltordnung so erfolgreich, daß sie für die USA auf dem Feld der Wirtschaft zum gefährlichen Konkurrenten wurde; aber nicht nur auf diesem: Mit Waffenexporten und guten Beziehungen zu ambitio- nierten Staaten der Dritten Welt macht die BRD den USA auch Kon- kurrenz um die Kontrolle der Staatenwelt und erzwingt ihre Mitwirkung an der Regelung der Machtfragen. Im offiziellen Ge- schrei über illegale Waffenexporte skrupelloser deutscher Ge- schäftsleute geht völlig unter, daß der allergrößte Teil der Aus- rüstungen für den Irak l e g a l und offiziell die Grenze pas- siert hat, daß es also nicht bloß Geschäft, sondern auch deutsche Außenpolitik gewesen ist, den Staat Irak aufzurüsten und zu einem starken Partner deutscher Interessen zu machen. So hat Genscher Freunde und Einfluß gewonnen und ihn den USA streitig gemacht. Auch gegen diese Erfolgstour deutscher Weltpolitik hat sich der Krieg der USA gerichtet. Natürlich will auch die europäische Großmacht BRD einem Dritt- Welt-Staat seine Korrekturen der Landkarte nicht einfach durchge- hen lassen. Aber deutsche Politik hätte die Kontrolle über den Irak s e l b e r, f ü r s i c h u n d m i t i h r e n M i t t e l n gesucht. Dazu ist es gar nicht gekommen. Der kompromißlose Kriegswille der USA hat die Einflußmöglichkeiten und guten Beziehungen der BRD zerstört und sie vor die Wahl ge- stellt, sich mitmachend unterzuordnen - oder aber eigene Wege zu gehen, dem Kriegskurs der USA die Gefolgschaft zu verweigern und so den großen Verbündeten herauszufordern. Für soviel weltpoliti- sche Eigenständigkeit aber - auch das hat der Kriegsverlauf ein- drucksvoll unter Beweis gestellt - reichen die militärischen Mit- tel des neuen Deutschland noch bei weitem nicht aus; deswegen verbietet sich auch jede Herausforderung der USA, solange die deutsche Macht noch auf deren Aufräumarbeiten angewiesen ist und spekuliert. Für Nationalisten eine sehr unbefriedigende Lage. Ihren Liebha- bern ist die deutsche Nation schuldig, den politischen und mili- tärischen R i e s e n zu machen - so wie sie es ökonomisch ja schon ist. Weil es daran noch fehlt, blieb es im Golfkrieg frei- lich beim "Genscherismus": bei der berechnenden Unterordnung un- ter die amerikanische Führungsmacht als nationalem Erfolgsweg. So ist dieses ehrenwerte Mitglied der Völkerfamilie den zwar gangba- ren, aber wenig eleganten Weg seines imperialistischen Einflusses gegangen: Einerseits hat die BRD den Krieg mit finanziert, sie hat ihr Ter- ritorium als Etappe und Drehscheibe der Versorgung der Golftrup- pen, sowie Munition und Kriegsmaterial zur Verfügung gestellt. Andererseits hat sie sich nicht als Kriegspartei präsentiert und merken lassen, daß dies nicht ihr Krieg ist. Zwar hat sie das Recht der Alliierten zur Niederwerfung und Zerstörung des Irak stets uneingeschränkt bejaht, zugleich aber mitten im Krieg ihren ungebrochenen Friedenswillen heraushängen lassen und einen wirk- lich untergeordneten militärischen Beitrag verweigert. Halb wollte sie nicht richtig dabei gewesen sein, halb hat sie ihren Anspruch angemeldet, bei der Neuordnung des Nahen Ostens - am Siegertisch - ein gewichtiges Wort mitzureden. Mit einem speziellen deutschen Hang zum Frieden, mit dem Grundge- setz und seinem Verbot, die Bundeswehr anders als für die Landes- verteidigung einzusetzen, hat das alles nichts zu tun. Das hätte die Bundesregierung schnell ändern können, wenn sie es f ü r d i e s e n K r i e g gewollt hätte. Hinterher geht es ja auch. Soviel hat Deutschland nämlich aus diesem Krieg gelernt: Es muß schleunigst ein normaler imperialistischer Staat werden. Es kann nicht auf Dauer Exportweltmeister sein und aus der weltweit von US-Soldaten durchgekämpften Marktwirtschaft den größten Nutzen ziehen, ohne die weltweite Garantie ihrer Spielregeln gegen un- botmäßige Habenichtse wie gegen gleichrangige Konkurrenten vom Schlage der USA selbst in die Hand zu nehmen: Schnelle Eingreif- truppen, eine europäische Armee, Auf- und Nachrüstung in der von den USA dominierten elektronischen Kriegstechnik sind die