Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-1 - Iran gegen Irak
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Giftgas im Golfkrieg
DEMOKRATEN SIND IMMER NOCH DIE BESTEN HEUCHLER
Eine Woche lang wurden immer wieder die Bilder von den kurdischen
Giftgasopfern gezeigt. Eine Woche lang wurde sich heftig entrü-
stet. Wieso eigentlich?
- Es ist noch keine drei Monate her, da haben die USA hochoffizi-
ell verkündet, daß sie die fortschrittlichste Generation von
Giftgasbomben in Serienproduktion gehen lassen - da hat sich das
Gezeter schwer in Grenzen gehalten! Die NATO, unser ehrenwertes
Kriegsbündnis, stockt Waffen von genau dem Kaliber auf. Die wer-
den auch zu gar nichts anderem produziert als eben dazu, einge-
setzt zu werden wie in der kurdischen Stadt. Oder wie im Vietnam-
krieg, wo die USA tonnenweise Chemikalien abgeladen haben. Als
NATO-Waffen ganz was anderes? Moralisch einwandfrei? Harmlos,
weil vor ihrem Einsatz der Kanzler gefragt werden muß?
- Wenn sich nach einem Giftgaseinsatz im Iran-Irak-Krieg sofort
europäische Experten melden und sich hochinteressiert die halben
Leichen vorführen lassen - daran will auch keinem anständigen
Bürger etwas auffallen. Daß sich die NATO-Staaten alle ihre
Kriegsmediziner halten, die unglaublich geil auf ein paar echte
Opfer sind, um einmal die Ernstfallwirkung studieren zu können,
das ist wohl ganz unverdächtig und furchtbar humanitär?!
- Was die K u r d e n betrifft: Die werden von unserem NATO-
Partner Türkei seit Jahren vielleicht ohne Giftgas, auf alle
Fälle aber ohne weiteres Aufsehen als "Terroristen" ausgerottet.
- Schließlich erfährt man immer wieder, daß es auch die Lieferun-
gen unserer hervorragenden deutschen Industrie sind, die die bei-
den Kriegsgegner Iran und Irak da unten überhaupt in die Lage
versetzen, sich mit solchen und vielen anderen Mitteln fertigzu-
machen. Da fällt auch schon mal in kritischen Fernsehmagazinen
ein häßliches Wort über das 'Geschäft mit dem Tod'. Bloß - ein
Argument gegen die BRD und deren handfeste Interessen an dem
Krieg wird nie daraus. Dabei ist es doch nur allzu offensicht-
lich, daß den vertrauenswürdigen Herren in Bonn einiges daran
liegt, die Kriegspartner da unten mit Material zu versorgen. Das
stiftet gute Beziehungen und Einfluß, deshalb ist Genscher ein
von beiden Seiten besuchter Gesprächspartner; und wenn sich die
beiden Feindstaaten fortschreitend ruinieren, ist das auch nicht
falsch. So stellen sich nämlich nützliche Abhängigkeiten ein. Und
daß dabei auch noch flott verdient wird, das gehört sich eben für
eine "Exportnation".
D a g e g e n einmal Protest einzulegen, käme: demokratischen
Bürgern nie in den Sinn. Aber wenn die unter deutscher Mitwirkung
produzierten Waffen Chemiewaffen sind und auch noch angewandt
werden, dann bedrückt das ihre zarten Gemüter?
Es gibt doch nichts Billigeres als ein bißchen Entrüstung über
die Schlechtigkeit der Welt an Stellen, wo garantiert nichts dar-
aus folgt. Wo man nicht Gefahr läuft, sich gegen die eigene Ob-
rigkeit wenden zu müssen. Es gibt nichts Schöneres, als ein biß-
chen an einem Krieg herumzumoralisieren, der eben nicht wegen un-
serer guten Interessen, sondern wegen anderen geführt wird. Die
darf man dann für sehr verwerflich befinden. Da darf man sich
dann auch furchtbar über Waffen entsetzen - über dieselben Waf-
fen, die als Bestandteil der NATO-Arsenale gar keine demokrati-
sche Aufregung wert sind.
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