Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-1 - Iran gegen Irak


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       Im Golf:
       

REAGAN HAT SICH MAL WIEDER ZURÜCKGEHALTEN

Und n u r eine iranische Ölbohrinsel zerschießen lassen, noch dazu eine ganz alte, angeblich ausrangierte; nachdem eine iranische Rakete vor Kuwait einen amerikanisch beflaggten Tanker getroffen hat. B l o ß ein paar iranische Motorboote hat seine Marine versenkt; nachdem ein US-Hubschrauber sich beschossen ge- fühlt hat. Und so weiter. Lauter Akte der Z u r ü c k h a l- t u n g - angesichts dessen, was die US-Regierung mit der Feuerkraft ihrer Golf-Flotte im Iran anstellen und an Verwüstung anrichten k ö n n t e. Und daß das amerikanische R e c h t auf zerstörerisches Zu- schlagen gegen Iran allemal mindestens so groß ist wie die ameri- kanische M a c h t dazu, das steht schon längst fest und außer Zweifel, wenn jede wirkliche Kriegsaktion als Enthaltung von mög- lichen massiven Kriegsaktionen gewertet wird. Diese Sichtweise des Geschehens mit ihrem "nur" und "bloß" rechnet ganz selbstver- ständlich damit, daß der US-Regierung grundsätzlich alles das rechtmäßig z u s t e h t, was sie v e r m a g. Weil sie den Iran mit seiner störenden Kriegführung zu zerstören vermag, er- scheint jedes wirkliche Zuschlagen unterhalb dieser "Schwelle" automatisch als "Mäßigung". Und Schießübungen auf Ölplattformen sind ganz enorm gemäßigt. Die US-Regierung will übrigens; daß die regierenden Mullahs im Iran ihr Eingreifen ähnlich sehen. Jedenfalls begleitet sie jede militärische Aktion mit der Botschaft, von einem Kriegszustand zwischen USA und Iran könnte nicht im entferntesten die Rede sein. Und das ist nicht einmal gelogen: Im Krieg zwischen Iran und Irak P a r t e i e r g r e i f e n, das will die westliche Führungsmacht - tatsächlich nicht. Dem Krieg im Golf will sie S c h r a n k e n s e t z e n - logischerweise dadurch, daß sie selbst kriegerisch eingreift; anders geht so etwas nicht. Aber der Standpunkt, den die USA mit ihren Kriegsaktionen geltend ma- chen, soll eben nicht der eines normalen dritten Kriegsteilneh- mers sein: sondern der "maßvolle" Standpunkt eines höheren Kriegs"-Schiedsrichters. US-Schiffe schießen nicht für irgendeine Seite, sondern für eine hoheitliche Kontrolle darüber, daß der Krieg "im Rahmen" bleibt. In welchem Rahmen? Im Rahmen des An- spruchs, daß alle Meere, Ozeane und Golfe dieser Welt s o g u t w i e amerikanisches Gelände sind; spätestens dann wenn US- Schiffe darauf herumfahren - was allemal der Fall ist "Freiheit der Schiffahrt" ist kein Vorwand, sondern der völkerrechtiche Ti- tel, der zu diesem amerikanischen Weltmachtanspruch paßt als wäre er dafür gemacht (was irgendwie ja auch der Fall ist). Das also ist die amerikanische "Mäßigung": Die US-Flotte fährt in ein Kriegsgebiet hinein - und verbittet es sich mit militärischem Nachdruck, vom Kriegsgeschehen betroffen zu werden. Sie kreuzt an einer Nebenfront im tödlich gemeinten Ringen zwischen den beiden Nachbarstaaten Iran und Irak auf und verlangt, daß beide Kriegs- gegner und besonders der eine einen respektvollen Bogen um sie und ihre Flaggen machen. Umgekehrt: Sie greift ein ins Kriegsge- schehen - aber vom Standpunkt einer Macht, die nicht Betroffener oder Teilhaber, sondern A u f s i c h t s o r g a n d e s K r i e g s g e s c h e h e n s ist. Dieses Auftreten i s t t o t a l i t ä r. Es wird mit einer militärischen Überlegenheit operiert, die sich an ihre Gegnern überhaupt nicht messen lassen will, also mit m a ß l o s e r Ü b e r l e g e n h e i t. Es wird ein Herrschaftsinteresse an- gemeldet, das sich an den Souveränitätsansprüchen keines anderen Machthabers relativiert, also ein a b s o l u t e s H e r r- s c h a f t s i n t e r e s s e. Und es werden Drohungen in die Landschaft gesetzt, die Unterordnung unter die amerikanische Hoheit erzwingen - also t o t a l e K r i e g s d r o h u n- g e n. Neben denen sieht natürlich jede Kriegsaktion t a t s ä c h- l i c h höchst relativ und geringfügig aus. Sie stehen für maßvolle Enthaltung von ein bißchen totalem Krieg. Das ist eine deutliche Auskunft über den Maßstab, an dem der Westen den Rest der Staatenwelt mißt. * Warum die USA und ihre NATO-Satelliten sich jetzt gerade den Mittleren Orient ausgesucht haben, um die Freiheit der Schiffahrt zu sichern und den Persischen Golf zum NATO-Meer zu machen, ist abgehandelt in der neuesten Nummer 10/11 des politischen Monats- magazins MSZ - Gegen die Kosten der Freiheit zurück