Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-1 - Iran gegen Irak
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Iran / Irak
EIN KRIEG, DEN KEINER GEWINNEN DARF
Nachdem es recht lange Zeit um den seit über fünf Jahren dauern-
den Krieg zwischen dem Irak und dem Iran ziemlich still geworden
war, gerät der "Golfkrieg" momentan wieder einmal in die Schlag-
zeilen. An der Front hat sich etwas getan; dem Iran ist es mit
der Besetzung des irakischen Ölhafens Fao gelungen, einen
"Brückenkopf" auf dem Gebiet des Irak zu errichten. Und das ist
für den Westen Anlaß zur Sorge. Nicht weil plötzlich befürchtet
werden müßte, bei "uns" gingen in den Wohnzimmern die Lichter
aus, weil die Ölzufuhr aus dem persischen Golf ausbleibt. Davon
hat man sich im Westen längst unabhängig gemacht.
Anlaß zur Sorge besteht für den Westen schon gar nicht, weil er
plötzlich der Meinung wäre, es gälte den Schlächtereien ein Ende
zu bereiten. Seit wann stören den Westen Kriegstote? Die Sorge
ist ganz anderer Natur. Eines darf nämlich unter keinen Umständen
passieren: ein Kriegserfolg des Iran, der den Irak in die Knie
zwingen würde und somit die Kräfte der "Mullahs" für die Weiter-
verbreitung ihrer "Revolution" freisetzen würde. Das Kriegsziel
der Freien Welt in diesem Krieg heißt nämlich, daß in der Golfre-
gion "keine der beiden Seiten gewinnen darf" (Henry Kissinger).
Zwei im Westen wenig beliebte Mitglieder der Völkerfamilie arbei-
ten sich blutig und kostspielig aneinander ab. Daß nicht mehr
daraus wird, dafür sorgt die Freie Welt.
Nirgends ist von Boykottmaßnahmen seitens der USA oder anderer
westlicher Staaten gegenüber den "fanatischen Mullahs" die Rede,
geschweige denn gegen den Irak des Saddam Hussein, der vor weni-
gen Jahren noch als "Russenfreund" eine schlechte Presse im We-
sten hatte. Im Gegenteil: Ohne aktive Förderung wäre der Ofen "da
unten" längst aus. Die Geschäfte mit den Iran haben in den Auf-
tragsbüchern westlicher Unternehmen mittlerweile wieder die Grö-
ßenordnung wie zu den besten Zeiten des Schah Resa Pahlewi er-
reicht.
Dem Irak werden schon gar keine Hindernisse in den Weg gelegt. In
schöner westlicher Arbeitsteilung sorgt hier Frankreich für den
Einsatz westlichen Kriegsgeräts, Saudi-Arabien und die Ölscheich-
tümer für die Bezahlung. Das G e s c h ä f t wird also mitge-
nommen; das "Recycling" der an den Iran und Irak bezahlten Petro-
Dollars ist gesichert. Darauf kommt es hier aber nicht an; es
geht um mehr. Ein Krieg wird am Laufen gehalten, an dem in diesem
Umfang ein politisches Interesse des Westens besteht. Sein
Hauptergebnis hat dieser Krieg nämlich, noch bevor entschieden
ist, wer als Sieger aus dieser Schlächterei hervorgeht. Die
"Islamische Revolution" im Iran war, ist und bleibt eine Schädi-
gung westlicher Interessen und eine Gefahr für die politische Zu-
ständigkeit des Westens im Nahen und Mittleren Osten. Deswegen
war, ist und bleibt es grundsätzlich gut und nicht schlecht, daß
der Irak den Krieg gegen das iranische Revolutionsregime eröffnet
hat. Denn dadurch hindert er den "Ayatollah", sich um die Aus-
breitung seiner "islamischen Revolution" in anderen Richtungen zu
kümmern. Der Störung, die von ihm für die imperialistische Welt-
ordnung ausgeht, sind so ihre Grenzen gezogen. Die "gläubigen,
fanatischen Massen" verbluten in diesem Krieg und können andern-
orts kein Unheil stiften.
Umgekehrt ist durch iranische Kriegserfolge ebenso sicher ge-
stellt, daß die Berechnungen der irakischen Führung, durch einen
Sieg zur Vormacht in der arabischen Welt zu werden, nicht aufge-
hen. Auch dies ein für den Westen durchaus günstiges Ergebnis: In
seinen Kriegsanstrengungen wird der Irak immer abhängiger vom We-
sten und seiner prowestlichen Nachbarn, für die er einstmals eine
"sozialistische" Gefahr gewesen sein soll. So binden sich zwei
für die imperialistischen Staaten unbequeme Mächte gegenseitig in
dem zermürbenden Gemetzel. Weil das der Nutzen dieses Krieges
ist, steht der Sieger jetzt schon fest.
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