Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-2 - Es ging um mehr als 'unser' Öl

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       Aufmarsch am Golf gegen den Irak
       

EIN KRIEG, DEN SICH DIE USA NICHT NEHMEN LASSEN

Es gibt ja auch keinen Staat in der Region, der ihnen diesen Krieg abnehmen könnte - so wie vor 10 Jahren der Irak, der den Wunsch der USA nach einem Schlag gegen die iranischen Mullahs er- füllt hat. Für einen "Stellvertreterkrieg" eines Nachbarstaats gegen Saddam Hussein ist der Irak zu mächtig - dank der Milliar- den, die er für sein Öl eingenommen hat und dank der hochmodernen Waffen, die er damit im Westen eingekauft hat. Daß diese Macht trotzdem nichts zählen darf in der Weltordnung von heute; daß sie auf gar keinen Fall eingesetzt werden darf, um die wohlgeordneten Interessen des Westens zu stören: Diese Klarstellung nimmt die Weltmacht Nr. 1 selber in die Hand. Sie marschiert an mit ihren überlegenen Mitteln und mit ihren Satellitenstaaten und baut sy- stematisch das Nötige auf, um dem Irak k e i n e C h a n c e zu lassen. Es geht nämlich darum, den Feldzug gegen Saddams Armee als hoheitliche Weltpolizeiaktion durchzuziehen. Die Verbündeten haben m i t zumachen. Mit Hilfstruppen oder we- nigstens mit Hilfszahlungen. In diesem Sinne ist auch Deutschland mit von der Partie. Milliarden aus Bonn für den Krieg gegen den Irak ------------------------------------------------ Zum ersten Mal ist die Nation außerhalb der NATO-Zuständigkeit offiziell mit dabei, gewaltsam für westliche Ordnung zu sorgen. Deutsche Waffen kommen jetzt zum Einsatz: "Rad- und Wasserfahr- zeuge, Funk- und Pioniergerät, ABC-Schutzausrüstungen, 60 ABC- Schützenpanzer vom Typ Fuchs" und andere Errungenschaften deut- scher Wertarbeit, die dem amerikanischen Aufmarsch noch mehr Schlagkraft verleihen sollen. Deutsches Geld finanziert US-Mili- tärtransporte. Deutsche Kredite vergüten Ägypten, Jordanien und der Türkei ihre Frontstaatendienste gegen den Irak. Und die Tür- kei erhält als Gratisgabe zusätzliche deutsche Militärhilfe. 3,6 Milliarden läßt sich Bonn das alles fürs erste kosten. Der amerikanische Präsident bedankt sich, daß die Bonner Regierung jetzt endlich dem amerikanischen Drängen nachkommt. Die Öffent- lichkeit ist zufrieden: Das ist deutsche Verantwortung, wie sie sich gehört. Die Deutschen könnten nicht "Weltmeister sein im Export, aber wenn die Gewitter aufziehen, zur Seite treten und sagen, das sol- len andere machen", hat der Kanzler zur Begründung verlauten las- sen. Wieso eigentlich nicht? Haben "die Deutschen" nicht 40 Jahre lang blendend verdient mit deutschen Exporten - Waffen natürlich eingeschlossen -, mit deutschen Kreditgeschäften und weltweiten Wirtschaftsbeziehungen, während die USA von Vietnam bis Panama die Weltpolizistenaufgaben beansprucht und erledigt haben? Sind "die Deutschen" unter dem Schirm der amerikanischen Atommacht und der NATO nicht zur europäischen Großmacht aufgestiegen, ohne daß deutsche Soldaten weltweit die reinigenden "Gewitter" mit- veranstaltet haben, wenn es galt, den Kommunismus einzudämmen und dem Westen mißliebige Staaten zur Räson zu bringen? Waren "die Deutschen" nicht 40 Jahre lang die Weltmeister im Ausnutzen die- ser westlichen Arbeitsteilung! Warum können deutsche Politiker diesen deutschen Erfolgsweg eigentlich nicht mehr weiterver- folgen? Erstens, weil die USA auf eine Beteiligung gedrängt haben. Zwei- tens, weil sich die Bonner Politiker zu einer Beteiligung am Weltordnungsgeschäft nicht drängen lassen wollen. Die Bundesre- publik war bislang an den kriegerischen Aktionen in aller Welt und an der Sicherung der weltweiten Geschäftsgelegenheiten nie federführend beteiligt. Aber diese "Zurückhaltung" war