deut- schen Friedenslehren aus diesem Krieg. IV. Das liebe Volk wurde während des Krieges von Regierung und "Bild" nicht mit den Gründen des Kriegs und der zwiespältigen deutschen Haltung zu ihm behelligt. Es ging um Verständnis und Billigung der Bürger für die laufende weltpolitische Großtat. Ein sattes Feindbild und moralische Rechtstitel fürs Schießen waren da viel nützlicher als die wirklichen Gründe der Kriegspolitik. So brauchte der Bürger nicht zu wissen, woran er zahlend betei- ligt war, wenn er nur kapiert hat, daß dieser Krieg die ge- rechteste Sache von der Welt, also "unsere" ist. Ohne jeden Bezug darauf, was der deutsche Normalverbraucher von der Vertreibung der Iraker und der Wiedereinsetzung der Herrschaft der Sippe der Al Sabah über die kuwaitischen Ölquellen für Vorteile zu erwarten hätte, sollten die Bürger mit diesem Krieg s i c h u n d i h r L e b e n verteidigt sehen, nur weil ihr Staat "weit hinten im Orient" einen Feind seiner weltpolitischen Handlungsfreiheit aus- gemacht hat. Für Leute, die Staatsangelegenheiten nie objektiv, sondern grundsätzlich parteilich betrachten: als ehrenwerte Ord- nungs-"Probleme", über deren "Lösung" man sich den Kopf der eige- nen Obrigkeit zu zerbrechen hat, - für ein demokratisch ge- bildetes Publikum also war dieser Standpunkt kein Problem. Im Lichte der Frage: "Wie hätten Sie entschieden?" konnten sie ihrer gelehrigen Phantasie freien Lauf lassen und das Geschehen durch- aus genießen: Amateur-Imperialisten durften im Geiste den Krieg mitplanen, mitschießen und die Kapitulationsbedingungen mitformu- lieren, ganz als zählten sie zu den Herrschaften, die die Welt ordnen und unter Kontrolle halten, und nicht ebenfalls zum kon- trollierten und benutzten Material. "Saddam böse" ------------- Die Sünden dieses Dunkelmanns, der foltert, völkische Minderhei- ten unterdrückt und schon einmal ein Nachbarland überfallen hat, wurden tausendmal hergebetet. Daß man einem solchen das Handwerk legen muß, war allen Weltpolizisten unter den deutschen Zeitungs- lesern klar. Daß man das im Verein mit Saudi-Arabien, Syrien, Ku- wait und Iran tut, Ländern, auf die dieselben Charakterisierungen zutreffen, beweist, daß die Sünden gegen die guten Sitten des Herrschens unmöglich der Grund der Feindschaft gegen Saddam Hus- sein sein können. Der stolze Besitzer eines intakten Feindbildes darf sich an solchen Kleinigkeiten natürlich nicht stören, wenn er sich weiterhin sicher sein will, auf der richtigen Seite mit- zufiebern. "Saddam Umweltterrorist!" ------------------------- Die Verwüstungen, die der Feind m i t t e n i m Krieg und w e g e n d e s K r i e g e s anrichtet, eignen sich herrlich als Gründe f ü r d e n K r i e g: Im Krieg zeigt der Feind sein wahres Gesicht; hätte man ihn in Ruhe gelassen, hätte man womöglich nie gemerkt, mit was für einem man es zu tun hat. I m Krieg beweist jeder Feind unwiderleglich seine Bösartigkeit: Er produziert "unschuldige Opfer". Die Iraker können das natürlich auch, sie zeigen sterbende Kinder, der Westen ölverschmierte Was- servögel. Sogar Saddams unterlegene Kriegsmittel werden noch Be- weis seines moralischen Unwerts: Hätte er B-52 Bomber gehabt, die Tag und Nacht Bombenteppiche auf Städte und Befestigungen legen, dann hätte er gegen die Invasion von See nicht lächerliche Öltep- piche legen müssen, die dann militärisch gar nicht viel helfen; hätte er eine Luftabwehr gehabt, die die US-Maschinen vom Himmel holt, dann hätte er ihnen nicht mit ein bißchen Rauch von bren- nenden Ölquellen die Sicht verschlechtern müssen. Nur die überle- gene Gewaltmaschinerie ist moralisch sauber! Nur wer in kürzester Zeit die meisten Toten produzieren kann, schont die Umwelt! "Wenn man Saddam Hussein jetzt nicht stoppt..." ----------------------------------------------- ... dann wird es später um so schwerer. Denn dann wird aus dem Irak am Ende wirklich noch eine respektable Macht - und das darf nicht sein. Und warum nicht? Daß Saddam mit seiner "Republikanischen Garde" demnächst vor Wien stehen würde und die BRD besetzen wollte, hat