Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-1 - Iran gegen Irak
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Was mißfällt hiesigen Begutachtern an der
"ESKALATION AM GOLF"
Die amerikanische Marine hatte gerade zwei iranische Ölplattfor-
men im Golf gesprengt und "bei den folgenden bisher heftigsten
Kampfhandlungen" fünf persische Schiffe versenkt bzw. in Brand
geschossen. Und schon fragten westdeutsche Kommentatoren (wen ei-
gentlich?) klagend an, "ob sich jetzt auch die Amerikaner dem Ge-
setz des Dschungels anschließen" und unbedingt "wie die Ayatol-
lahs eine gefährliche Eskalation der Lage heraufbeschwören" müß-
ten. Immer wenn in irgendeiner Weltregion ein Krieg auflebt, es-
kaliert prompt die professionelle Friedenssorge hinterher = unter
dem beliebten Bewältigungsmotto: ob es denn sein müßte. Diese
Frage zeugt erstens von programmatischer Ignoranz, weil sie sich
die Prüfung des p o l i t i s c h e n I n t e r e s s e s erst
gar nicht vornimmt, das da zuschlägt. Und sie wirft zweitens ein
bezeichnendes Licht auf die pazifistische Heuchelei der Frage-
steller: Die Frage lebt immerhin von der erklärten Bereitschaft,
"vernünftige", d.h. g u t e Gründe fürs Kriegführen als solche
zu würdigen und dementsprechend mit Beifall zu bedenken: Wenn
"es" nun mal sein mußte!
W i e s o der nordamerikanische Staat eigentlich im Persischen
Golf "US-Interessen und die freie Schiffahrt zu verteidigen"
(Reagan) hat, fragt sich niemand. Da würde ja glatt die beliebte
Kunst des Problematisierens hinfällig. Daß die USA
- selbstverständlichen Anspruch auf die Benutzung aller Erdenwin-
kel frei nach den Bedürfnissen des Kapitals erheben;
- diese sich selbst zuerkannten Verfügungsrechte dementsprechend
überall mit militärischer Macht zu sichern haben;
- und deshalb alle dieser gewalttätigen Ordnungsstiftung in die
Quere kommenden Interessen und Gegenmaßnahmen als feindliche Akte
definieren und mit militärischen "Vergeltungsaktionen"
"beantworten",
erklärt nämlich nicht nur die kriegerische "Eskalation" seitens
der Amerikaner nach erfolgreicher Minensuche. Das Bescheidwissen
über den Grund zwingt darüber hinaus zu einer eindeutigen Stel-
lungnahme. Entweder man ist d a f ü r. Dann kann man sich
freuen, wenn die US-Boys zuschlagen. Oder man ist d a g e g e n.
Und zwar nicht deshalb, weil das Ideal einer "chirurgischen Ope-
ration" bei dieser amerikanischen "Strafaktion" angeblich daran
"gescheitert" ist, daß "die Iranis das Feuer erwiderten" und von
daher zu "befürchten" ist, "die USA könnten in eine umfangreiche
militärische Auseinandersetzung verwickelt werden" (Frankfurter
Rundschau, 19.4.). Also nicht deshalb, weil der weltpolitische
Täter das arme Opfer einer von ihm selber geschaffenen "Lage"
werden könnte.
Und auch nicht deshalb, weil es sich um einen Rückfall auf die
"Gesetze des Dschungels" handelt, wem die zivilisierte US-Kriegs-
maschinerie die 'Freiheit der Meere' für die NATO freischießt.
Als ob das R e c h t und Gesetz der westlichen Zivilisation
sich nicht einzig der überlegenen G e w a l t verdanken, mit
der das Bündnis kapitalistischer Staaten die ihm passende Welt-
ordnung garantiert. Und als ob es nicht einzig und allein die mi-
litärische Potenz der Weltmacht Nr. 1 ist, welche es dieser ge-
stattet, in der Pose des Weltenrichters die Freiheit der Defini-
tion von Recht und Unrecht wahrzunehmen und die gefällten Straf-
urteile - als Weltpolizei - gleich selber zu exekutieren, um an-
schließend dem Bestraften - wie jetzt im Golf vorexerziert - auch
noch die "Hinnahme" der "begrenzten Aktion" dringend zu empfeh-
len, andernfalls...
Daß die imperialistische Moral aus den Gewehrläufen kommt, das
bestätigen im Übrigen gerade jene Friedenswarner, denen bei
Kriegseinsätzen des Westens immer das R i s i k o einfällt, das
womöglich der eigenen Herrschaft und ihren Verbündeten droht. Wer
an der weltweiten Zuständigkeit der USA (und NATO) für Recht,
Ordnung und freie Schiffahrt nichts auszusetzen hat, dessen Kri-
tik an militärischen "Abenteuern" kommt noch allemal zum Verstum-
men, wenn der E r f o l g diesen recht gibt.
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