Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-2 - Es ging um mehr als 'unser' Öl

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       Marxistische Gruppe
       
       Liebe Leute
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       Ihr demonstriert  gegen den  Krieg am  Golf, aber nicht gegen die
       Mächte, die ihn führen.
       SPD und  DGB haben  extra zu einer von den anderen Friedensdemon-
       strationen   getrennten    Demo   aufgerufen,    um   ja    keine
       a n t i - a m e r i k a n i s c h e n   u n d   r a d i k a l e n
       T ö n e  aufkommen zu lassen. Steinkühler, Willy Brandt, etc. ru-
       fen gleichzeitig  zu solchen  Demonstrationen und zur Solidarität
       mit unseren amerikanischen Freunden auf.
       Warum soll  man denn  nicht "antiamerikanisch"  werden, wenn  der
       Weltfrieden, den  die USA  sich sichern,  immer wieder siegreiche
       Kriege braucht?  Ist es denn so schwer zu merken, daß es um Welt-
       herrschaft  geht,   wenn  der     W e l t p o l i z i s t     die
       i n t e r n a t i o n a l e   R e c h t s o r d n u n g    gleich
       selbst erläßt, die er durchsetzt?
       Oder hört  Ihr einfach  auf Willy Brandt, Genscher und Konsorten,
       wenn sie  Euch sagen,  Deutschland kann  antiamerikanische Kritik
       jetzt gerade  nicht gebrauchen - vielleicht, weil der Exportwelt-
       meister Deutschland  die offenen  Märkte und  weltweit machtlosen
       und kooperationsbereiten Regierungen auch nur dank amerikanischer
       Kriegserfolge vorfindet?  Dann könnt Ihr aber auch gleich für den
       Krieg demonstrieren.
       
       Ihr demonstriert gegen den Krieg und zugleich gegen den Feind der
       westlichen Allianz.
       
       Verträgt sich  das? Sind  empörte Anklagen  der Verbrechen  einer
       ausländischen Macht  nicht  eigentlich  Aufrufe  zum  Zuschlagen?
       Warum leuchten  Euch überhaupt  die  verlogenen  Rechtstitel  der
       westlichen Kriegspartei  - "völkerrechtswidriger Überfall auf Ku-
       wait" - ein? Ist Euch nicht bekannt, daß noch jeder Krieg auf der
       Erde  geführt  wurde,  um    d a s    R e c h t    d u r c h z u-
       s e t z e n   und um  einem   s k r u p e l l o s e n   F e i n d
       d e n  R e s p e k t  v o r  d e m  R e c h t  b e i z u b r i n-
       g e n?  Jetzt muß die westliche Allianz unbedingt das Völkerrecht
       durchsetzen, nachdem  Zig Aggressionen  und Landnahmen  (z.b. vom
       Freund Israel,  aber auch  vom Feind  Irak gegen  den Iran  von 8
       Jahren) dem  Westen gerade  recht waren,  durch Waffenlieferungen
       zum Erfolg  geführt  wurden  und  keine  Verurteilung  durch  die
       heiligen Prinzipien  der UNO nach sich zogen; bzw. kritische UNO-
       Resolutionen, um  die sich  einfach niemand  kümmerte. Ist  es so
       schwer, hinter den verlogenen Rechtfertigungen für den Krieg, das
       Interesse des  Westens zu entdecken? Warum demonstriert Ihr nicht
       dagegen? Es ist der Grund des Krieges.
       
       Ihr demonstriert  gegen den  Krieg, aber  billigt die Kriegsziele
       des Westens.
       
       Die "politische Lösung des Konflikts", die Ihr fordert, wollt Ihr
       selbst auf  keinen Fall  mit einem  Aufruf an die Alliierten ver-
       wechseln, sie  sollten dem  Saddam um  des lieben Friedens willen
       Kuwait lassen.  "Raus aus Kuwait!" - muß der Iraker auch im Namen
       der Friedfertigen im Lande.
       Warum engagiert  Ihr Euch  in solchen  Fragen. Kann es Euch nicht
       gleichgültig sein,  welcher Diktator über kuwaitisches Öl und ku-
       waitische Konten  verfügt? Die  westliche Kriegsallianz  will den
       Klan des  Emirs al Sabah wieder einsetzen - auch nicht gerade ein
       Demokrat in  dem Sinn. Ist der Euch lieber? Daß unsere westlichen
       Regierungschefs auf möglichst zerstückelte, machtlose, also pfle-
       geleichte Ölstaaten  scharf sind, leuchtet ein - das ist eben Im-
       perialismus. Aber Ihr?
       
       Ihr sagt, "Gewalt kann niemals Mittel zur Lösung politischer Pro-
       bleme sein"! - und irrt gewaltig.
       
       Gewalt ist  sogar das  einzige Mittel  der Politik - national und
       international. Auch im Frieden, den ihr fordert: Friedfertig sind
       die machtvollen,  auf Militär und Abschreckung gegründeten Inter-
       essen der  westlichen Staaten  nämlich so  lange,  wie  die  ohn-
       mächtigen sich  dagegen nicht wehren. Wenn sie sich wehren in die
       Konkurrenz um Macht einsteigen und sich selber mehr davon sichern
       wollen, gibt es Krieg.
       

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