Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-1 - Iran gegen Irak

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WER ESKALIERT DIE "LAGE AM GOLF"?

Kaum ein paar Wochen ist es her, daß ein irakischer Raketentref- fer auf eine amerikanische Fregatte von den USA als Anlaß begrüßt wurde, in eindeutigerer Weise als bisher den Iran mit Kriegs- aktionen zu bedrohen. Mittlerweile ist die schwimmende Kriegsma- schinerie Amerikas vor Ort bereit, jede militärische Option in die Tat umzusetzen. Mit der US-Definition, der Iran sei es, der "unsere Ölzufuhr" und die "Stabilität der Region" gefährde, ist der Kriegsgrund gegen den zum Hauptfeind erklärten Mullah-Staat fix und fertig. Die Anlässe zum Zuschlagen liefern die USA mit ihrer überlegenen Militärpräsenz im Kriegsgebiet gleich selber. Und die europäischen NATO-Partner sind scharf darauf, ihren ga- rantiert eigenständigen Beitrag zur imperialistischen Ordnungs- stiftung vor der Südgrenze Rußlands zu leisten. Ein jederzeit kontrollierter Krieg ---------------------------------- An Einmischung im Golfkrieg haben es Reagan und Konsorten nie fehlen lassen. Schon lange ist bekannt, daß dieser Krieg nur des- halb schon so lange geführt wird und werden kann, weil beide Kriegsparteien von NATO-Staaten mit Waffen ausgestattet werden. Daß also die USA, indem der Westen die Mittel des Kriegs liefert, es in der Hand haben, ihn in seinem Ablauf und Resultat nach ih- rem Interesse zu gestalten. Und daß von Anfang an die US-Politi- ker dafür gesorgt haben, daß keine der beiden Seiten gewinnt und sich zur regionalen Macht aufschwingt. Es war immer schon nur die halbe Wahrheit, daß es in dieser Region darum gehe, die Ölzufuhr des Westens zu garantieren - die Lieferung von Waffen, die das Kriegführen ermöglichen, ist deshalb nie unterblieben. Und Über- land-Pipelines haben längst dafür gesorgt daß nur mehr der Iran selbst abhängig ist vom Schiffstransport über den Persischen Golf. Umgekehrt war das westliche ökonomische Interesse an dieser Region der Rechtstitel dafür, mit eigenen Flotten für besonders wertvoll erachtete Fracht durch die Gefahrenzone zu geleiten, um drohend zu gewährleisten, daß westliche Belange nicht vom Willen und von der Fähigkeit der Feindstaaten abhängen, sich wechselsei- tig an ihrem Lebensnerv, den Ölausfuhren, zu treffen. Mit dem Re- sultat, daß der Krieg im Golf die Kreise der kapitalistischen Ge- schäftwelt und der imperialistischen Strategen nie auch gestört hat. Den Krieg a m L a u f e n z u h a l t e n, dort selbst als militärische Macht präsent und zuständig für das dortige Ge- schehen zu sein, dies war und ist der Standpunkt westlicher Ein- mischung in den Golfkrieg. Die wachsende Unduldsamkeit der amerikanischen Regierung gegen den bisherigen Kriegsverlauf und die Feindseligkeit gegen den Iran liegen deshalb auch keineswegs daran, daß - ausgerechnet - der Iran "unsere Ölversorgung" gefährden würde. Dies beweisen der eigentümliche Übergang, daß ein irakischer Raketentreffer Reagan und das Pentagon dazu bewogen haben sollen, eindeutiger gegen den Iran Front zu machen, ebenso wie die Tatsache, daß der durch den Irak wiedereröffnete Tankerkrieg keine Sorge um "unser Öl" wert ist. Die verschärfte Form amerikanischer Golfpolitik, provokativ in den Krieg einzugreifen, und die Entschiedenheit, mit der sie den Zweck befördern, das iranische Regime zu schwächen, zeigen, daß der Iran von einem Gesichtspunkt her stört, der prinzipieller ist als die Sicherung von ein paar Öltankern. Was stört, ist, daß mit der amtierenden Regierung unter Khomeini nicht ins p o l i t i s c h e G e s c h ä f t zu kommen ist, so wie die Weltmacht sich das vorstellt - in ihrem Interesse und zu