ja wirklich niemand befürchtet. Aber daß man ihn besser heute als morgen bekämpft, das stand fest. Und warum? Weil gleich fest- stand, daß der Westen den Irak sowieso nicht machen lassen würde. Denn daß aus diesem Staat eine so ernsthafte Macht wird wie unser Deutschland mit seinen weltweiten Interessen oder wie unser Part- ner Frankreich mit seinen Eingreiftruppen überall - von den USA ganz zu schweigen -: Das kommt schon allein deswegen überhaupt nicht in Frage, weil es diese ernsthaften Mächte mit weltweiter Zuständigkeit ja längst gibt. Wo kommen wir denn hin, wenn die Araber nicht mehr auf uns hören?! Eine "Lektion" für Saddam Hus- sein ist also auf alle Fälle fällig - und damit wurde dem mitden- kenden Volk die Überfälligkeit und Unausweichlichkeit dieses Krieges bewiesen. "Weltpolitische Verantwortung"? Die gehört uns, nicht dem Irak. Dem gehört sie im Gegenteil gewaltsam wegge- nommen. Deswegen gilt: Jede Waffe in der Hand Saddam Husseins ist eine Gefahr für den Frieden, jede Waffe aber, die die USA gegen ihn einsetzen und jede, die die Bundesrepublik sich anschafft, ein Beitrag zu ihm. Heute konsequent keinem Krieg aus dem Weg ge- hen - das verhindert spätere. "Krieg ums Öl" -------------- Die beliebte Übung, bei Kriegen immer nach den H i n t e r gründen und den e i g e n t l i c h e n Interessen zu fragen, für die sie geführt werden, hat auch diesmal wieder stattgefunden. Mancher, der auf die durchsichtigen moralischen Rechtstitel vom Völkerrecht nicht einsteigen wollte, wurde zum eingebildeten Materialisten des Krieges, und wollte kapiert ha- ben, worum es den eigennützigen Kontrahenten 'in Wirklichkeit bloß` geht: ums Öl. Als hätten Shell und Esso von Saddam Hussein ihren Rohstoff nicht mehr gekriegt! Als hätte der Irak sich Kuwait gegriffen, um mit dessen Öl-Reichtum k e i n Geschäft zu machen! Im Ernst: Auch mit dem eroberten kuwaitischen Öl hätte der Chef in Bagdad gar nichts anderes machen können als schon bisher mit dem eigenen: es gegen Dollar, DM und Yen an die Nationen verkau- fen, die daraus ein Geschäft machen können. Um den Preis zu erhö- hen, hätte er es allenfalls nicht verkaufen und auf seine Staats- einkünfte verzichten können. Was dann aber passiert, hat der Krieg gezeigt: Für das Irak-Embargo sind Saudis und andere dop- pelt eingesprungen und haben den ganzen Reibach gemacht. Für diesen vermeintlichen Kriegsgrund - daß der Norden sich das Öl mit Gewalt sichert - haben sich manche geschämt und "Kein Blut für Öl" gefordert. Andere wußten damit einfach, worum es geht, und warum der Krieg sein muß: Daß "Wir" die Herren des Öls sind, weil "wir" es brauchen; daß "wir" "unser" Öl denen nicht zu den Bedingungen abkaufen können, zu denen sie es gerne hergeben; daß Kauf und Verkauf bei lebenswichtigen Rohstoffen nicht bloß eine Geld-, sondern vor allem eine Machtfrage sind, bei der "wir" am Drücker bleiben müssen: Das alles hat blitzschnell eingeleuchtet. An der Tankstelle werden brave Familienväter und Sekretärinnen zu Imperialisten, die ohne jede Rechnung wissen, was "uns" am Golf zusteht und den ortsansässigen Völkerschaften nicht. "Unser" Le- ben verträgt sich ganz einfach nicht mit irgendwelchen Erfolgen der Staaten und Leute "da unten": Wir oder die! Und so kommen gleich noch ein paar Klarstellungen zustande: "Wir" dürfen diese Zeitgenossen nicht zu gut behandeln! Man muß denen z.B. nicht bloß Waffen vorenthalten, sondern überhaupt "unseren" großen Konkurrenzvorteil: Technologie! Was bisher immer zu wenig Entwicklungshilfe für die Armen dieser Erde gewesen ist, ist jetzt gefährlicher Technologie-Transfer, der unterbunden gehört. Die Armut und Rückständigkeit der "Dritten Welt" ist jetzt "unser" Schutz und Interesse. Nichts davon, wohlgemerkt, stimmt, aber dafür, daß man sich in die westliche Kriegsfront geistig einreiht und Hurra schreit, ist es gut genug. "Deutsches Giftgas auf Israel!" oder: "Saddam = Hitler" ------------------------------------------------------- Im Laufe des Krieges kam dann aber auch die Moral nicht zu kurz. Der Kanzler, der