für deut- sche Politiker nie ein Herzensbedürfnis, sondern immer schon ein erzwungener Verzicht. Sie sind ja gar nicht 40 Jahre freiwillig zur Seite getreten und haben die USA machen lassen; sie waren auf die amerikanische Führerschaft und deren überlegene Machtmittel gegen den Osten angewiesen und haben als NATO-Mitglied deswegen diese Führerschaft fraglos anerkannt und im eigenen Macht- interesse unterstützt. Diese Lage hat sich mit der freiwilligen Selbstbeschränkung der Russen und dem unaufhaltsamen deutschen Aufstieg geändert, und an Bonns "Selbstbeschränkung" soll sich deshalb nach dem Willen der Bonner Weltpolitiker künftig auch ei- niges ändern. Mehr "Verantwortung" wollen sie übernehmen - mit Waffen und Geld, wie denn auch sonst! Allerdings haben sie sich im Fall des Irak dazu nur "zögernd und zurückhaltend" bereitgefunden. 3,6 Milliarden für die westliche Kriegsgemeinschaft, das zählt nämlich in den Augen der Öffent- lichkeit als bescheiden, und das ist es ja auch nach den Maßstä- ben, die für den westlichen Aufmarsch am Golf gelten. Man könne nicht mit gutem deutschen Geld eine Militäraktion finanzieren, bei der die Bundesrepublik gar nicht richtig mitentscheiden dürfe, ließen Regierung und Opposition gemeinsam verlauten. Eine ziemlich ehrliche Auskunft, was deutsche Friedenspolitiker stört: Das amerikanische Unterstützungsbegehren hat für sie zu sehr den Charakter einer ultimativen Forderung, die Weltpolizistenrolle der USA auch weiterhin anzuerkennen und mitzutragen. Der amerikanische Präsident hat ja demonstrativ die Führerschaft ge- gen den Irak übernommen, den Kriegskurs festgelegt und hält mit seiner Militärmacht das Heft fest in der Hand. Von den Europäern hat er verlangt, sich dem amerikanischen Vorgehen umstandslos an- zuschließen und dafür die Hilfskräfte zu spielen. Bloß die kon- kurrenzlose Zuständigkeit der Amerikaner für das weltweite Zuschlagen unterschreiben und die amerikanische Macht dabei un- terstützen - mit dieser Rolle sind die Chefs des nun wiederverei- nigten Deutschland aber gar nicht zufrieden. Weltweit bei den ge- waltsamen Konflikten "eigene Verantwortung als Deutsche überneh- men" wollen sie. Im Falle des Irak haben sie dafür keine rechte Möglichkeit gese- hen, nachdem Präsident Bush den Verbündeten ausdrücklich bloß die Rolle der Untersheriffs zugewiesen hat. Deswegen hat Bonn erst einmal auf Abwarten gemacht, wieweit die Entschlossenheit der USA reicht, die Verbündeten in die Pflicht zu nehmen. "Wir sind zu sehr mit der deutschen Wiedervereinigung beschäftigt", hieß es. Jetzt hat Kohl dem amerikanischen Drängen nachgegeben. Freilich in einer Art, die deutlich macht und auch deutlich machen soll, daß Deutschland mehr beansprucht als nur die Rolle des amerikani- schen Geldgebers und Helfershelfers. Die Regierung finanziert nicht einfach bloß die amerikanischen Aufmarschpläne, sondern leistet Kredithilfen an verbündete Länder vor Ort und bemüht sich, damit den Einfluß auf Ägypten und Jordanien und die Sonder- beziehungen zur Türkei zu stärken - und nebenher schon wieder Ge- schäfte anzuleiern. Sie macht sich ausdrücklich für eigene An- strengungen der europäischen NATO- und EG-Partner im Nahen Osten stark. Dafür ist ein Gutteil des Geldes bestimmt. Daneben stellen Regierung und Opposition gemeinsam weltöffentlich klar, daß Deutschland im Prinzip gewillt ist, künftig in der ganzen Welt machtpolitische Aufgaben zu übernehmen, und sich das als Auftrag ins gesamtdeutsche Grundgesetz schreiben will. Aber als seinen eigenen! Freilich: Am Golf kommen die deutschen Verantwortungsträger noch nicht darüber hinaus, bloß als untergeordnete Macht beteiligt zu sein. Ihre Ansprüche reichen aber schon weit genug, daß sie das stört. zurück