ihren Bedingungen. Die US-Politiker denken nämlich gar nicht daran, diesen S t a a t geopolitisch abzuschreiben und seinen - aus amerikanischer Sicht unberechenbaren, also "verrückten" - Mullahs zu überlassen. Auch wenn der Iran die Sowjetunion nicht als Schutzmacht akzeptiert - unter dem strategischen Gesichtspunkt, daß auch diese Region in der Hand der Amerikaner zu sein hat, ist der iranische Staat ein Störfaktor. D e s h a l b ist der Anlaß beliebig, an dem dem Iran der Krieg erklärt wird. Deshalb wird seit längerem das "Weichenstellen für die Zeit nach Khomeini", im Klartext: die Vorsorge für westliche Kriegsgewinne im Iran, be- trieben. Deshalb werden drei kuweitische Tanker unter sowjeti- scher Flagge zum Anlaß genommen, öffentlich die "Abdankung der USA als Seemacht" zu befürchten. Deshalb wird die Drohung ausge- sprochen, daß "jede zusätzliche sowjetische Präsenz eine unwill- kommene Bedrohung" sei. Und deshalb macht sich die westliche Ord- nungsmacht das kuweitische Interesse zu eigen - um den unbeding- ter Anspruch der USA zu manifestieren, gegen die Sowjetunion die alleinige Schutzmacht sämtlicher Staaten und Interessen zu sein und zu bleiben, die mit der arabischen Halbinsel, ihren Ölvorrä- ten, den Wasserwegen dorthin und dem Treiben der dort regierenden Souveräne zu tun haben. Die Freiheitsfront am Golf -------------------------- Das hierfür angewandte Verfahren folgt dem bewährten Muster: Man macht sich zur Zielscheibe - weshalb vorsorglich zurückgeschossen werden muß. Man nimmt die Anliegen des Ölscheichtums Kuweit unter seine Fittiche - und schon ist der Iran mit der Frage konfron- tiert, ob er seine bisherige Kriegführung weiterführen und Krieg mit den USA haben will. So wird neu definiert, was als iranische Offensive gelten soll: Provokativ dehnen die USA ihre Hoheit mitten ins Kriegsgeschehen hinein aus, bringen sich als übermächtiger Beteiligter und poten- tiell Betroffener ins Spiel und konfrontieren so den Iran mit der amerikanischen Drohung, die ganze Wucht ihrer militärischen Mit- tel zur Verteidigung ihrer neudefinierten Interessen einzusetzen. So durchkreuzen sie offiziell die iranische Strategie, die Unter- stützerstaaten des Irak in der Region zu bedrohen. Zugleich kündigt Reagan an, an der Straße von Hormuz keine irani- schen Raketen zu dulden, die den Schiffsverkehr durch dieses "Nadelöhr" bedrohen könnten. Bestimmte Waffen auf iranischem Bo- den gelten ab sofort als Provokation, die das Recht der Super- macht begründet, dagegen nach bewährter Libyen-Manier zuzuschla- gen. Je mehr die Weltmacht Nr. 1 die Kriegsumstände zuungunsten des Iran verändert, um so weniger steht dem zu, sich Möglichkei- ten dagegen zu verschaffen. Und mit diesem Anspruch wird Kriegsdiplomatie gegen die Mullahs betrieben: Mit der öffentlichen Willensbekundung, die militäri- schen Optionen am Golf in ihrer Hand zu monopolisieren und sich jede Reaktion auch schon präventiv zu überlegen, kündigen die USA entschiedene Feindschaft an und behalten sich alle entsprechenden Maßnahmen vor. So wird eine Entwicklung vorangetrieben, die ersichtlich über das begrenzte Anliegen, sich gegen den lokalen Krieg abzusichern, hinausreicht, unter dem sie hierzulande immer noch verkauft wer- den soll. Die Küste soll zum Hinterland für Daueroperationen be- liebig großer Marineeinheiten sowie als möglicher Standort ameri- kanischer Luftstreitkräfte ausgestattet werden. So wird der Golf- krieg für eine Strategie benutzt, die die persisch-arabischen Ge- wässer zu einem "mare nostrum" der NATO und die ganze Region zu einem weiteren H a u p t a b s c h n i t t i n d e r F r o n t d e r F r e i h e i t g e g e n d i e R u s s e n ausgestalten will. zurück