Quelle: Archiv MG - NAHOST GOLFKRIEG-1 - Iran gegen Irak


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       Amis schießen iranischen Airbus ab
       

EIN KRIEGSAKT WIRD INTERPRETIERT:

"Meldung und Meinung Rainer Bonhost (Washington): Alptraum im Golf" 1. Nicht, daß die USA im Golf einen Krieg führen, gilt unserer Presse als Alptraum. Das ist schließlich "unsere" Supermacht. Auch nicht, daß dabei Tote anfallen. Das gehört zum Geschäft. Ein Alptraum liegt vielmehr vor, wenn "unbeteiligte Zivilisten... in der Hitze des Gefechts Opfer eines furchtbaren Irrtums" werden (WAZ-Kommentar, 4.7.) An seinem Differenzierungsvermögen merkt man das Zynische dieses Humanismus: nötige Leichen gehen in Ordnung, unnötige sind "furchtbar". Das dürfte die letzteren trösten. Auch wenn das mit dem 'unnötig' gar nicht stimmt. Schließlich nimmt jede Kriegsfüh- rung in Kauf, daß es "Unbeteiligte" trifft; manchmal ist das so- gar ein beabsichtigter Effekt. Solche "Irrtümer" sind also höchst notwendig. Erst einen Krieg gerechtfertigt finden ("unsere Golfregion"), um dann über Opfer zu lamentieren, die - im nach- hinein! - als Opfer eines "Irrtums" qualifiziert werden, das ist ein schöner Saubermannsstandpunkt. Zumal, wenn dieser "Irrtum", von dessen zwangsläufigem Anfallen im Kriegsgeschehen man ande- rerseits durchaus ein Bewußtsein hat, den schicksalsträchtigen Titel "Tragödie" erhält. 2. D i e s e Einordnung ist nämlich wichtig, weil man einen Ver- gleich anstellen möchte, um ihn zurückzuweisen: "Eine Parallele liegt auf der Hand: Vor fünf Jahren war es ein sowjetischer Offizier, der den Abschuß eines zivilen Passagier- flugzeugs aus Südkorea befahl. Ein Aufschrei ging - zu Recht - um die Welt, als Protest gegen die menschenverachtende Arroganz ei- ner Supermacht." (WAZ) Und warum darf man diese Parallele nicht ziehen? Etwa, weil mitt- lerweile längst aufgedeckt worden ist, daß dieser "zivile" Jumbo tatsächlich in militärischer Mission unterwegs war und diese auch - Abschuß hin oder her - erfüllt hat, das sowjetische Flug- abwehrsystem auszuspionieren!? Im Gegenteil: "Der amerikanische Stabschef erinnerte zu Recht daran, daß der Abschuß des iranischen Airbusses in der Hektik einer Kriegssi- tuation erfolgte" (WAZ). Merke: Wenn die gute Supermacht eine Zivilmaschine abknallt, liegt Hektik vor, also ein nicht verantwortbarer Sachzwang. Wenn die böse Supermacht "in der Hektik einer Kriegssituation" ein Spionageflugzeug abknallt, liegt "menschenverachtende Arroganz" vor! 3. Als bundesdeutscher Begutachter ist man sich freilich auch ein wenig Distanz schuldig. Schließlich haben "wir" nicht mitgeschos- sen. Diese Distanz ist freilich höchst bezeichnender Art: "Das moralische, militärische und politische Desaster im Golf aber sollte ein Ansporn sein, in Zukunft länger und härter nach Friedenslösungen Ausschau zu halten" (WAZ). Abgesehen davon, daß die wirkliche Kriegsstrategie der USA im Golf in keiner der 3 Hinsichten ein "Desaster" erlitten hat - der iranischen Kampfpartei ist m i t dem Airbus-Abschuß durchaus eine Lektion erteilt worden! -, ist es doch ein wenig billig, dem großen Bruder vorzurechnen, er könnte sein K r i e g s ziel - eine a m e r i k a n i s c h e "Friedenslösung" für die Golfre- gion - eventuell mit anderen Methoden besser erreichen. Eventu- ell! zurück