Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-2 - Es ging um mehr als 'unser' Öl


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SADDAM HUSSEIN WILL GEISELN FREILASSEN - SO EINE GEMEINHEIT

Irgendwie komisch ist das schon. - Erst ist alle Welt empört dar- über, daß Saddam Hussein ausländische Geiseln festgehalten hat, um das ausländische Militär am Zuschlagen zu hindern. Wochenlang sollte das Publikum alle Leiden der "bedauernswerten Geiseln" mitfühlen. Und man sollte es sehr menschlich finden, wenn die USA und ihre westlichen Verbündeten lautstark die sofortige Freilas- sung und Ausreiseerlaubnis für diese Leute forderten. - Dann kommt Saddam Hussein dieser Forderung nach. Natürlich nicht aus Menschlichkeit, sondern aus Berechnung. Er läßt einen Teil der festgehaltenen Ausländer ausreisen und lädt Politiker wie Willy Brandt ein, um die Freigabe weiterer Geiseln zu organi- sieren. Und wiederum reagieren westliche Politiker äußerst em- pört, warnen vor einer Spaltung der Kriegsfront gegen den Irak und lehnen nicht nur jegliche Verhandlungen, sondern sogar die bloße Reise in den Irak, um dort freigelassene Geiseln in Empfang zu nehmen, strikt ab. Warum das? Um die Menschen geht es also nicht. Es herrscht Kriegszustand - und da sind Menschen allemal nichts als das Material der staatli- chen Gewalt. Die westlichen Alliierten halten es für unbedingt nötig, dem gemeinsamen Gegner Saddam Hussein ihre absolute Unver- söhnlichkeit klarzumachen. Deswegen kommt auch nicht einmal die kleinste diplomatische Geste - ein Flug von Genscher nach Bagdad, um die Geiseln in Empfang zu nehmen - in Frage. In Ehren ergraute Politgrößen, die bei dem "Irren von Bagdad" vorbeischauen, um mit ein paar Geiseln heimzukehren und dafür den Dank des Vaterlandes zu ernten, werden geradezu als Verräter an der gemeinsamen Sache abgestempelt. Die regierenden Chefs der EG-Staaten legen sich wechselseitig auf absolute Unnachgiebigkeit fest. So werden die Ausländer im Irak zum Gegenstand von zweierlei po- litischer Berechnung: Saddam Hussein verspricht sich Vorteile von ihrer dosierten Freilassung - ihre Heimatstaaten bestehen darauf, daß die Geiseln Geiseln bleiben, solange Saddam Hussein noch nicht vollständig zu Kreuze gekrochen ist. Ausgerechnet an den Geiseln wollen die westlichen Staatsmänner unbedingt ihre Einig- keit und Geschlossenheit im Kampf gegen den irakischen Staatschef beweisen - am Ende führen die westlichen Alliierten ihren Schlag gegen den Irak unter dem Motto "Geiselbefreiung". So haben die Geiseln gute Aussichten, als Nationalhelden zu enden. zurück