Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-1 - Iran gegen Irak


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       US-Kriegsschiff im Golf angeschossen
       

RAKETEN AN DIE FALSCHE ADRESSE

Ein "schwerer Zwischenfall" der sich als "unbeabsichtigtes Un- glück" (Iraks Hussein) erwies, traf letzten Montag die US-Fre- gatte 'Stark' im Persischen Golf und bescherte dem "empörten" US- Präsidenten ein demoliertes Kriegsschiff und 37 unschuldige To- desopfer. Zwei Raketen des französischen Typs Exocet - welcher schon im Falkland-Krieg unerwünschte Erfolge gegen eine NATO- Macht zeitigte - hatten das falsche Ziel anvisiert. "Was haben amerikanische Kriegsschiffe auch mitten im Kriegsge- biet am Golf zu suchen? Sind die Amis nicht selber schuld, wenn sie sich an der Front zwischen Iran und Irak herumtreiben - und dabei ein paar Treffer kassieren? Wie im Kriegsgebiet Nicaragua, wo nach amerikanischer Sichtweise jeder erschossene 'Aufbauhelfer' sich nicht beklagen darf, wenn es ihn trifft. Aber Nicaragua ist ja nicht die USA. Am Persischen Golf halten die USA (und ihre NATO-Partner) einen Krieg in Gang, der ihnen als wech- selseitiges Abschlachten zwischen zwei ungeliebten Nationen aus- gesprochen zweckmäßig erscheint. Sie sind selbst keine Partei im Krieg, beaufsichtigten stattdessen mit ihrer Marine vor Ort des- sen ordnungsgemäßen, d.h. paritätischen Verlauf und "verteidigen" gleichzeitig eine durch die Schlacht nicht gestörte "freie Durch- fahrt" der "Freunde der USA" und "ihres" Öls. Hier kontrolliert also der imperialistische Weltpolizist Nr. 1 einen Krieg, dessen Fortexistenz und Unentschiedenheit das Pro- dukt seiner eigenen Interessen und Mittel sind. Und als oberste Militärpatrouille hat man - wie die "Friedenstruppe" im Libanon - das Recht, selbst ungeschoren zu bleiben. Wenn man denen in Te- heran und Bagdad schon solch treffsicheres Tötungsgerät ver- schafft, dann kann man in Washington auch verlangen, daß es nur die Richtigen trifft! Ab sofort wird also zurückgeschossen, wenn sich irgendein Schiff oder Flugzeug nähert, ohne um Erlaubnis zu fragen. Die kritische freie deutsche Presse ----------------------------------- hat den "tödlichen Irrtum" (Frankfurter Rundschau) in der ihr ei- genen Art kommentiert. Die 'Frankfurter Rundschau' gibt sich "erstaunt" über "die abwiegelnde Reaktion aus Washington" und mo- niert, daß diese "weder zu den patriotischen Sprüchen paßt, die sonst aus dem Amerika Ronald Reagans zu hören sind, noch zu der Versicherung, für den freien Schiffsverkehr im Golf zur Not auch mit Waffengewalt zu sorgen" (Frankfurter Rundschau, 19.5.). So kann man die Sache also auch betrachten. Daß die "Supermacht USA" nicht selbst zuschlägt, sondern die kriegerischen Attacken zumin- dest vorläufig auch weiterhin dem Iran überläßt (und umgekehrt dem Irak die Bestrafung des iranischen "Terrorismus"), erscheint da als Beweis mangelnder Glaubwürdigkeit amerikanischer Gewalt- drohungen. Und die Freiheit unserer Schiffahrt ist doch allemal mit Waffengewalt am besten besorgt. Zu dieser Aufwiegelei zur Ge- walt paßt bestens die bodenlose Dummheit, welche aus der angebli- chen amerikanischen "Abwiegelei" ein Desinteresse der USA am Golfkrieg folgert und daraus wiederum die Hoffnung ableitet, daß "aus dieser Haltung der ernsthafte Wille entstünde, dem Krieg Einhalt zu gebieten". Daß die "Supermacht USA" überall in der Welt über Krieg und Frie- den zu entscheiden hat, aus den überlegenen Waffen also das zwei- fellose Recht zur Ordnungsstiftung erwächst, diese nackte impe- rialistische Wahrbeit ist einem demokratischen Schreibtischtäter eine ebensolche Selbstverständlichkeit wie einem Ronald Reagan, der sie als solche praktiziert. zurück