sich vor Jahresfrist durch die Gnade der späten Geburt endlich davon befreit sah, sich von den Israelis ewig Auschwitz um die Ohren hauen lassen zu müssen, mochte das Argu- ment "Auschwitz" auf einmal wieder: Jetzt wird aus Hitlers Juden- mord ein Argument für eine deutsche Rolle im Krieg gegen Irak. Die guten Deutschen wurden sehr moralisch und verspürten plötz- lich eine Verantwortung, als hätten sie alle persönlich ein KZ geleitet: Weil die deutsche Regierung einst Juden umbringen ließ, müßten deutsche Bürger, wenn sie Mumm hätten, nun eigentlich Ara- ber umbringen - als Wiedergutmachung. Damit war die ehrwürdige deutsch-israelische Freundschaft mal wieder auf den Punkt gebracht; und zwar nach beiden Seiten: - Wann lassen die Deutschen sich an die Verbrechen ihres alten Führers erinnern? Wenn die verlangte "Buße" ihnen politisch in den Kram paßt. Wenn die Moral der alten Geschichte ganz aktuell darauf hinausläuft, mehr Einmischung zu üben. Wenn daraus nämlich die Kritik folgt, die Deutschen hätten sich mit ihren außenpoli- tischen Künsten des Waffenhandels und der friedlichen Erpressung viel zu wenig ins Geschäft des weltweiten Ordnungsstiftens einge- schaltet. Wenn die "Scham" und "Reue" wg. Hitlers Judenmord einen ganz speziellen deutschen Gesichtspunkt dafür hergibt, sich in einen Krieg einzuschalten, zu dem man gleichzeitig lieber Distanz hält, weil er gar zu einseitig amerikanische Sache ist. - Und in genau diesem Punkt hat die verlogene Moral der Deutschen sich mit den Interessen des israelischen Staates mal wieder prächtig getroffen. Der hat nämlich keineswegs unter Existenzäng- sten gelitten, sondern ganz im Gegenteil unter dem amerikanischen Verbot, sich m e h r und richtig aktiv in den Krieg einzuschal- ten. Dadurch, daß der Krieg an ihm vorbeigelaufen ist, sieht die- ser Staat sich von den Früchten des Sieges ausgeschlossen und in seiner angestammten Rolle als ewiger Siegermacht im Orient ge- fährdet. Auf einmal decken sich nicht mehr bruchlos seine Inter- essen an militärischer Überlegenheit über alle Nachbarn und das amerikanische Interesse an gezähmten, d. h. kleingemachten Ara- berstaaten. In diesem Konflikt mit der Schutzmacht USA, der pro- grammgemäß gleich nach Kriegsende los ist, ist der israelischen Regierung jeder Partner recht, der ihren Anspruch auf exklusive Sonderbehandlung bedingungslos unterstützt: Dafür pflegt s i e ihr moralisches Sonderverhältnis zum Rechtsnachfolger des Hitler- reiches. Was Israel davon hat, steht dahin. Was die Deutschen davon haben, ist dafür klar: eine erzmoralische Selbstkritik, viel zu pazifi- stisch zu sein und viel zu wenig eine jederzeit eingreifbereite Militärmacht. Was für eine Moral: nach 'Auschwitz` darf Deutsch- land nie wieder "kriegsmüde" und "drückebergerisch" sein! Was bleibt also vom Krieg? Für alle guten Deutschen die Lektion: "Es gibt wichtigeres als den Frieden!" -------------------------------------- Na gut, das ist doch mal ein Wort. Weg mit dem verlogenen Getue von wegen "Gewalt kein Mittel der Politik"! Dann steht aber auch einmal etwas anderes an als die widerlich- bequeme Heuchelei, die sich bei jeder nationalen Gewaltaktion darauf herausredet, es wäre im Grunde keine. Dann steht an: eine objektive Prüfung der Gründe, für die die deutsche Nation Gewalt will, braucht und einsetzt. Kein moralisches Geseiche über Schuld, Verbrechen und Verantwortung, sondern die Klarstellung der politischen Zwecke, für die der Westen - gemeinsam und all seine Mitglieder noch einmal je für sich - Gewalt, Rüstung und Krieg wirklich brauchen. Also statt der verlogenen Parteilich- keit, die immer nur ihr moralisches Alibi vor sich herträgt, ein wenig Kenntnis von der parteilichen Sache, für die Deutschland und der Westen mit allen Mitteln einstehen und notfalls auch zu Felde ziehen. Denn "wichtiger als der Frieden" ist für die Staaten, die sich die Mühsal der Weltordnung um keinen Preis aus der Hand nehmen lassen wollen, eben genau dies: ihr imperialistischer Erfolg. Da- für gehen sie fröhlich über Leichen; auch eigene. zurück